So viel Einigkeit hat es in der CSU lange nicht mehr gegeben. Mit 119 Ja-Stimmen hat die Landtagsfraktion Günther Beckstein als neuen bayerischen Ministerpräsidenten nominiert. Nur zwei Abgeordnete stimmten gegen den derzeitigen Landesinnenminister. Man kann nur mutmaßen, dass das Edmund Stoiber und Erwin Huber waren. Der eine, weil er seinen Job lieber behalten hätte, der andere, weil er gerne selbst nominiert worden wäre.Beckstein kann nun zunächst mal auf eine alte Gewohnheit der CSU setzen, auf die Bereitschaft, sich dem unterzuordnen, der sich Chef nennt. Er kann darauf setzen, dass die Partei sich Ruhe wünscht nach all den Turbulenzen der vergangenen Monate. Ob er sein Amt länger als ein Jahr behalten kann, ist nicht klar. Im Herbst 2008 wird in Bayern gewählt. Dass die CSU wie bei der letzten Wahl, als Stoibers Kanzlerkandidaten-Bonus noch wirkte, über 60 Prozent erreichen kann, ist unwahrscheinlich. Wenn die Partei mit Beckstein auf 50 Prozent oder darunter fallen würde, wäre Beckstein die längste Zeit Ministerpräsident gewesen.Er wird versuchen, die Wähler mit einem Geldregen von sich zu überzeugen, den eigentlich Stoiber ankündigen wollte. Bildungs-, Sozial- oder Wirtschaftspolitik wird mit Becksteins Namen noch nicht verbunden. Statt dessen zieht Beckstein durch die Lande und sagt, er verstehe sich als "Anwalt der demokratischen Rechten". Damit kann er vielleicht etwas gewinnen, aber auch viel verlieren. Die CSU hat bisher immer als Partei der Mitte Erfolg gehabt.
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