BERLIN. Nicht zu überhören sind die polnischen und tschechischen Wortfetzen. Vor der Tür des Tropical Island parken Reisebusse und zahlreiche Pkw aus beiden Nachbarländern. Von Finanzkrise ist nichts zu spüren. Der Andrang der ausländischen Gäste in dem künstlichen Tropenparadies ist groß und zeugt vom gestiegenen Lebensstandard östlich von Oder und Neiße.Gewinner Tropical IslandMit 300 000 Übernachtungen im Jahr ist Tropical Islands inzwischen der größte Beherbergungsbetrieb in Brandenburg. Die 350 Betten in den Zelten sind fast das ganze Jahr vollständig ausgebucht. So verwundert es nicht, dass die Freizeitanlage im vergangenen Wirtschaftsjahr erstmals einen Gewinn erzielen konnte.Insgesamt verzeichnete der Tourismus in Ostdeutschland bei den Übernachtungen im vergangenen Jahr ein Plus von zwei Prozent. Auffällig dabei ist, dass ostdeutsche Regionen für Ausländer immer attraktiver werden. Im vierten Quartal 2008 lag das Buchungsplus bei 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im westlichen Teil gab es hingegen im gleichen Zeitraum ein Minus von 1,6 Prozent, berichtet Mathias Feige, Geschäftsführer von DWIF-Consulting in Berlin, die im Auftrag des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) das jährliche Tourismusbarometer erstellt hat.Auch das neue Jahr hat in manchen Regionen wider Erwarten gut begonnen. Das Gastgewerbe in Mecklenburg-Vorpommern verbuchte für Januar und Februar 2009 einen satten Anstieg von 29 Prozent bei den Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr. Aus Sachsen-Anhalt kommen Meldungen von Hoteliers, die schon von ausgebuchten Häusern in diesem Sommer sprechen - vorzugsweise an Fernradrouten wie dem Elberadweg. Die ostdeutschen Bundesländer scheinen danach besser durch die Wirtschaftskrise zu kommen als die westlichen, meint Mathias Feige. Er ist daher bei seiner Prognose für 2009 verhalten optimistisch und rechnet am Ende des Jahres mit einer schwarzen Null. "Vielleicht ist sogar ein kleines Plus von 0,5 Prozent beim Tourismus in Ostdeutschland möglich", sagt er.Das beste Konjunkturprogramm überhaupt ist, hierzulande Urlaub zu machen. Davon ist Reinhard Meyer überzeigt, der Präsident des Deutschen Tourismusverbandes. Würden noch mehr ausländische Gäste angeworben, könnte die drohende Delle im ostdeutschen Tourismus womöglich abgefedert werden. Vielerorts wird aber noch zu wenig getan, um ausländische Gäste anzulocken, kritisiert er. "Wir müssen mehr auf die ausländischen Touristen zugehen. Viele Beherbergungsbetriebe oder touristische Anbieter sind nicht genügend vorbereitet", erzählt Meyer. Zweisprachige Speisekarten oder Werbeprospekte, die neben deutsch wenigstens auf englisch auf die wichtigsten Sehenswürdigkeiten hinweisen, wären das Mindeste - doch Fehlanzeige. Auch mehrsprachige Internetauftritte auf polnisch, dänisch oder schwedisch sind bislang eher die Ausnahme. So wird in manchen Städten und Gemeinden auch fünf Jahre nach dem Beitritt zur EU das nahe liegende Polen einfach ignoriert.Doch bei ausländischen Touristen ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft, betont Meyer. Und dass ausgerechnet Polen und Tschechen ins Tropical Island strömen, hat sich nicht von alleine eingestellt. Dafür waren mehrsprachige Broschüren, Hinweistafeln und Prospekte nötig. Die künstliche Lagunenstadt gehört zudem zu den wenigen Tourismusanbietern in Ostdeutschland, deren Internetseite neben englisch auch auf polnisch abrufbar ist. Berlin Seite 29------------------------------Besser werbenKonferenz: Der Ost- Beauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Tiefensee (SPD) sieht bessere Vermarktungschancen, wenn alle ostdeutschen Bundesländer beim Auslandsmarketing zusammenarbeiten. Wie ausländische Gäste nach Ostdeutschland gelockt werden können, soll Thema auf einer Zukunftskonferenz im Sommer sein.------------------------------Foto : Blick ins Elbtal aus 300 Meter Höhe: die Bastei in der Sächsischen Schweiz.
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