Bei VW, BMW oder Mercedes dauert eine Antwort auf meine Presseanfragen meist einen Tag, spätestens kommt sie am nächsten. Bei der Deutschen Bahn dauerte es drei Wochen. Man muss dem Konzern eines lassen: Er pflegt ein erstaunlich einheitliches Kundenerlebnis.
Ich wollte wissen, warum ein 75 Meter langer Bahnsteig der DB InfraGO rund 1,7 Millionen Euro kostete, während ein ähnliches Projekt eines regionalen Betreibers in Schleswig-Holstein mit etwa 400.000 Euro auskam. Allein die Planung bei der DB war teurer als der gesamte zweite Bahnsteig. Eine Frage also, die sich auch ohne abgeschlossene Ausbildung zum Bauingenieur stellen lässt.
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Die Antwort verzögert sich auf unbestimmte Zeit
Meine Anfrage wurde offenbar zunächst auf ein internes Abstellgleis rangiert. Vier- oder fünfmal hieß es bei meinen Nachfragen sinngemäß, die Sache werde weitergegeben, die Kollegen würden informiert, man kümmere sich. Das klang wie eine Durchsage am Bahnsteig: Es bewegt sich etwas, nur leider noch nicht das, worauf man wartet.
Vielleicht musste die Frage erst durch sämtliche Leistungsphasen. Vorplanung, Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung, Freigabe der Formulierung „Guten Tag, Herr Jacobs“. Vielleicht fehlte auch eine Abnahmeprüfung für den Mailausgang. Man möchte ja keine Antwort ins Netz schicken, die anschließend wegen eines technischen Defekts zurückgerufen werden muss.
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MehrNach drei Wochen kam sie dann tatsächlich. Die Bahn entschuldigte sich für die späte Rückmeldung. Das kennt man. Anschließend folgte der Satz: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu Einzelprojekten nicht äußern.“
Drei Wochen für die Auskunft, dass man keine Auskunft gibt. Dafür muss man erst einmal einen Prozess haben.
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Meine Frage kam an, die Antwort verpasste den Anschluss
Nun war die Mail nicht völlig leer. Die Bahn erklärte allgemeine Kostentreiber: komplexe Planungen, gesetzliche Anforderungen, gestiegene Preise, Sicherheit. Zum konkreten Bahnsteig aber gab es weder eine Bestätigung der Zahlen noch eine Aufschlüsselung der Kosten.
Natürlich müssen Pressestellen Informationen zusammentragen. Natürlich braucht eine belastbare Antwort manchmal Zeit. Gerade deshalb fragt man nach, vereinbart Fristen und wartet auch einmal länger. Aber drei Wochen und mehrere Vertröstungen schaffen eine gewisse Erwartung. Zum Beispiel, dass am Ende wenigstens erklärt wird, warum die Planung eines kleinen Bahnsteigs fast 640.000 Euro kostet.
Stattdessen hatte ich nun eine Entschuldigung, allgemeine Hinweise und die Bitte um Verständnis. Das ist für eine Presseanfrage ungefähr so befriedigend wie ein Ersatzbus, der einen wieder zum Ausgangsbahnhof bringt.
Vielleicht liegt darin aber auch die eigentliche Botschaft. Bei der Deutschen Bahn bekommt man selbst als Journalist die Verspätung persönlich zugestellt. Immerhin kostenlos. Für die Planung dieser Antwort wurde mir bislang nichts berechnet.
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