Der Nikolaus beschützt die Schifffahrt / Am Montag erinnerte er sich seiner Aufgaben

Schutzpatron im Patrouillenboot

F. Buchholz und M. Henneke
3 Min

Am meisten genießt Polizeihauptmeister Krause den 6. Dezember, denn er erwartet einen echten Imagegewinn: Das Boot "WSP 30" (Wasserschutzpolizei 30) ist Montag und Dienstag nicht auf Patrouille, sondern auf Friedensmission. Ein Nikolaus namens Ingo Schaaf ist an Bord, außerdem Schifferpfarrer Fedor Pfistner. Die beiden wollen kleine Tüten mit Haselnuss-Schokolade, Mon cheri, einen Piccolo und einen "freundlichen Gruß" verteilen und zwar an alle, die ihnen auf der Havel zwischen Spandau und Glienicker Brücke entgegenkommen. Krause zu seiner neuen Rolle: "Wir fahren sonst den ganzen Tag Kontrollen. Und irgendwie finden wir ja doch immer was zu beanstanden. Heute kommen wir endlich mal in anderer Absicht." Das neue Gefühl kostet er voll aus. Als sich wieder ein Schiff nähert, blökt er den Kapitän über Funk an, wie es sich für einen echten Polizisten gehört: "Behalten Sie mal Ihre Fahrstufe bei. Wir kommen längsseits." Kein Wort von Nikolaus-Überraschung oder Pfarrer-Begleitung. Erst im letzten Moment enttarnt er das Polizeiboot als Weihnachts-Wasser-Schlitten. Der Steuermann des Kanalschubschiffs 24 32, Jörg Freitag, hat den Trick jedoch durchschaut. "Ich habe den roten Mantel schon durch die Scheibe gesehen", sagt er von der Brücke. Die WSP 30 ist mit einem Tannenbaum auf dem Oberdeck unterwegs. "Die Berliner Polizei ist so arm. Den mussten wir mitbringen", sagt Pfarrer Pfistner. Jetzt stehen Nikolaus Schaaf und er vor dem Steuermann und überreichen feierlich eine Tüte. "Schöne Adventszeit, frohe Weihnachten und ein gutes, neues Jahr", wünscht Schaaf leise. Große Auftritte ist der ehemalige Kapitän und jetzige Vorruheständler nicht gewohnt. Mit dem Nikolaustag hatte der 59-Jährige in seiner aktiven Zeit nicht viel am Hut. Er fühlte sich von dem Schutzheiligen der Schifffahrt nie besonders behütet. Den Job macht er trotzdem gern. So oft kommt er ja im Moment auch nicht mehr aufs Wasser.Nach einem kurzen Gespräch über Winter und Weihnachten verlassen Nikolaus und Pfarrer wieder die Brücke des Kanalschubschiffs, um von Bootsführer Krause sicher zu den nächsten Schäflein geschippert zu werden. Krause lässt es sich nicht nehmen, dem Kollegen selbst auch noch über Funk ein frohes Fest und gute Fahrt zu wünschen. Die Polizei will bei der Aktion schließlich nicht vergessen werden. Oft hat Krause am Montag dazu nicht Gelegenheit. Während dem Nikolaus in den letzten Jahren 40 Schiffe in den Weg kamen, sind es gestern bis um 14 Uhr nur vier. Das tut dem Schutzpatron im roten Mantel Leid, und Hauptmeister Krause umso mehr.

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