Polizeiruf 110

Der neue Polizeiruf 110 aus Halle ist so düster wie ein Film von Aki Kaurismäki

Der Polizeiruf 110 in Halle an der Saale wird wiederbelebt – und wie! Es geht um die Suche nach einem Messermörder. Der Krimi ist grandios und bitterkomisch.

3 Min
ARD/MDR Polizeiruf 110: An der Saale hellem Strande, am Sonntag (30.05.21) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Kommissar Michael Lehmann (Peter Schneider) und Kommissar Henry Koitzsch (Peter Kurth) am Tatort.

ARD/MDR Polizeiruf 110: An der Saale hellem Strande, am Sonntag (30.05.21) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Kommissar Michael Lehmann (Peter Schneider) und Kommissar Henry Koitzsch (Peter Kurth) am Tatort.

© MDR/filmpool fiction/Felix Abraham

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So wie Peter Kurths Bulle in „Babylon Berlin“

Der Autor Clemens Meyer aber zeigt die Stadt, in der er aufgewachsen ist, von einer ganz anderen Seite: Die Stadt ist düster, verwinkelt, zerschnitten von Autohochstraßen und Eisenbahngleisen. Meyer selbst ist als Karl-Jaspers-zitierender Kneipier zu erleben. Den Tatort, die Otto-Möhwald-Straße, hat er nach seinem Großvater benannt, einem stadtbekannten Künstler. Dieser „Polizeiruf“ steckt nicht nur voller Anspielungen auf seine 50-jährige Geschichte, er wirkt vor allem härter, dichter und echter als alles, was man sonst am Sonntagabend im ARD-Krimi zu sehen bekommt.

Ob die derbe Hallenser Sprache, die herben Bilder, die düsteren Klänge von Bert Wrede oder die melancholischen Musikzitate von Romantik über die Doors bis zu Renft, alles trägt zur besonderen Atmosphäre bei. Peter Kurth und Peter Schneider ergeben ein großartiges spannungsreiches Polizisten-Duo: Henry Koitzsch, der Ältere, ist jovial bis bedrohlich, pflegt zwielichtige Kontakte – fast so wie Peter Kurths Bulle in „Babylon Berlin“.

Man möchte alles noch einmal sehen

Michael Lehmann, der Jüngere, ist fürsorglich bis empathisch und geht in seiner Familie auf. Die beiden befragen nacheinander alle Menschen, die in einer Mordnacht am Tatort telefoniert haben, und diese Episoden, mal bestürzend, mal berührend, ergeben zusammen ein Panorama von kleinen Leuten, die nach Liebe, Nähe und Anerkennung streben – und alle auf ihre Weise scheitern.

Alle Rollen sind glaubwürdig mit Schauspielern der Region besetzt, keine Figur wird bloßgestellt. Clemens Meyer und der Regisseur Thomas Stuber beweisen in ihrem ersten „Polizeiruf“ einen lakonisch-grimmigen Humor, der sich an ihren Kinovorbildern wie Aki Kaurismäki messen kann. Nach dem Abspann möchte man gleich wieder zum Vorspann springen und alles noch mal sehen!

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Polizeiruf 110: „An der Saale hellem Strande“ – So, 30.5., 20.15, ARD

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