Als am Dienstag bekannt wurde, dass Stefan Raab als einziger Vertreter des Privatfernsehens in diesem Jahr einen Grimme-Preis erhält, verschickte sein Sender Pro7 eilig eine Pressemitteilung, gratulierte und wies auf die Ausstrahlungstermine von Raabs Show "TV total" hin. Man konnte glauben, geehrt worden sei der TV-Moderator Stefan Raab. Dabei ist es kein Zufall, dass seine Sendung in der Begründung der Jury mit keinem Wort erwähnt ist. Die Jury zeichnete bewusst nur den Musiker Stefan Raab aus und dessen Gesangswettbewerb "SSDSGPS - Ein Lied für Istanbul".Die Jury grenzt diesen Raab ausdrücklich gegen den "Clown" und "verbalen Hooligan" ab, der sich gerne über misslungene TV-Auftritte oder über Namen lustig macht. Dagegen erweise sich der Entertainer stets dann, wenn er in seinem angestammten Feld, der Musik, agiere, als "überdurchschnittlich gut und außerordentlich kreativ", so die Jury. In seiner Reihe "Ein Lied für Istanbul" sei es ihm als Einzigem in Deutschland gelungen, dem Genre der Castingshow "Qualität abzugewinnen". Die Jury sah Raabs Grand-Prix-Sendung dabei ausdrücklich als Gegenmodell zu "gelackten Megaveranstaltungen" wie der RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar", wo mit bigottem Ernst suggeriert werde, echte Superstars zu kreieren, tatsächlich aber synthetische Sangesmarionetten installiert würden, zum schnellstmöglichen kommerziellen Gebrauch, mit Nachhaltigkeitsfaktor Null - es sei denn, sie existierten als Witzfiguren für die Klatschpresse weiter.Dabei war Stefan Raab, 38, eigentlich überhaupt nicht nominiert. Nun erhält er am Freitag kommender Woche sogar einen Preis in der Kategorie Spezial. Raab kam über die Musik zum Fernsehen. Schon während seiner Schulzeit hatte er sich Gitarre, Klavier, Schlagzeug, Mandoline und Ukulele beigebracht und eine Band gegründet. Nach dem Abitur studierte der Kölner Fleischersohn zunächst Jura und absolvierte eine Ausbildung zum Metzger. Er richtete sich ein eigenes Tonstudio ein und produzierte Werbejingles, daneben schrieb er Songs, etwa für "Die Prinzen". 1993 geriet er beim Musiksender Viva durch Zufall in ein Casting für Moderatoren und erhielt eine eigene Sendung. Als er 1998 für Guildo Horn den Titel "Guildo hat euch lieb" produzierte und beim europäischen Schlagerwettbewerb den achten Platz erreichte, glaubte man, ihm liege nur daran, sich über den erfahrenen Komponisten Ralph Siegel lustig zu machen. 2000 errang er als Sänger selbst mit "Wadde hadde dudde da" in Stockholm Platz fünf. Durch den Erfolg mit seiner Entdeckung Max Mutzke hatte er im Vorjahr gezeigt, dass er nicht nur das Grand-Prix-Monopol der ARD gebrochen, sondern auch eigene Qualität dagegen gesetzt hat."Man könnte dies subversiv nennen", so die Jury. "Es fehlt manchem die Phantasie, hinter dem Klamauk die Substanz zu entdecken", hat Raab selbst mal gesagt. Diese "unterschätzte, aber so schätzenswerte Seite Raabs" zeichnet die Grimme-Jury nun aus.------------------------------Foto: Stefan Raab, ausgezeichneter Musiker
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