Während die meisten Amerikaner die Inauguration des neuen US-Präsidenten Barack Obama feierten, saß ein Mann auf einer Militärbasis fernab der Hauptstadt: Robert Michael Gates, der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten. Denn falls etwas passiert wäre, dann hätte einer regieren müssen. Die Vorsichtsmaßnahme geht auf ein Gesetz aus der Zeit des Kalten Krieges zurück, als viele fürchteten, die UdSSR könnte eine Atombombe auf das Weiße Haus werfen. Offiziell ist Robert Michael Gates, 65, zwar erst der Sechste in der Rangfolge nach dem Präsidenten, aber gestern hätte er am schnellsten einspringen können.George W. Bush berief ihn bereits im Jahr 2006 als Pentagonchef; er wurde der Nachfolger des gescheiterten Irakkriegers Donald Rumsfeld, der sich mit seiner großen Klappe unbeliebt gemacht hatte. Dagegen hatte der ruhige, kühle, konzentrierte Gates die Unterstützung beider Parteien. Einen "intelligenten Patrioten" nannte ihn Jimmy Carters Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski.Gates war lange CIA-Agent, bevor ihn der damalige US-Präsident George Bush senior zum Direktor der CIA machte. Nach dem Regierungswechsel half er dem demokratischen Präsidenten Bill Clinton, den Übergang vorzubereiten. Gates ist auch das einzige Kabinettsmitglied von Bush, das Obama übernahm, obwohl die Fortschritte des Pentagonchefs in Afghanistan kümmerlich sind und auch das Gefangenenlager Guantanamo noch existiert. Zwar hat sich Gates für die Schließung ausgesprochen, allerdings auch selbst rechtlich einen Riegel vorgeschoben: Die USA verweigern die Aufnahme der Häftlinge. Das ist das Haupthindernis für die schnelle Auflösung.Geboren ist Gates in Kansas, er studierte in Washington D.C. sowjetische Militärgeschichte und ging danach zur US Airforce. 1966 begann er bei der CIA und arbeitete sich unter sechs Präsidenten hoch. Er wurde Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates, 1989 machte ihn George Bush senior zum Sicherheitsberater des Weißen Hauses und, 1991, zum CIA-Chef. Dies war allerdings schon der zweite Anlauf: Bereits unter Ronald Reagan hatte Gates Ambitionen gezeigt, diese aber wegen seiner Rolle in der Iran-Contra-Affäre zurückstellen müssen, wenngleich ihm ein Untersuchungsausschuss wenig nachweisen konnte.Mit der Abwahl Bushs wurde Gates Rektor der George-Bush-School of Government and Public Service der Universität Texas und bald Präsident der Uni. Er sitzt im Aufsichtsrat einer Ölbohrfirma und eines Investmentfonds. Dass Obama den Fast-Rentner vorerst als Pentagonchef behält, liegt daran, dass der neue Präsident in der Kriegsführung unerfahren ist. Das ist ungünstig in Zeiten, in denen womöglich ein Krieg mit dem Iran und Syrien droht. Gates selber ist allerdings skeptisch, was weitere Militäreinsätze im Nahen Osten angeht. Der Irakkrieg habe gezeigt, dass ein Militäreinsatz unvorhersehbare Folgen haben könne, sagte er der New York Times. Deshalb müsse man immer ein paar Schritte vorausdenken.------------------------------Foto: Robert Gates, US-Verteidigungsminister und ausgewählter Ersatzmann
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