Für Leutnant Ehren Watada war es eine Frage des Gewissens. Als er im vorigen Juni den Marschbefehl in den Irak verweigerte, war seine Begründung einfach und klar: "Der Krieg ist nicht rechtmäßig". Die US-Regierung habe gelogen. Der Irak habe nichts mit den Anschlägen vom 11. September zu tun und Saddam Hussein besitze keine Massenvernichtungswaffen. Zudem misshandelten US-Soldaten die Zivilbevölkerung. Das verstoße nicht nur gegen internationales, sondern auch gegen amerikanisches Recht, sagte Watada und weigerte sich in jenen Bus zu steigen, der ihn zum Jet nach Bagdad bringen sollte.Jetzt muss sich Watada, 28, dafür vor einem Militärgericht verantworten. Wenn er verurteilt wird, drohen ihm bis zu vier Jahren Haft. Die Chancen, dass er die Höchststrafe erhält, sind hoch. Mitten im Krieg will man keine Nachahmer motivieren.Seit Beginn des Irak-Kriegs 2003 haben viele US-Soldaten den Kriegsdienst verweigert. Doch Watada ist der erste Offizier, der den Marschbefehl verweigert. Das schmerzt.Als Ehren Watada sich 2003 zum Dienst meldete, trieb ihn der Patriotismus. Nach den Angriffen vom 11. September wollte er sein Land verteidigen. Die USA hatten damals zwar schon Bagdad besetzt, doch Watada hinterfragte nichts. Er diente zunächst in Korea und bewährte sich als "einer der Besten", wie es in seinen Akten heißt. Doch als er sich 2006 auf den Einsatz in Irak vorbereiten sollte, kamen ihm Zweifel. Er informierte sich über internationales Recht, studierte die US-Verfassung und sprach mit Soldaten, die im Irak kämpften. Sein Fazit: Der Irak-Krieg ist unrechtmäßig.Watada bot an, in Afghanistan zu kämpfen, doch die Armee lehnte ab. Sie bot ihm einen Schreibtisch-Job in Bagdad an, doch er lehnte ab. Schon das war schlimm genug. Doch in den Augen der Armee beging Watada noch ein weiteres Vergehen: Er sprach in der Öffentlichkeit über seine Entscheidung und rügte seinen obersten Kommandanten - US-Präsident George W. Bush. Nun muss sich Watada nicht nur für die "Widersetzung eines Befehls" verantworten, sondern auch für ein "Verhalten, das einem Offizier und Gentleman nicht entspricht" sowie die "Geringschätzung eines Vorgesetzten".Für Kriegsgegner in Amerika ist Watada ein Held. Doch über ihn richten Soldaten, die im Irak dienten. Was Watada als moralische und rechtliche Pflicht versteht, könnten sie als Verrat betrachten. Die Chance für ein mildes Urteil hat er aufgegeben. Doch auch wenn er in Haft muss, er bereut nichts.------------------------------Foto: Ehren Watada, US-Offizier, will nicht im Irak dienen.
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