Firmenrettung

Der Knickohrhase ist gerettet: Die Erzgebirgische Holzkunst hat einen neuen Eigentümer

Der Dresdner Unternehmer Rico Paul führt das Unternehmen weiter, das unter anderem für seine Riesenpyramiden bekannt ist. Eine davon steht auf dem Striezelmarkt in Dresden.

3 Min
Neben den Riesenpyramiden sind es die Knickohrhasen, die die Erzgebirgischen Holzkunst GmbH in Gahlenz bekannt gemacht haben.

Neben den Riesenpyramiden sind es die Knickohrhasen, die die Erzgebirgischen Holzkunst GmbH in Gahlenz bekannt gemacht haben.

© Hendrik Schmidt

Die Mitarbeiter bleiben, die Produktpalette auch, nur der Name wird ein neuer sein. Die Traditionsfirma Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz aus Oederan ist gerettet und firmiert künftig unter dem neuen Namen Gahlenzer Holzbaukunst GmbH.

Der neue Eigentümer heißt Rico Paul, ist in Dresden zu Hause und hat Erfahrung mit der Holzkunst aus dem Erzgebirge. Seit 2016 gehört ihm die Firma Steinbach. Sie gilt weltweit als einer der traditionsreichsten Hersteller von Nussknackern. Gegründet wurde das Familienunternehmen ursprünglich im Jahr 1832. Genau wie jetzt Gahlenz steckte auch die Marke Steinbach vor einigen Jahren in einer tiefen Krise und musste Insolvenz anmelden. Rico Paul übernahm den angeschlagenen Betrieb im Jahr 2016, sanierte ihn erfolgreich und führte ihn zurück in die Gewinnzone.

Die Steinbach Volkskunst hat sich seitdem auf den Exportmarkt etabliert, verkauft besonders erfolgreich in die USA. Dort besitzen die exklusiven, oft limitierten Steinbach-Nussknacker einen enormen Sammlerstatus.

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Die Pyramide auf dem Dresdner Striezelmarkt stammt aus Gahlenz. Hier sind die Bauteile auch eingelagert und werden in wenigen Tagen wieder nach Dresden für den Aufbau gebracht.

Die Pyramide auf dem Dresdner Striezelmarkt stammt aus Gahlenz. Hier sind die Bauteile auch eingelagert und werden in wenigen Tagen wieder nach Dresden für den Aufbau gebracht.

© IMAGO/Sylvio Dittrich

Mit der Neugründung der Gahlenzer Holzbaukunst GmbH setzt Rico Paul auf Synergien mit seinem bisherigen Nussknacker-Geschäft. Er will seine Kontakte zu amerikanischen Händlern, Kaufhäusern und Sammlern nutzen, um auch die Gahlenzer Produkte dort zu vertreiben. Gleichzeitig bleibt Gahlenz das Kompetenzzentrum für Großbauten und Riesenpyramiden für weltweite Weihnachtsmärkte wie in Dallas, Tokio oder Dresden.

 Alle 17 verbliebenen Kunsthandwerker wurden übernommen, weil ihr jahrzehntelanges Spezialwissen unersetzlich ist. Die Manufaktur verbleibt im Oederaner Ortsteil Gahlenz. Künftig werden jedoch die Marken Steinbach und Gahlenz kooperieren, um Kosten unter anderem im  Vertrieb zu senken.

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Das US-Geschäft als Rettungsanker

Der 1897 gegründete Handwerksbetrieb in Gahlenz musste am 7. August 2026 beim Amtsgericht in Chemnitz Insolvenz anmelden. Diese Krise hatte viele Ursachen, so der damalige Geschäftsführer Gundolf Berger. Die Inflation drückt auf die Kauflaune. Betroffen sei vor allem das mittlere Preissegment im Fachhandel. Steigende Energiepreise und die gesetzlichen Anpassungen des Mindestlohns trieben die Produktionskosten in der Werkstatt drastisch nach oben. Die Verkaufspreise für die Handarbeit mussten in der Folge teilweise um 50 Prozent angehoben werden, was Kunden zusätzlich abschreckte.

Doch nicht nur der Binnenmarkt schwächelt. Kurz vor der Insolvenz stornierte ein Großkunde aus Japan eine fest eingeplante Riesenweihnachtspyramide. Parallel dazu blockiert die Politik das extrem wichtige US-Geschäft. Eine knapp sechs Tonnen schwere Pyramiden-Spezialanfertigung für den Ort Ferdinand im Bundesstaat Indiana im Wert von Tausenden Euro blieb wochenlang beim US-Zoll hängen und die Rechnung erst einmal unbezahlt, was zu akuten Liquiditätsengpässen des Unternehmens führte.

Mit der Übernahme des Unternehmens durch Rico Paul ist aber auch die wichtige Frage der Firmennachfolge geklärt. Die beiden langjährigen Geschäftsführer, Gundolf Berger und Jochen Schumann, die den Betrieb 1993 von der Treuhand erworben hatten, suchten verzweifelt nach einem Nachfolger. Junge Interessenten winkten jedoch reihenweise ab, sobald sie sahen, wie viel betrieblicher und handwerklicher Arbeitsaufwand hinter dem Erhalt einer solchen Manufaktur steckt.

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