Der über die Adlon-Affäre gestürzte frühere Bundesbank-Chef Welteke erstreitet eine üppigere Pension

Lang geklagt und viel gewonnen

Sebastian Wolff
2 Min

Womöglich wäre die peinliche Episode längst vergessen, wenn der Betroffene die Öffentlichkeit nicht selbst ständig daran erinnern würde: Zur Jahreswende 2001/2002 hatte sich der damalige Chef der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke, gemeinsam mit seiner Familie anlässlich der Feierlichkeiten zur Einführung des Euro für vier Nächte im luxuriösen Berliner Hotel Adlon einquartiert und die stattliche Rechnung in Höhe von 7 661 Euro von der Dresdner Bank begleichen lassen. Nachdem die Affäre bekannt geworden war, wurde Welteke im Jahr 2004 zum Rücktritt gedrängt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts der Vorteilnahme wurden schließlich gegen eine Zahlung von 25 000 Euro eingestellt, die Kosten für den Hotelaufenthalt je zur Hälfte von ihm und der Bundesbank zurückgezahlt.Jeder andere hätte sich in diesem Moment wohl beschämt ins Privatleben verkrochen - zumal dann, wenn ihm mit monatlich gut 8 500 Euro eine Pension in Aussicht gestellt wird, die ihm einen Lebensabend ohne finanzielle Sorgen ermöglicht. Doch nicht so Ernst Welteke: Der heute 65-Jährige ist als Rentner zum leidenschaftlichen Prozesshansel mutiert. Der Grund: 8 500 Euro Pension sind ihm zu wenig, er fordert rund das Doppelte. Zur Begründung führt er an, dass die 17 Jahre, die er als Abgeordneter der SPD im hessischen Landtag saß, doch bitte schön angerechnet werden müssen. Der Verwaltungsgerichtshof Kassel folgte gestern nun weitgehend der Argumentation Weltekes und sprach ihm weitere 4 544,17 Euro monatlich zu.Am Ende also doch ein Sieg auf ganzer Linie für Welteke. Dass er damit den Unmut des Volkes weiter geschürt haben dürfte, welches sich zunehmend über die Selbstbedienungsmentalität von Politikern und Managern ärgert, wird ihm egal sein - ebenso wie die Tatsache, dass er seiner Partei, um die es ohnehin nicht gerade zum Besten steht, einen Bärendienst erwiesen hat.------------------------------Foto: Gut versorgt: Ernst Welteke.

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