Tiere

Der Tiger ist los

Der seit fast 100 Jahren ausgestorbene Tasmanische Beutelwolf soll durch Gentechnik wiederauferstehen. Er wurde durch Jagd in der freien Wildbahn ausgerottet

Lenja Stratmann
3 Min
Zwei Beuteltiger 1933 im Zoo von Hobart, Tasmanien

Zwei Beuteltiger 1933 im Zoo von Hobart, Tasmanien

© imago

Der Beutelwolf war das größte fleischfressende Beuteltier Australiens. Sein Markenzeichen waren 13 bis 19 schwarzbraune Querstreifen am hinteren Teil des Körpers und an der Schwanzwurzel, was ihm auch den Namen „Beuteltiger“ einbrachte.

Im Jahr 1830 setzte das Landwirtschaftsunternehmen „Van Diemen’s Land Company“ ein Kopfgeld auf erlegte Tasmanische Wölfe aus. Als Fleischfresser standen sie unter Verdacht, die Viehbestände der Menschen zu dezimieren. Ab 1910 galt das Tier als so selten, dass Zoos auf der ganzen Welt begannen, nach ihm zu suchen. Der letzte wild lebende Beuteltiger wurde 1930 geschossen.

Nur sechs Jahre später starb auch Benjamin – das letzte bekannte Exemplar der Spezies überhaupt hatte zuvor in einem Zoo in Hobart, Tasmanien, gelebt. Nach seinem Tod wurde Benjamin präpariert und kann heute in der Art Gallery des Museums in Hobart bestaunt werden. Doch das reicht den wissenschaftlichen Bewunderern des Tieres nicht mehr.

Der australische Genetik-Professor Andrew Pask will den Tasmanischen Tiger  sozusagen beim Schwanz packen, um ihn wiederauferstehen lassen – unterstützt wird er dabei vom amerikanischen Unternehmen „Colossal Laboratories“. Das Biotechnologie-Unternehmen wurde 2021 von George M. Church, Genetik-Professor in Harvard, und Ben Lamm, einem amerikanischen Unternehmer, gegründet. Ausgestattet war es zunächst mit einem Startkapital von 15 Millionen Dollar verschiedener Investoren, darunter dem  Motivationscoach Tony Robbins und dem Filmproduzenten Thomas Tull. Im März 2022 leitete Tull eine erneute Finanzierungskampagne ein, die unter anderem von Paris Hilton unterstützt wurde, und die dem Unternehmen weitere 60 Millionen Dollar einbrachte.

Schaut man sich das erste Projekt des Unternehmens an, wirkt die geplante Wiederbelebung des Beutelwolfs auf einmal nicht mehr ganz so gigantisch: Bis 2027 will Colossal Laboratories das Wollhaarmammut, das vor circa 700.000 Jahren in Sibirien lebte, von den Toten zurückholen und in der Arktis ansiedeln.

Die Technik, die zum Erfolg verhelfen soll, ist die CRISPR-Methode. Sie wird veranschaulichend auch als Genschere umschrieben, denn sie kann das Erbgutmolekül DNA präzise und an einer bestimmten Stelle durchtrennen. Forscher können dann Gene ausschalten oder neue DNA-Abschnitte einfügen. So kann Erbgut einfacher und schneller verändert werden als je zuvor.

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Im Falle des Mammuts will Colossal Laboratories sich den asiatischen Elefanten zunutze machen, dessen DNA zu 99,6 Prozent mit der des Mammuts übereinstimmt. Für die restlichen 0,4 Prozent sollen Schlüsselgene des Mammuts in das Genom des Elefanten eingefügt werden.

Um den Tasmanischen Tiger wiederzubeleben, soll die Schmalfuß-Beutelmaus, eine verwandte Beuteltierart, ihre Zellen für die Genschere herhalten. Auf ihrer Website erklärt das Start-up: „Der WWF schätzt, dass 50 Prozent aller Spezies bis 2050 ausgelöscht kein könnten. Das ist ein kolossales Problem. Colossal ist die Firma, die es beheben wird.“

Doch die CRISPR-Methode wird keinesfalls uneingeschränkt positiv gesehen. Von kritischer Seite heißt es, wenn der Mensch eine Art ausrotte und später gezielt wiederbelebe, greife er zu tief in die Evolution ein und spiele Gott – das könne ethisch höchst fragwürdige Ausmaße annehmen. Was der Tasmanische Wolf wohl davon hält? Man könnte es ihm jedenfalls nicht übelnehmen, wenn er nicht noch einmal mit Menschen über eine Erde wandeln wollte.

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