Für Kunstinteressierte sind sowohl das Gallery Weekend als auch die Berlin Art Week feste Termine im Kalender, um von einer Galerie zur nächsten zu spazieren und auf neue Ausstellungen zu stoßen. Die Berlin Art Week flankierend, formiert sich mit Currents ein Pendant im Designbereich mit Fokus auf Interieur und Möbel.
Hinter der Initiative stehen die Designjournalistinnen Jasmin Jouhar und Laura Ewert. „Die Idee lag quasi in der Luft“, erzählen die beiden. Zwar gebe es eine starke und aktive Designszene in Berlin, doch es fehlten bislang bündelnde Kräfte, weshalb sich die beiden selbst dieser Aufgabe annahmen.
Die beiden Organisatorinnen hinter Currents: Laura Ewert (links) und Jasmin Jouhar (rechts).
© Clemens Poloczek
Currents bietet vom 10. bis zum 12. September erstmals die Gelegenheit, überall in der Stadt zu entdecken, was Berlins kreative Szene an konkreten Objekten hervorbringt – statt reiner Kunst an der Wand stehen hier Stühle, Leuchten und Designstücke im Fokus.
Wer einwendet, dass sich hier eine Dopplung mit der alljährlichen Berlin Design Week anbahnt, die im Frühling stattfindet, liegt falsch: Während dort Konferenzen, Panels und ein institutionelles Fachpublikum dominieren, setzt das neue Format auf den direkten Weg. „Currents ist keine Messe, sondern passiert da, wo Design passiert“, erklären die Initiatorinnen. Nach dem Vorbild internationaler und lukrativer Formate wie der Mailänder Möbelmesse Salone del Mobile verteilt sich das Programm auf die ganze Stadt.
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Designelite und neue Gesichter
Das Format schafft dabei den Spagat zwischen etablierter Designelite und spannenden Newcomern. Mit dabei sind etwa der Designer und Innenarchitekt Fabian Freytag sowie der Interior- und Möbeldesigner Gisbert Pöppler. Auch das für seine Raumkonzepte bekannte Duo Gonzalez Haase AAS ist vertreten.
Hinzu kommen etablierte Berliner Möbellabels wie Loehr und Objekte unserer Tage. Auf der anderen Seite öffnen auch internationale Marken wie Soho Home, Regalspezialist Tylko oder die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) die Türen ihrer Geschäfte. Daneben sind zahlreiche jüngere Designerinnen und Designer mit innovativen Arbeiten vertreten. Einen Überblick darüber, welche Highlights das neue Format bietet, finden Sie hier.
Analog Glass
Wer an Glasbläserei denkt, dem treten unweigerlich Vasen, Trinkgläser und Kristalllüster vor Augen. Dass das traditionsreiche Handwerk zu weitaus Modernerem imstande ist, beweist das 2019 in Berlin gegründete Label Analog Glass, das zwischen jahrhundertealten Techniken und neuester Technologie die Brücke schlägt.
Spieglein, Spieglein an der Wand: Analog Glass erfindet den klassischen Spiegel neu.
© Robert Świerczynski
So mutet der gläserne Beistelltisch „Omam“ wie erstarrtes, klares Wasser an – so zerbrechlich und filigran, dass man fast Angst hat, von seiner eigentlichen Funktion als Beistelltisch Gebrauch zu machen. Der Wandspiegel „Initi“ in der Variante „Rising Pink“ wiederum schichtet zwei Ebenen übereinander: eine Spiegelplatte und eine davor versetzte, farbige Glasscheibe, die das verzerrte Spiegelbild in eine faszinierende, bunte Farbwelt taucht.
Thilo Reich
Inspiration findet man – je nachdem, wen man fragt – überall, vielleicht am ehesten da, wo man sie gar nicht vermutet. Nach diesem Motto scheint auch Thilo Reich zu arbeiten. Der Berliner Architekt und Designer schaut dorthin, wo im Alltag sonst niemand hinschaut: auf die kleinen Muster, Strukturen und Details, die so natürlich zu Berlin gehören, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen.
Von wegen glattgebügelt: Dieser Stuhl von Thilo Reich spielt bewusst mit Macken.
© Giorgio Garzella
Für seine jüngste Reihe, die „Urban Tissue Series“, formt er kurzerhand die Unebenheiten des Berliner Straßenbodens ab. So durchziehen asphalttypische Krater und unebene Vertiefungen die Sitz- und Rückenflächen eines metallenen Stuhls, während das hochglänzende, geschwungene Gestell einen eleganten Rahmen für das Möbelstück bildet.
Lyk Carpet
Bei dem Namen Lyk Carpet könnte man meinen, es gehe schlicht um Teppiche. Ein Blick reicht jedoch, um sofort zu verstehen, warum die Kreationen auf der Website als echte Designobjekte deklariert werden: Denn diese Teppiche liegen längst nicht mehr nur brav unter Möbeln auf dem Boden, sondern erobern forsch den Raum.
Teppich oder Petrischale? Lyk Carpet verhilft dem Teppich zu Kunststatus.
© Anne Deppe
Es sind Arbeiten, bei denen Garne in expressiven Farben fast parasitär die textilen Flächen bewuchern. Kein Wunder also, dass sich die von Hand in Nepal geknüpften Unikate seit der Gründung im Jahr 2009 durch Mareike Lienau zu einer festen, unverwechselbaren Größe im hiesigen Design etabliert haben, die den Raum völlig neu definieren.
Obscure Objects
Hartes Metall, massives Glas: Dahinter steht das im Jahr 2023 von Produktdesigner Moritz Pitrowski und Architektin Luisa Pöpsel gegründete Studio Obscure Objects, das aus vermeintlich nüchternen Werkstoffen skulpturale Möbel formt.
Hier dürfen Sie Platz nehmen: Obscure Objects versteht es, wuchtigen Edelstahl spielerisch leicht wirken zu lassen.
© Obscure Objects
Ihre Kreationen spielen immer wieder mit Kontrasten und unerwarteter Weichheit. Der „Chunk Chair“ etwa setzt auf gebürsteten Edelstahl, der durch seine fließenden, runden Formen seine strenge Kühle verliert und beinahe organisch wirkt. Beim „Rest Chair“ trifft ein massiver, eisartig schimmernder Glassitz auf ein minimalistisches, präzises Gestell aus Edelstahl.
Bruzkus Greenberg x Gravelii
Ein weiteres der ausgestellten Objekte entstand in Zusammenarbeit mit dem renommierten Berliner Architekturbüro Bruzkus Greenberg und der Berliner Manufaktur Gravelii, die sich auf maßgefertigte Arbeiten aus Architekturbeton, Terrazzo und Gussstein spezialisiert hat. Gemeinsam entwickelten sie das modulare Pflanzengefäß „Brut“.
Brutalismus für Sträucher und Pflanzen: Das Architekturbüro Bruzkus Greenberg kollaboriert mit der Berliner Manufaktur Gravelii.
© Bruzkus Greenberg x Gravelii
Die geradlinigen Becken ruhen hier auf massiven Sockeln mit markanten, kreisrunden Aussparungen. Das Ergebnis ist ein Stückchen Architektur im Miniaturformat: eine rohe, brutalistische Formensprache, die durch die Bepflanzung sanft aufgelockert wird.
Currents. Weitere Informationen finden Sie unter www.currentsberlin.com
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