Der Senat will die Arena schnell abreißen, doch Bezirkspolitiker stellen sich nun in den Weg

Demonstrieren für die Deutschlandhalle

Birgitt Eltzel
4 Min

CHARLOTTENBURG. Der Abriss der Deutschlandhalle ist beschlossene Sache, doch jetzt will der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nicht mitspielen. Ein Ende vergangener Woche von der Messe Berlin gestellter Abrissantrag für die 1935 eingeweihte Halle hat dort wenig Chancen auf eine Genehmigung: "Wir werden ihn natürlich sorgfältig prüfen", sagt Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Aber vieles spreche dafür, dass dem Ersuchen nicht stattgegeben wird. Die Messe, die auf dem Gelände einen Neubau errichten will, müsse erst nachweisen, dass dieser tatsächlich nur dort entstehen kann, sagt er: "Noch vor etwa fünf Jahren ist ein Plan erarbeitet worden, der viele freie Flächen auf dem Messegelände auflistet. Daran hat sich doch nichts geändert."Im Bezirksparlament wird jetzt sogar darüber debattiert, ob der Bezirk die traditionsreiche Halle in den nächsten zwei Jahren selbst betreibt. Der Haushaltsausschuss soll nachrechnen, wie das gelingen kann. "Mit dem jährlichen Zuschuss von 1,5 Millionen Euro, die die Messe dafür bisher vom Land Berlin erhält, können wir das auf jeden Fall", sagt der Baustadtrat. Es gehe aber nicht nur darum, nachzuweisen, dass die Deutschlandhalle erhalten werden kann, sagt er. Vor allem benötigten die Eissportler des Clubs ECC Preußen Juniors Berlin ein Ausweichquartier bis eine neue, elf Millionen Euro teure Eissporthalle an der Glockenturmstraße fertig ist. Bisher trainieren die rund 250 "Preußen" und etwa 800 andere Eissportler in der Deutschlandhalle. Damit soll am 30. April Schluss sein. Die neue Eishalle wird erst 2011 fertig. "Für die nächsten zwei Saisons gibt es somit keinen Ort für die Sportler", kritisiert Gröhler."Eine Entscheidung über eine temporäre Spielstätte wird noch in dieser Woche fallen", verspricht eine Sprecherin der Senatssportverwaltung. Sportsenator Ehrhart Körting (SPD) hatte in der vergangenen Woche in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP im Abgeordnetenhaus mitgeteilt, dass als mögliche Ausweichquartiere unter anderem Standorte im Jahn-Sportpark (Prenzlauer Berg), am Erika-Hess-Eisstadion (Wedding) und im Olympiapark (Charlottenburg) geprüft würden, zudem das Angebot eines privaten Unternehmens in Spandau.Der Bezirk hat deshalb für sein Übernahme-Angebot keine guten Karten: Die zuständige Senatswirtschaftsverwaltung lehnt die Offerte rundweg ab. "Es wird keinen Weiterbetrieb der Deutschlandhalle geben", sagte Staatssekretär Jens-Peter Heuer der Berliner Zeitung auf Anfrage. "Die Betriebsgenehmigung läuft am 30. April endgültig aus." Der Abriss war bereits im Mai vergangenen Jahres vom Senat beschlossen worden - als Ausgleich für die Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC).Inzwischen formiert sich aber insbesondere im Westen Berlins Widerstand: Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat den Erhalt des Gebäudes und ein tragfähiges Sanierungskonzept gefordert. Der CDU-Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf ruft für den 30. April um 15.30 Uhr zu einer Protestdemonstration vor der Deutschlandhalle auf. Auch die Berliner Architektenkammer, die Baukammer und der Berliner Architekten- und Ingenieurverein sowie Denkmalschützer kritisieren das Vorgehen des Senats. Das Bezirksparlament hatte schon im Februar einstimmig dafür votiert, die Deutschlandhalle als Zeitzeuge der West-Berliner Stadtgeschichte zu erhalten und zu einer Multifunktionshalle umzubauen.------------------------------Errichtet für Olympia 1936Die Deutschlandhalle wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin errichtet. Sie wurde am 29. November 1935 eingeweiht.Während der Nazizeit wurden vor allem Sportveranstaltungen, große Shows sowie Massenveranstaltungen der NSDAP durchgeführt.Shows wie Holiday on Ice und "Menschen, Tiere, Sensationen" liefen dort seit 1957. Die Rolling Stones, The Who und Jimi Hendrix traten in der Halle auf.Unter Denkmalschutz steht sie seit 1995. 1997 wurde sie erstmals geschlossen.Der Abriss war schon 1998 geplant. Dann wurde die Deutschlandhalle aber umgebaut, um dem Eissport nach dem Abriss der Eishalle Jaffé- straße 2001 zur Verfügung zu stehen. 2005 wurde sie mehrere Monate wegen Schäden am Dach geschlossen. Im März 2006 war Wiedereröffnung.------------------------------Foto: Am 30. April soll die Deutschlandhalle endgültig geschlossen und danach abgerissen werden.------------------------------Foto: Die Deutschlandhalle wurde auch als Konzerthalle genutzt, wie 2004 beim Auftritt der Sportfreunde Stiller zum Abschluss der Musikmesse Popkomm.

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