Fernsehen

„Der Palast“, zweite Staffel: Jetzt stehen Ost und West gemeinsam auf der Bühne

Die zweite Staffel der ZDF-Serie über den Berliner Friedrichstadt-Palast spielt im Umbruchjahr 1990. Die TV-Kritik.

3 Min
Karla (Taynara Silva-Wolf) und Lukas (Lukas Brandl) scheinen nicht nur auf der Bühne besonders kompatibel zu sein.

Karla (Taynara Silva-Wolf) und Lukas (Lukas Brandl) scheinen nicht nur auf der Bühne besonders kompatibel zu sein.

© Nadja Klier/ZDF

Welche Theater und welche Kunst muss Berlin unterstützen? Für wen reicht das Geld? Das sind keine neuen Fragen. In der ZDF-Serie „Der Palast“ erklärt ein arroganter Kultursenator namens Peter Balthasar-Rönkil (Bernhard Schir) im Frühjahr 1990 den entsetzen Künstlern, ein Revuetheater sei für ihn kein Kulturgut.

Der Friedrichstadt-Palast, der im ZDF immer nur „Der Palast“ heißt, als hätte es keinen anderen gegeben, war schon vor zwei Jahren Schauplatz einer Serie. Die erste Staffel spielte in den späten 1980ern. Das Ost-West-Thema wurde mit einer Zwillingsnummer durchgetanzt: West-Schwester tauschte mit Ost-Schwester die Rollen. In der zweiten Staffel tanzen nun Ost und West gemeinsam auf der großen Bühne.

Zwar sind erfahrene Tänzerinnen gen Westen gegangen. Aber junge Eleven wie Karla aus Bayern (Taynara Silva-Wolf) bewerben sich ebenso um ein Engagement wie die Geschwister Luise (Lary Müller) und Lukas (Lukas Brandl) von der Ostsee. Die strenge Ballettmeisterin Regina Feldmann (Jeanette Hain), schon in der ersten Staffel dabei, will unbedingt ihre legendäre Girlreihe auffüllen und gerät mit dem neuen Intendanten (Benno Fürmann) aneinander. Der Schnösel will aus dem Haus an der Friedrichstraße ein Casino machen und träumt vom Las Vegas an der Spree. Autorin Rodica Doehnert spielt hier mit realen Konflikten rings um das Haus, presst sie aber alle in das Jahr 1990 – dabei trug sich vieles später zu.

In den ersten Folgen fügen sich all die Elemente nicht so recht zusammen. Gewohnten Schwung und Glanz besitzen die großen Tanznummern auf der riesigen Bühne, einen Hauch „Fame“ strahlen die Szenen vom Casting der Bewerberinnen aus. Doch ein stimmiges Bild vom Berlin des Jahres 1990 gelingt Regisseur Uli Edel nicht.

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Jutta Wachowiak spielt eine Ost-Rentnerin

In seiner Inszenierung werden zeitgenössische Dokumentarbilder recht rüde verschnitten mit den Aufnahmen einer Kulissenstraße, die als Hausbesetzer-Straße herhalten muss. Hier mischen munter sich junge Leute aus Ost und West und verbrüdern sich mit den alten Ost-Rentnern (Jutta Wachowiak und Axel Werner). Der Drehort aus Chorzow in Polen passt architektonisch absolut nicht nach Berlin – und dass in Berlins Mitte anno 1990 noch Pferde im Hinterhof gehalten wurden, wirkt schon reichlich pittoresk.

Seltsamerweise rücken auch nicht die realen Konflikte um die Weiterexistenz des Friedrichstadt-Palasts ins Zentrum, sondern die privaten Dramen. Denn die Ballettmeisterin Regina beginnt eine heimliche Affäre mit dem deutlich jüngeren Tänzer Lukas und wird von ihm schwanger. Hier driftet die Serie bedenklich in Richtung Seifenoper Marke „Verbotene Liebe“ ab.

Der Palast. Sechs Folgen, ab 19.12. in der ZDF-Mediathek, ab 6.1.2025 im ZDF

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