Die Idee kam Melanie Waage im Urlaub vor über einem Jahr. Zwei Wochen lang lag sie grübelnd am Strand von Fuerteventura, und als ihr Ferienflieger wieder in Berlin landete, hatte sie das Projekt fertig im Kopf. Sie wollte einen Laden eröffnen. Es sollte darin "alles geben, was schön ist: Objekte, Kleider, Kunst". Ein kleines Design-Kaufhaus sollte es werden. Die Bekleidungstechnikerin hat ihre Idee umgesetzt, zusammen mit der Grafikdesignerin Margit Fellerer: Seit ein paar Wochen gibt es an der Niederbarnimstraße in Friedrichshain den Laden Pury.Hier verkaufen die beiden jungen Frauen Kleidung, Accessoires, Taschen, Bücher und Stofftiere. Hin und wieder gibt es Ausstellungen. Neben Armbändern der Berliner Designer ClydeR, Schmuck der Schweizer Füdäbi und Kleidern von Nix Design und FKK liegen im Laden auch die eigenen Produkte der Jung-Unternehmerinnen: T-Shirts, Pullover, Taschen, Höschen, bedruckt oder bestickt mit bunten, poppigen Fantasie-Tierchen, die Margit Fellerer entworfen hat. Seit Jahren kreiert sie ihre "Tierchenwelt" mit mehr als fünfhundert unterschiedlichen Charakteren. Diese Tierchen sollen alle menschlichen Charakterzüge abbilden, erklärt Margit Fellerer: "Manche sind lieb, manche sind ein bisschen dumm, manche faul und manche böse." Es war Melanie Waage, die auf die Idee kam, die Tierchen auf Kleider zu sticken. Mit dem Ergebnis ernten sie bereits Begeisterung. Fellerer und Waage wurden sogar gebeten, an diesem Wochenende auf der Modemesse Bread & Butter auszustellen. Doch diese Gelegenheit, von der vermutlich viele Nachwuchsdesigner träumen, ließen sie sich bewusst entgehen: "Wir sind noch nicht so weit", sagt Margit Fellerer. "Wir wollen erst unsere Kollektion weiter entwickeln, bevor wir uns auf einer so wichtigen Messe präsentieren." Melanie Waage ergänzt: "Wir wollen keinen schnellen, aber flüchtigen Ruhm." Trotzdem waren sie stolz, dass sie gefragt wurden.Ungewöhnlich ist auch die Standortwahl der beiden: Trendige Klamotten und Design zum nicht ganz kleinen Preis ausgerechnet in Friedrichshain zu verkaufen - kann das funktionieren? "Gerade das kann funktionieren", sagt Margit Fellerer. "Ähnliche Läden wie den unseren gibt es bereits in Mitte. Aber Mitte ist voll, was solche Dinge betrifft." In Friedrichshain, wo die beiden Frauen selbst leben, haben sie ein Geschäft wie ihres oft vermisst - nun haben sie es selbst eröffnet. "Außerdem haben wir hier nicht so harte Konkurrenz", sagt Melanie Waage. "Darum müssen wir hier nicht jeden Trend mitmachen, sondern können unsere eigene Entwicklung viel stärker ausleben." Dass sich Designprodukte auch abseits der ausgetretenen Einkaufspfade verkaufen, zeigt der Erfolg des Ladens Berlinomat an der Frankfurter Allee, der die Produkte vergleichsweise erfolgreicher Berliner Designer verkauft.Benannt ist Pury nach einem Tierchen aus Fellerers Fantasiewelt. "Pury ist so, wie wir beide auch", sagt sie. "Eben pur, aber verspielt." Und weder dumm, faul noch böse.Pury, Niederbarnimstr. 12, Friedrichshain, geöffnet montags bis sonnabends 12 bis 20 Uhr.Mehr im Internet unter: www.pury.org------------------------------Foto: "Pur, aber verspielt." Melanie Waage (l.) und Margit Fellerer wollen, dass ihr Laden ist wie sein Name.
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