Die Kirmes ist des Volkes wahrer Himmel", wandelt der deutsche Schaustellerbund das berühmte Goethe-Zitat auf seiner Homepage ab. Im Prinzip gilt das auch heute noch. 12 000 verschiedene Volksfeste gibt es in Deutschland. Jährlich locken sie 178 Millionen Besucher an. Damit geht jeder Deutsche rechnerisch mehr als zwei Mal im Jahr auf ein Volksfest. Die Deutschen sind klare Volksfest-Weltmeister.Besonders die großen Events locken die Massen an - allen voran das Münchner Oktoberfest, das Jahr für Jahr Besucherrekorde erzielt. In diesem Herbst kamen sechs Millionen Menschen auf die "Wies'n". Auch der Bremer Freimarkt, die Cranger Kirmes in Herne mit jeweils vier Millionen Besuchern sowie das Canstatter Volksfest in Stuttgart mit 3,5 Millionen Gästen können über mangelnde Besucherzahlen nicht klagen.Doch während die Umsätze dort noch stimmen, haben die vielen kleinen Volksfeste stark zu kämpfen: Weil den Menschen das Geld längst mich mehr so locker in der Tasche sitzt wie früher, geben sie auch wesentlich weniger für Karussell, Geisterbahn oder Riesenrad aus. Die Schausteller jedenfalls klagen über einen dramatischen Umsatzrückgang: Nahm die Branche 1999 noch fast vier Milliarden Euro ein, waren es 2006 nur noch rund zwei Milliarden Euro - ein Rückgang um fast 50 Prozent in nur sieben Jahren. Für 2007 sieht es auch nicht besser aus. Der Umsatz werde auf Niveau des Vorjahres liegen, teilte der Verband mit. Selbst vom Konjunkturaufschwung haben die Schausteller bislang also nicht profitiert.Das ist betrüblich. Denn die Branche ist auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die rund 5 000 Schaustellerbetriebe in Deutschland beschäftigen etwa 45 700 Menschen.Zu allem Überfluss fühlen sich die Schausteller von den Gemeinden nun auch noch schlecht behandelt. Statt Unterstützung zu erhalten, würde ihnen "die Luft zum Atmen weggenommen", schimpft Schaustellerbund-Präsident Albert Ritter: "Die auf den Plätzen geforderten Standgelder stehen in keinem Verhältnis mehr zu den erzielten Einnahmen." Zudem beklagt er die zunehmende Bebauung von angestammten Festplätzen. Darüber hinaus entstehe den Volksfesten auch noch unliebsame Konkurrenz durch die steigende Zahl der Stadtfeste. All dies bedeute einen "Angriff auf die Volksfeste in ihrer traditionellen Form".Die Lösung, die Ritter anbietet, ist eine sehr deutsche. Er fordert ein "Volksfestschutzgesetz", um das "Kultur- und Wirtschaftsgut Volksfest" auf eine rechtliche Grundlage zu stellen - also so etwas wie einen Artenschutz für Schausteller.------------------------------Foto: Für das Karussell geben die Deutschen nur noch halb so viel aus wie 1999.
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