Seit 2009 erinnern die Deutsch-deutschen Filmtage an die Geschichte des geteilten und wiedervereinigten Deutschlands. Filme, Zeitzeugengespräche und Diskussionen machen historische Ereignisse lebendig und schaffen Raum für Erinnerung und Austausch. Was einst als einmalige Veranstaltungsreihe begann, hat sich zu einer festen Tradition der Partnerstädte Hof und Plauen entwickelt. Die 16. Auflage des Filmfestivals steht unter dem Motto „Von der Teilung zur Einheit“.
Vom 13. bis 17. November laden die Partnerstädte Hof und Plauen in die Kinos der beiden Städte ein – jeweils zum gleichen Film in jeder der beiden Städte mit ähnlichen oder unterschiedlichen Diskutanten rund um die Filme. Alle der gezeigten Dokumentar- und Spielfilme widmen sich Themen der jüngsten deutschen Geschichte – handeln von deutscher Teilung und Kaltem Krieg, der Friedlichen Revolution und Grenzöffnung bis zur Wiedervereinigung und deren Folgen.
Im Anschluss an die Filmvorführungen bieten Gesprächsrunden mit Zeitzeugen, Filmschaffenden sowie weiteren interessanten Gästen Gelegenheit zum Austausch. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Schon der Auftakt verspricht eine spannende Geschichte. „Die Mauer – Beton und Stacheldraht“ ist der Starter in diesem Jahr. Der 45-minütige Dokumentarfilm behandelt den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 und konzentriert sich auf die schockartige Abriegelung Ost-Berlins sowie die darauffolgenden Wochen, in denen Stacheldraht und erste Betonbauten die deutsche Teilung besiegelten.
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Festivaleröffnung mit Bürgerrechtler Rainer Eppelmann
Originalaufnahmen zeigen, wie in der Nacht zum 13. August 1961 Einheiten der NVA und der Volkspolizei begannen, die Grenzen zu West-Berlin abzuriegeln. Straßen wurden aufgerissen und erste Stacheldrahtverhaue errichtet. Zugleich dokumentiert der Film die Verzweiflung der Bevölkerung: Familien wurden plötzlich getrennt, Menschen versuchten in letzter Sekunde durch Fenster oder über Kanalbrücken in den Westen zu fliehen.
In Hof wird der Film am 13. November, 15 Uhr, gezeigt, in Plauen um 19.30 Uhr. Als Gesprächsgast wird Bürgerrechtler Rainer Eppelmann sein, der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und letzter Minister für Abrüstung und Verteidigung in der DDR. Mit ihm diskutiert der Zeitzeuge Dr. Horst Böttge.
Zum 16. Mal starten am Freitag kommender Woche die Deutsch-deutschen Filmtage in den Kinos der Partnerstädte Hof und Plauen. Steffi Behncke ist eine der Organisatorinnen des traditionellen Festivals, das besondere Filme zeigt und Zeitzeugen zu Wort kommen lässt.
© Ingo Eckardt/Ostdeutsche Allgemeine
Ehemaliges Stasi-Opfer ist zum Gespräch eingeladen
Tags darauf geht es um die Stasi, im Film „Spione unter uns“. Er bietet einen seltenen Einblick in die inneren Abläufe eines datengesteuerten Überwachungsstaates, der von einem der gefürchtetsten Geheimdienste der Welt betrieben wurde. Um 11 Uhr ist der Film in Hof zu sehen, 17 Uhr läuft er im Capitol-Kino Plauen.
Jamie Coughlin Silvermann und Gabriel Silvermann stellen Dr. Peter Keup, einen ehemaligen politischen Gefangenen und ein Stasi-Opfer, in den Mittelpunkt. Im wiedervereinigten Deutschland wurde er Historiker. Auf der Suche nach Antworten untersuchte er seine eigene Familiengeschichte und nahm schließlich Kontakt zu Männern auf, die Teil des Überwachungssystems waren.
Dabei entstehen erstmals filmisch dokumentierte Gespräche zwischen ehemaligen Stasi-Offizieren und einem Opfer. Die Begegnungen zeigen, mit welchen Mitteln sich das diktatorische System seine Macht sicherte. Der Protagonist des Filmes steht für das Zeitzeugengespräch zur Verfügung.
Erstmals eine szenische Lesung im Angebot
Am Sonntag, 15. November, 13.30 Uhr, wird der Film „3 1/2 Stunden“ gezeigt. Es geht um den 13. August 1961. Die Reisenden eines Interzonenzugs von München nach Ost-Berlin ahnen zu Beginn ihrer Fahrt noch nicht, dass dieser Tag ihr Leben grundlegend verändern wird. Der Spielfilm von Ed Herzog dreht sich ebenfalls um den Bau der Berliner Mauer und die Grenzschließung zur Bundesrepublik. Für die Reisenden aus der DDR bleiben nur dreieinhalb Stunden, um eine Entscheidung über ihre Zukunft zu treffen. Bleiben sie im Westen oder kehren sie in die DDR zurück? Gesprächsgast ist Prof. Robert Krause, Drehbuchautor, Produzent, Regisseur und Zeitzeuge.
Eine neue Facette bietet – ebenfalls am Sonntag, 17 Uhr – eine szenische Lesung über den einstigen Grenzstreifen – „Das Grüne Band“. „Es handelt sich um eine Lesung mit Dokumentarfilm und Musik“, verrät Steffi Behncke, die das Festival federführend auf die Beine gestellt hat. Die szenische Lesung „Das Grüne Band“ erzählt von der Verwandlung der ehemaligen innerdeutschen Grenze – von einem Ort politischer Gewalt und Abschottung zu einem europaweit einzigartigen Natur- und Erinnerungsraum.
Im legendären Grenzdorf Mödlareuth ist ein Teil des „Grünen Bandes“ bis heute gut sichtbar. Durch den Ort, der auch „Little Berlin“ genannt wird, verläuft das länderübergreifende Naturschutzgroßprojekt „Grünes Band Dreiländereck Bayern – Sachsen – Thüringen“.
© Pia Bayer/dpa
Historische Filmaufnahmen – auch aus der Region um Plauen und Hof – ergänzen das Programm. Begleitet von Gitarrenimprovisationen werden Texte mit dramatischen Berichten zur innerdeutschen Grenze und Geschichten aus dem heutigen Grünen Band gelesen. Autor Thom Gallie, Gundula Piepenbring, Schauspielerin und Sprecherin, Olaf Oelstrom, ehemaliger Sprecher des Rias Berlin, und Vincent Babl, Musiker, sind zu erleben.
Doping in der DDR: Keine Rücksicht auf die Athleten
„Go West Go East – Mauerspringer“ heißt der Film, der am 16. November, um 15 Uhr, im Plauener Capitol zu sehen ist. Der Film erzählt von einem Ereignis, das in 28 Jahren Berliner Mauer einmalig blieb: Anfang der 1970er Jahre gelingt Joachim „Mücke“ Mückenberger und Rainer „Sturmo“ Wulf, zwei Jugendlichen aus einem Potsdamer Grenzgebiet, der Sprung über die Mauer nach West-Berlin – und später sogar die unbemerkte Rückkehr. Gesprächsgast ist Zeitzeugin Anne Hahn und spricht über unangepasste Jugendliche in der DDR.
Ein zweiter Film des Tages heißt um 19.30 Uhr „Missbraucht für Medaillen – Doping und Menschenversuche im DDR-Sport“. Die Autoren Andrea Schültke und Thomas Purschke sprechen von einem groß angelegten Menschenversuch, wenn sie das staatlich geplante Doping im DDR-Sport thematisieren. Auch vor minderjährigen Sportlern machte es keinen Halt.
Gerd Bonk, der im vogtländischen Limbach geboren und nur 63 Jahre alt wurde, galt mit 15 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympia als ganz große Nummer im Gewichtheben der DDR. Hier im Bild bei der Siegerehrung der Olympiade 1972 in München mit Olympiasieger Wassili Alexejew (Sowjetunion, Mitte) und dem Zweiten, Rudolf Mang (BRD). Doping-Opfer Bonk zahlte einen hohen Preis für seine Erfolge.
© imago sportfotodienst
Die Athleten bekamen nicht nur die üblichen Dopingpräparate. Sie mussten auch ohne ihr Wissen für Versuche mit Medikamenten herhalten, die nicht für den menschlichen Gebrauch freigegeben waren. Flankiert wurde das System von zum Teil brutalen weiteren sportmedizinischen Anwendungen. Das Ganze geschah ohne Rücksicht auf gesundheitliche Folgen. Derzeit läuft dazu ein politisches Verfahren: Für 2026 wurde ein Referentenentwurf für ein Gesetz zur verbesserten Entschädigung und Unterstützung von DDR-Dopingopfern angekündigt. Als fachkundige Gäste sind Burkhard Bley, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Potsdamer Historikerin Dr. Jutta Braun und das Dopingopfer Katy Pohl angekündigt.
Film zu spektakulären Tunnelbauten zum Abschluss
Zum Abschluss des Festivals läuft der Film „Operation Gold“, der sich um die Spionagetunnel von Berlin und Berlin-Rudow dreht. Um 17 Uhr am 17. November geht es um folgenden Fakt: In den 1950er Jahren bestimmt der Kalte Krieg das Verhältnis zwischen Ost und West. Mitten in Berlin beginnt eine spektakuläre Geheimdienstoperation. Unbemerkt soll ein Tunnel bis unter den sowjetischen Sektor gegraben werden, um dort Telefonleitungen anzuzapfen und Gespräche aus dem sowjetischen Hauptquartier mitzuhören.
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Für die „Operation Gold“ wurden Spezialisten des Ingenieurkorps der US-Army nach Berlin gebracht. Im Februar 1955 erreichen sie die Telefonkabel. Britische Fachleute müssen nun aus zahlreichen Leitungen die richtigen auswählen und so manipulieren, dass der Eingriff unentdeckt bleibt. Am 21. April 1956 führt allerdings ein Wassereinbruch dazu, dass sowjetische Kräfte die Kabelschächte untersuchen. Der Tunnel und seine Funktion werden entdeckt.
Als Gesprächspartner wird Dietmar Arnold, Vorsitzender des Berliner Unterwelten-Vereines, dem bekannten Moderator und DDR-Historiker Prof. Dr. Helmut Müller-Enbergs Rede und Antwort stehen.
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