Wenn es nach Mark Warners Lebensplan gegangen wäre, wäre heute alles umgekehrt: Dann wäre Warner der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten und Barack Obama vermutlich einer der wichtigsten Redner heute beim Nominierungsparteitag. Warner, 53, galt vor zwei Jahren als der Hoffnungsträger der Partei: der Südstaaten-Gouverneur, der den Demokraten das Weiße Haus zurückholen konnte. Doch es kam anders: Zur Überraschung seiner Partei gab Warner seine Ambition für das Weiße Haus auf - angeblich, weil er seiner Familie den Wahlkampfstress nicht zumuten wollte. Tatsächlich aber munkelte man über mögliche politisch ungünstige persönliche Fehltritte.Dennoch ist Warner heute der "keynote speaker", der Hauptredner, beim Nominierungsparteitag der Demokraten. Das hat weniger mit Vergessen zu tun als mit Obamas Kalkül. Er will in diesem Wahljahr viele Ziele erreichen - eines davon ist die Eroberung des Südens der USA.Erstmals, seit der konservative Richard Nixon mit seiner "southern strategy" 1968 die Südstaaten der USA zu einem soliden republikanischem Wählerblock gemacht hat, haben die Demokraten in diesem Jahr Grund zur Hoffnung. Obama hofft nicht nur, schwarze Wähler zu mobilisieren, er setzt auch auf die Stimmen der weißen Studenten und der Gut-Ausgebildeten. Abgesehen hat er es auf Georgia, North Carolina und Virginia, und träumt davon, Mississippi, Louisiana und South Carolina zu gewinnen.Eine Hilfe dabei soll Mark Warner sein. Der moderate und zugleich charismatische Demokrat hat im Jahr 2001 die republikanische Tradition durchbrochen und war Gouverneur von Virginia geworden. Warner, zuvor erfolgreicher Mobilfunk-Unternehmer, kam gut bei den weißen Arbeitern an. Unter seiner Regie galt Virginia als "einer der am besten gemanagten Staaten" der USA.Warner den wichtigen Redeplatz auf dem Parteikonvent in Denver zu geben, ist ein Zeichen dafür, dass Obama seine Südstaaten-Strategie ernst nimmt. Vor vier Jahren war es Obama selbst, der mit einer überwältigenden Rede als "keynote speaker" seinen Namen in den USA bekannt machte. Heute will Obama Warner, der sich um den Senatsposten von Virginia bemüht, in den Mittelpunkt stellen und so den Süden ehren. Mit Warner als Hauptredner verfolgt Obama aber zudem eine Selbstschutzstrategie: An diesem Abend wird auch Hillary Clinton sprechen und mit Warner will Obama ein Gegengewicht auf die Bühne stellen. Es ist eine Zukunftsstrategie.------------------------------Mark Warner,US-Demokrat und Redner in Denver
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