Krabbelterror

Der Tod hat acht Beine: Meine Begegnung mit der Nosferatu-Spinne

Oder war's doch eine Winkelspinne? Eklig sind sie beide, doch auch die Künstliche Intelligenz konnte mir nicht helfen. Eine Spinnen-Kolumne.

3 Min
So ähnlich sah sie aus!!! Die Nosferatu-Spinne ist keine Schönheit.

So ähnlich sah sie aus!!! Die Nosferatu-Spinne ist keine Schönheit.

© IMAGO/H. Bellmann/F. Hecker

Spinnen sind mir eigentlich komplett wurscht, solange sie nicht nachts über mein Gesicht laufen, was sie in der Regel auch wohl nicht tun. Neulich jedoch hatte ich ein besonders garstiges Exemplar im Schlafzimmer: Eine große Winkelspinne, im Volksmund auch Winkelmann genannt.

Ohne Übertreibung, sie war so groß wie ein Dackel, mit schweren Schritten stapfte sie übers Parkett direkt auf mich zu. Gut, das war jetzt ein wenig über Ziel hinausgeschossen, ich schob schon ein Blatt Papier drunter und setzte die Spinne auf dem Balkon ab. Der Winkelmann ist vollkommen harmlos, nur eben abgrundtief hässlich und mit mir in meiner Wohnung nicht kompatibel. Tschüss!

Ein tückischer Jäger

Gestern saß wieder ein riesiges Exemplar der Hausspinne auf einem Vorhang im Bad. Braunbeige und mit zu vielen Beinen fürs Wohlbefinden. Ich ging näher dran und machte mit dem iPhone ein Bild. Google aber  behauptete, es sei eine Nosferatu-Spinne, jenes invasive Ungeheuer, das sogar beißen kann. „NOSFERATU-Spinne???“, schrie ich das Handy an. Auch der Winkelmann kann beißen, ist jedoch ungiftig, das Nosferatu-Monster hingegen ist ein tückischer Jäger, dessen Biss durchaus schmerzhafte Schwellungen hervorrufen kann.

Ich bemühte die Suchmaschine erneut, doch sie beharrte darauf, dass das abgelichtete Insekt eine Nosferatu-Spinne sei. Ich fütterte eine KI mit dem Bild: „Große Winkelspinne", behauptete Perplexity. Ob es auch ein Nosferatu sein könne, fragte ich. „Unwahrscheinlich", antwortete die Künstliche Intelligenz wie aus der Pistole geschossen. ChatGPT hingegen wollte die Spinne erst gar nicht in unseren Breitengraden verorten und faselte Wirres, um sich dann zu entschuldigen und das Ungeheuer mit den 40 Beinen als Winkelspinne zu betiteln.

Ich rief eine Bekannte an, die mal ein Praktikum im Naturkundemuseum gemacht hatte und sich seitdem für eine Koryphäe in Sachen Flora und Fauna hält. Sie warf einen Blick auf das Foto und verkündete mit der Autorität einer Wissenschaftlerin: „Ganz klar Winkelspinne, das sieht man doch an der Beinstellung." Welche Beinstellungen genau, konnte sie mir nicht erklären, aber der Ton war überzeugend genug, dass ich kurz erwog, ihr zu glauben.

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Dann jedoch fiel mir ein, dass die Spinne ja noch immer hinterm Vorhang saß, live und in Farbe, und dass ich die ganze Diskussion auch einfach hätte beenden können, indem ich noch mal genauer hingeschaut hätte. Sie saß immer noch im Bad mit ihren hunderten Beinen und tausenden Augen und wartete nur darauf, mich nachts zu überfallen. Ich schloss die Badezimmertür. Am nächsten Morgen war sie weg. Ich hoffe, das war's nun, werde aber berichten, falls eine weitere KI zu einem anderen Ergebnis kommt.

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