Der neue Generaldirektor soll aus Kassel, der Nationalgaleriechef aus Frankfurt berufen werden

Zwei Hessen für Berlins Museen

Nikolaus Bernau Ingeborg Ruthe
4 Min

In den Pressebüros der Staatlichen Museen und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz war man mindestens so überrascht wie in den Museen in Kassel: Der Direktor der aus Schlössern, Parks, Galerien und Sammlungen bestehenden "Museumslandschaft Hessen Kassel", Michael Eissenhauer, soll neuer Generaldirektor der Berliner Museen werden. Und der Direktor des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK), Udo Kittelmann, soll neuer Direktor der Nationalgalerie werden. Am Freitag Nachmittag wurde bekannt, dass eine Findungskommission sie als Nachfolger von Peter-Klaus Schuster vorgeschlagen hat, der bisher beide Posten in Personalunion besetzte, aber im Oktober 2008 pensioniert wird.Michael Eissenhauer würde, falls der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Dienstag zustimmt, der Vorgesetzte von mehr als 900 oft sehr selbstbewussten Mitarbeitern auf der Museumsinsel, in Dahlem, am Kulturforum, im Hamburger Bahnhof, im Schloss Köpenick. Vor ihm stünden gewaltige Organisationsaufgaben: Die Restaurierung der Museumsinsel ist noch lange nicht abgeschlossen; das Humboldt-Forum auf dem Schlossplatz soll das Museum für Asiatische Kunst und das Ethnologische Museum vereinen; die Antikenabteilung, das Museum für islamische Kunst und das Vorderasiatische Museum warten auf den von Oswald Matthias Ungers geplanten, äußerst umstrittenen Umbau des Pergamonmuseums. Das Kunstgewerbemuseum soll aus seinem Tiefschlaf erweckt werden, die Gemäldegalerie einen Neubau neben dem Bode-Museum erhalten. Wer finanziert den? Und in Friedrichshagen ist ein Zentraldepot geplant - am Freitag beriet eine Jury die Entwürfe - obwohl die meisten Museumsmitarbeiter dieses Projekt aus wissenschaftlichen und konservatorischen Gründen strikt ablehnen.Was qualifiziert Eissenhauer für diesen Job, sicherlich in der europäischen Museumswelt derzeit der anstrengendste? Der 47-Jährige ist ausgebildeter Möbelschreiner, hat Kunstgeschichte. Literatur und Archäologie studiert, Erfahrungen im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, im Deutschen Historischen Museum in Berlin und auf der Veste Coburg gesammelt. Seit 2001 ist er Direktor der Kunstsammlungen in Kassel, hat dort die Planungen für den Umbau zum internationalen Kunstzentrum vorangetrieben und die Vernetzung mit der Documenta. 2003 wurde er Präsident des Deutschen Museumsbundes.Eissenhauer gilt als umgänglicher und talentierter Organisator und Kulturpolitiker, erregte etwa Aufsehen mit der Forderung, Steuerschulden mit Kunstwerken abzahlen zu können. Als Wissenschaftler trat er kaum hervor, ist aber wohl eher kultur- als speziell kunsthistorisch interessiert. Das mag sinnvoll sein, um die oft innig zerstrittenen Berliner ethnologischen, archäologischen, kultur- und kunsthistorischen Museen zusammenzubinden, die den gesamten Kosmos menschlicher Kultur auf allen Kontinenten von der Steinzeit bis heute zeigen könnten.Immerhin muss er nicht mehr wie sein Vorgänger eine eigene Abteilung leiten, wird also nicht in Gefahr kommen, diese zu bevorzugen. Stattdessen soll Udo Kittelmann Direktor der Nationalgalerie werden. Er fiel auf mit dem Satz: "Das Museum muss wieder Museum werden." Damit trat er vor sechs Jahren gegen die gängige Politik der zeitgenössischen Kunsthallenausstellungen an, brach eine Lanze für das Sammeln, Bewahren und Erforschen.2002 wurde der gelernte Augenoptiker und promovierte Kunstwissenschaftler als Nachfolger Jean-Christophe Ammans Direktor des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Main. Schnell erregten seine Ausstellungen Aufsehen, im Mai dieses Jahres landete Kittelmann dann einen Coup. Er erwarb für das MMK die begehrte, 152 Werke umfassende private Moderne-Kollektion Ricke. Mit der ersten Präsentation dieser Sammlung unter dem Titel "Blue Chips" - wie auf dem Aktien- und dem Kunstmarkt jene Produzenten genannt werden, die man weltweit handelt und schätzt - ließ Kittelmann anklingen, welch gutes Geschäft das MMK durch diesen Kauf von Meisterwerken Donald Judds, Richard Artschwagers, Richard Serras oder Dan Flavins gemacht hatte.Kittelmann gilt als ein Meister der Kooperationen. Für den Ankauf der Ricke-Sammlung mit 4,81 Millionen Euro arbeitete er etwa mit zwei Museen in St. Gallen und Vaduz zusammen. Die drei Häuser haben die Kollektion besitzrechtlich untereinander aufgeteilt, aber Zugriff auf den gesamten Bestand, was auch verhindert, dass dieser im Depot verstaubt. Kittelmanns Methode steht also auch für zukunftsweisende Ankaufs-Verfahren und eine dynamische Ausstellungs-Methodik.Beide Vorschläge werden wohl Debatten auslösen. Etwa darüber, dass schon wieder zwei Männer auf Führungsposten der Staatlichen Museen gelangen, so, als wenn es keine Frauen gäbe, die diese Posten ausfüllen könnten. Und auch wenn mancher die Verjüngung loben wird: Die Museen legen sich mit ihr auch auf sehr lange Zeit fest. Es sei denn, man schließt endlich nur noch befristete Verträge ab, wie es seit Jahrzehnten gefordert wird, aber im deutschen Beamtenstaat nicht durchzusetzen ist.------------------------------Foto: Es gibt viel zu tun beim Großumbau der Staatlichen Museen, auch auf der Museumsinsel.Foto: Michael Eissenhauer soll neuer Generaldirektor der Staatlichen Museen werden.Foto: Udo Kittelmann, soll Direktor der Nationalgalerie werden.

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