Juval Porat macht keinen Hehl aus seiner Nervosität. In seinem Blog juval-online.de erzählt der angehende Kantor über Vorfreude und Lampenfieber vor seinem Auftritt am Sonntag in Berlin. Dann wird der 30-jährige Sänger im Rahmen eines Konzerts im jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße die letzte Prüfung in seiner Ausbildung zum Vorbeter ablegen. Juval Porat wird der erste in Bundesrepublik ausgebildete jüdische Kantor sein. Und nicht nur das.Erst mit ihm und letztendlich für ihn wurde dieser Ausbildungszweig in Deutschland geschaffen. "Eines Tages stand er da und wollte zum Kantor ausgebildet werden", sagt die Sopranistin Mimi Sheffer, die am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam angehende Rabbiner stimmlich bildet und das im vergangenen Jahr gegründete Jewish Institute of Cantorial Arts leitet.Neben den Studien am Kolleg lernte Porat zunächst an der Musikhochschule Potsdam Musiktheorie und Dirigierpraxis. Später besuchte er das Hebrew Union College in Jerusalem. Dort paukte er, als einziger Mann unter zehn ehrgeizigen Studentinnen aus den USA, Chorleitung, Stimmbildung, Musikgeschichte und Bibelgrammatik. Das Studium ist komplex. Anders als der Kantor in einer christlichen Kirche leitet der jüdische Chasan gemeinsam mit dem Rabbiner den Gottesdienst und singt im Wechsel mit der Gemeinde die hebräischen Gebete.Die Sprache war für Porat kein Problem. Er ist in Israel und Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen. "In beiden Ländern bin ich gleichermaßen ver- wie entwurzelt", sagt er. In einer religiösen jüdischen Familie erzogen, war er von klein auf mit Musik und Ritus konfrontiert. Der musisch Begabte lernte Flöte und Gitarre, schrieb mit zwölf sein erstes Lied. Noch heute komponiert und textet er eigene Stücke. Seine jüngsten Elektropop-Werke hat er gerade als CD in seinem Blog veröffentlicht.Porat studierte noch in Aachen Architektur, als in der dortigen Gemeinde eine Vorbeterstelle frei wurde. Dieses Angebot nahm er an. Nach Abschluss des Studiums ging er nach Berlin und hier reifte seine Entscheidung, noch einmal von vorne zu beginnen. Heute, als angehender Kantor, bedauert Porat nur, dass es bislang keine Stelle für ihn in Deutschland gibt. Ab Juli wird er daher in einer Gemeinde in Los Angeles arbeiten. Doch bald, hofft er, wird sich auch das fügen.------------------------------Foto: Juval Porat, der erste in der Bundesrepublik ausgebildete Kantor
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