Grant Kippen ist ein Mann für schwierige Fälle, auch wenn er das nie zugeben würde. "Es ist aufregend, Teil dieses demokratischen Prozesses zu sein", antwortet der aus Kanada stammende Chef der Beschwerdekommission für die afghanische Präsidentenwahl auf die Frage nach seiner Aufgabe. Überschattet wird die Wahl von Betrugs- und Manipulationsvorwürfen. Kippens Auftrag dagegen ist, die Einhaltung von Regeln, Vorschriften und Prozessen zu überwachen. Er tut das mit viel Fingerspitzengefühl.Kollegen beschreiben ihn als "vorsichtigen" und "abwägenden Mann". Menschen mit diesen Qualitäten setzen die UN gerne in Regionen ein, die man gemeinhin mit einem Pulverfass vergleicht. Sei es Ost-Timor, der Irak, die Ukraine, Algerien oder Kambodscha: Kippen, der einst für den kanadischen Premier Pierre Trudeau arbeitete, war immer dabei. Er ist ein Mann, der aufgeregte Politiker beruhigen kann und selbst hyperventilierende Journalisten mit seinem Einfühlungsvermögen beeindruckt.Mindestens einmal ist Kippen nur mit großem Glück einer lebensgefährlichen Situation entgangen. Im Marriot-Hotel in Pakistans Hauptstadt Islamabad hatte er ein Zimmer gemietet, als es von einem Selbstmordattentäter in Schutt und Asche gelegt wurde. Kippen war zur Zeit der Explosion schon unterwegs. Wenn jemand dem Tod noch eben von der Schippe springt, würde man erwarten, dass er vorsichtiger wird. Doch Kippen zögerte nicht, als ihn der Ruf an die Spitze der Beschwerdekommission ereilte. Dabei muss dem Wahlexperten die Brisanz klar gewesen sein. Kippen wusste, dass er als Korrektiv einer Wahlkommission fungieren würde, deren Mitglieder dem amtierenden Präsidenten Hamid Karsai verpflichtet sind. Kippen aber hielt sich stur an das Regelwerk der Wahlen und verhinderte so, dass Karsai seine Regierungsmacht ausspielen konnte.Inzwischen findet Kippens sich zwischen allen Fronten wieder. Afghanistans Regierung und Oppositionsführer Abdullah Abdullah beschuldigen sich gegenseitig. Zu allem Überfluss erklären ihm auch noch die untereinander zerstrittene Vertreter westlicher Staaten die Vor- und Nachteile einer Stichwahl. "Mir wird oft gesagt, dass mich kaum jemand um meine gegenwärtige Aufgabe beneidet", sagt Kippen auf die Frage, warum er sich das antut. Der stille Mann hingegen scheint diesen komplizierten Job fast zu genießen.Politik Seite 7------------------------------Foto: Grant Kippen, Chef der afghanischen Beschwerdekommission zur Präsidentenwahl
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