Design

Festival für Design: Berlin bringt sich in Form

Premiere in der Unesco City of Design: Die DesignDays.Berlin bringen drei Tage lang internationales Produktdesign und lokale Kreativszene zusammen.

Premiere in der Unesco City of Design: Die DesignDays.Berlin bringen drei Tage lang internationales Produktdesign und lokale Kreativszene zusammen.

Alina Schröder; Bietenholz

Lesezeit 6 Min

Von Roboter-Porzellan bis Westman-Pop-up: Was Sie von den neuen DesignDays.Berlin erwarten können.

Nach der Berlin Design Week und dem Nachwuchs-Festival Currents bekommen Designfans in diesem Spätsommer die nächste Premiere im Kalender: Vom 24. bis 26. September 2026 starten die DesignDays.Berlin.

Initiiert von H.O.M.E.-Herausgeberin Angelika Müller und Monika Dagrée (on time PR) bringt das Festival mehr als 60 internationale Brands, lokale Showrooms, Werkstätten und Partner zusammen. Über 20 kuratierte Events im gesamten Stadtgebiet – von Talks und Produktlaunches über Ausstellungen bis hin zu Workshops – rücken das Thema Design gezielt in den Fokus.

Dabei grenzt sich das neue Event bewusst ab und setzt auf Synergien: „Es geht nicht darum, mit bestehenden Formaten zu konkurrieren, sondern die Vielfalt Berlins sichtbarer und für ein breites Publikum erlebbar zu machen“, betont Dagrée. „Dabei denken wir Design bewusst weiter: als verbindende Kraft für Kreativität und Innovation – von KI und Technologie über Produkt- und Interior Design bis hin zu Mobilität, Architektur und Stadtentwicklung.“

Setzen auf ein neues vertikales Format für die Berliner Designwirtschaft: Die DesignDays.Berlin-Gründerinnen Angelika Müller (links) und Monika Dagrée.

Setzen auf ein neues vertikales Format für die Berliner Designwirtschaft: Die DesignDays.Berlin-Gründerinnen Angelika Müller (links) und Monika Dagrée.

© Nicolás Castro Rodríguez

Das Besondere an den DesignDays.Berlin ist der ganzheitliche Ansatz. „Die DesignDays.Berlin sind das erste vertikale Format der Stadt: Industrie, Designer, Architekten, Handel und Endverbraucher unter einem Dach“, sagt Angelika Müller. „Wir sind überzeugt: Nur im Schulterschluss bekommt die Berliner Designwirtschaft eine laute, sichtbare Stimme.“

Das dichte Programm lädt dazu ein, sich einen individuellen Event-Parcours durch die Stadt zusammenzustellen. Das vollständige Programm, alle Orte sowie freie Einladungslinks finden sich auf der offiziellen Website unter www.designdays.berlin. Welche Highlights des neuen Formats es am Wochenende zu entdecken gilt, sagen wir hier.

New Perspectives on Craft and Design

Ein zentraler Anlaufpunkt für zeitgenössisches Objektdesign ist der Fashion Block (Memhardstraße 6 / PLATTE Berlin, am Alexanderplatz). Unter dem Titel „New Perspectives on Craft and Design“ versammelt die Ausstellung vom 24. bis 26. September (Eröffnung am 23. September ab 18 Uhr) Positionen, die das Verhältnis zwischen traditioneller Fertigung, digitaler Technologie und emotionalem Wert neu ausloten. Drei Studios verdeutlichen exemplarisch diesen Ansatz:

Jüngerkühn: Das Berliner Studio von Konrad Jünger und Verena Kühn arbeitet zwischen Industriedesign und digitalem Handwerk, mit Fokus auf Materialbewusstsein. Dafür schöpfen sie aus dem Akt des Machens selbst und untersuchen, wie Objekte industriell wie von Hand entstehen können – und wie digitale Technologie beide Wege erweitert. Dabei entstehen Alltagsprodukte, Möbel, digitale Fabrikationsmodelle und experimentelle Roboterinstallationen. Die Leitfrage: Wie lassen sich neue Technologien nutzen, um eine neue Art von Handwerkskunst zu formen?

Diese Porzellanvase des Studios Jüngerkühn wurde von einem Roboter gefräst.

Diese Porzellanvase des Studios Jüngerkühn wurde von einem Roboter gefräst.

© Konrad Juenger

Wie das praktisch aussieht, zeigte zuletzt die Arbeit „Soft Touch“: Eine eigens entwickelte Maschine folgt programmierten Bewegungsabläufen und reagiert zugleich auf die Eigenschaften des noch weichen Porzellans. Dabei entsteht weder ein Serienprodukt noch eine klassische Töpferarbeit – der Roboter ersetzt hier nicht den Handwerker, er wird zu dessen Werkzeug. Beide Gründer unterrichten zudem als Lehrbeauftragte an der UdK Berlin.

Philippe Bietenholz: Bietenholz, 1995 als Sohn einer peruanischen Mutter und eines Schweizer Vaters geboren, wuchs in Berlin auf; geprägt von Street Art und 3D-Graffiti kam er zum Industriedesign. Seine Arbeit verbindet Möbeldesign mit digitaler Kultur – lebendige, freudvolle Formen treffen auf glatte, futuristische Linien. Bekannt wurde er mit dem Bounce Chair, der sich anfühlt wie das Sitzen auf einer riesigen Feder: Seinen Komfort verrät er erst beim Hinsetzen. Jedes Exemplar entsteht über robotische 3D-Druckverfahren aus einem recycelten Polypropylen-Blend mit Glasfaserverstärkung.

Rechts im Bild: Der „Bounce Chair“ – Bietenholz verkauft ihn für 1800 Euro unter seinem Label „Melting Things“.

Rechts im Bild: Der „Bounce Chair“ – Bietenholz verkauft ihn für 1800 Euro unter seinem Label „Melting Things“.

© Bietenholz

Luis Frey: Der Berliner Designer untersucht in seiner Arbeit das Beziehungsgeflecht zwischen Objekt, Fertigungsprozess und emotionalem Wert in der heutigen Alltagskultur. Seine Entwürfe zeigen, wie sich lokales Handwerk in moderne, industrielle Produktionsprozesse integrieren lässt, um langlebige und kulturell widerstandsfähige Produkte zu schaffen. Ein prägnantes Beispiel dafür ist seine „Ori“-Lampe: Sie kombiniert handgefertigte Schirme aus Abacá-Papier (Bananenfaser) mit einem auf Bestellung gefertigten Edelstahlrahmen. Durch bewusst transparent gehaltene Elektronik und Kabel legt Frey die Konstruktion der Leuchte offen und macht somit deren Funktionsweise verständlich.

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Die „Ori“-Lampe von Luis Frey vereint handgeschöpftes Abacá-Papier mit einem industriellen Edelstahlrahmen.

Die „Ori“-Lampe von Luis Frey vereint handgeschöpftes Abacá-Papier mit einem industriellen Edelstahlrahmen.

© Alina Schröder

Ergänzt wird die Präsentation im Fashion Block durch Arbeiten von weiteren Kreativen wie Gina Melosi, Latess, Marcel Heise, Ore by Olga und  Studio Shorimoma.

Gustaf Westman: Keramik wie aus dem Traum

Zwischen Funktion und Pop-Kultur: Gustaf Westman bricht mit klassischem skandinavischen Minimalismus.

Zwischen Funktion und Pop-Kultur: Gustaf Westman bricht mit klassischem skandinavischen Minimalismus.

© Kate Fatseas

Das 2020 von dem gleichnamigen Architekten und Designer Gustaf Westman gegründete Keramik-Label prägt das moderne Objekt- und Produktdesign wie kaum eine andere Marke dieser Tage. Seine Entwürfe zeichnen sich durch geschwungene Linien, pastellige Töne und eine markante, voluminöse Ästhetik aus – eine Formensprache, die in der Szene und in den sozialen Medien Kultstatus genießt.

Dem 33-Jährigen folgen auf Instagram rund 600.000 Menschen. Seine Objekte spielen bewusst mit den Grenzen zwischen Funktion und verträumter Absurdität – wie etwa die im vergangenen Jahr vorgestellte „Baguette Bag“ aus Keramik, eine spiralförmige Halterung für ein Baguette: wenig Alltagswert, aber ein veritabler Medienhit. Im Rahmen der DesignDays.Berlin ist Gustaf Westman vom 24. bis 26. September mit einem Pop-up im KaDeWe vertreten.

Die Kerzenhalter „Chunky“ von Gustaf Westman neben seinen markanten Tassen und Tellern.

Die Kerzenhalter „Chunky“ von Gustaf Westman neben seinen markanten Tassen und Tellern.

© Kate Fatseas

Skandinavischer Komfort in Kreuzberg: Sweef Berlin

Neues Zuhause für schwedisches Design: Sweef Berlin zeigt in der Prinzessinnenstraße 14 maßgeschneiderte Polstermöbel.

Neues Zuhause für schwedisches Design: Sweef Berlin zeigt in der Prinzessinnenstraße 14 maßgeschneiderte Polstermöbel.

© Sweef

Das schwedische Label Sweef präsentiert in seinem neuen Showroom in der Prinzessinnenstraße 14 maßgeschneiderte, handgefertigte Polstermöbel.

Mit einer Auswahl aus über 250 Stoffen und einer Fertigung auf Bestellung setzt die Marke auf maximale Flexibilität: Über eine digitale 3D- und AR-Konfiguration – also eine Augmented-Reality-Anwendung, mit der sich Sofas, Sessel oder Betten per Smartphone maßstabsgetreu im eigenen Wohnzimmer virtuell aufstellen lassen – können die Kunden ihr Wunschmöbel individuell gestalten. Während der Festivaltage lädt Sweef täglich von 12 bis 18 Uhr zum Aktionsevent „Meeting Delfinen“ ein: Die Besucher können auf dem neuen Modulsofa „Delfinen“ ganz analog probesitzen.

Kaldewei diskutiert die Zukunft der Badarchitektur

Kaldewei setzt mit zirkulären Materialien und klarer Formsprache Maßstäbe im Raumdesign.

Kaldewei setzt mit zirkulären Materialien und klarer Formsprache Maßstäbe im Raumdesign.

© Marco Vagnetti

Kaldewei steht für exklusives Baddesign, das Ästhetik, Luxus und nachhaltige Funktionalität vereint: Das Traditionsunternehmen setzt seit jeher auf langlebige Produkte aus Stahl und Glas. Wie sich dieser Anspruch in moderner Architektur übersetzt, zeigt sich im Rahmen der Design Days Berlin: Am Freitag, den 25. September, lädt Zeitgeist by Bäderwelten (Pohlstraße 82) ab 17 Uhr zum Event.

Highlight ist der Design Talk „Bathroom Architecture Now“ um 18 Uhr, bei dem Christian Büttner (Director Innovation & Portfolio bei Kaldewei) gemeinsam mit Architekt Fabian Freytag und Industriedesigner Stefan Diez über zukunftsweisende Badarchitektur diskutiert.

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