Man kann ruhig leben in Weißrussland und Tag für Tag seinen Unterhalt verdienen. Arbeit findet hier jeder. Die Einkommen sind bescheiden, aber immerhin stabil, die Verbraucherpreise ebenso. Niemand hungert, kaum jemand leidet wirklich Not. Für Zerstreuung ist allenthalben gesorgt. "Glückliches Belarus" verkünden die hängen gebliebenen Wahlplakate der Partei des weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko. In den zwölf Jahren seiner Amtszeit ist aus Weißrussland ein befriedetes, vom Rest der Welt weitgehend isoliertes Territorium geworden. Derart behütet leben seine Untertanen, vermeintlich sicher vor den Unwägbarkeiten der Globalisierung.Dass Weißrussland die Insel der Glückseligen ist, glaubt indes niemand, nicht einmal Alexander Lukaschenko selbst. Ebenso wenig ist seinem Wahlsieg vom vergangenen Wochenende zu trauen. Die Opposition glaubt diesem Ergebnis so wenig wie das Regime, das um sein Zustandekommen weiß. Wer in den Betrieben und Universitäten aufgefordert wird, für Lukaschenko zu stimmen und sich weigert, verliert seinen Job, seinen Studienplatz, Einkommen und Stipendien. Ungefähr 10.000 Menschen haben am vergangenen Sonnabend in Minsk gegen dieses Regime öffentlich Stellung bezogen. Für einen politischen Umsturz reicht das ganz sicher nicht. Dass es nicht mehr waren, die den Mut zum Protest fanden, ist die Folge von Desinformation, Einschüchterung, Erpressung und Repression. Eben das ist der Preis, den die Weißrussen für ihre vermeintliche Sicherheit zu zahlen haben.
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