Zum dritten Mal in wenigen Monaten sagt Deutsche Glasfaser in Sachsen-Anhalt einen geplanten Ausbau ab – und wieder hatten sich viele Anwohner für schnelles Internet angemeldet. Diesmal trifft es die Region Weißenfels. Mehrere Ortschaften der Stadt gehen damit vorerst leer aus.
Die Stadt bedauert die Entscheidung sehr, wie sie auf OAZ-Anfrage mitteilt. In den beteiligten Ortschaften habe es hohe Anmeldequoten gegeben, auch dank des Einsatzes der Ortsbürgermeister. Schnelles Internet sei heute ein wichtiger Standortfaktor.
Bau wird zu teuer
Als Grund nennt das Unternehmen die derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Eine erneute Prüfung habe ergeben, dass die zu erwartenden Kosten deutlich über der ursprünglichen Kalkulation liegen. Ein Ausbau auf eigene Rechnung, also ohne Fördermittel, sei damit derzeit nicht machbar. „Deutsche Glasfaser sieht zum aktuellen Zeitpunkt keine Möglichkeit, den Netzausbau in Weißenfels eigenwirtschaftlich umzusetzen“, sagte Uwe Rettner, Regionalmanager für kommunale Kooperationen beim Netzbetreiber.
Nach eigenen Angaben rechnet der Anbieter vor jedem Projekt genau durch, ob es sich lohnt – mit Blick auf Baukosten, Preisentwicklung, Material und verfügbare Baufirmen. Wer bereits einen Auftrag unterschrieben hat, wird über den Rückzug informiert. Kosten oder Verpflichtungen entstehen den Kunden nicht.
Stadt sucht neuen Anbieter
Die Stadt will nun mit anderen Anbietern sprechen, um Highspeed-Internet doch noch in die Ortschaften zu bringen. Betroffen sind Teile von Großkorbetha, Markwerben, Reichardtswerben, Tagewerben, Uichteritz und Wengelsdorf.
Vor jedem Projekt fragt der Netzbetreiber ab, ob genug Haushalte einen Vertrag abschließen würden. In den Weißenfelser Ortschaften war das der Fall. Eine Garantie für den Bau ist das aber nicht, wie auch die beiden anderen Absagen zeigen.
Erst Magdeburg, dann Gommern
Den Anfang machte im Juli Magdeburg: Das Unternehmen kündigte an, den Ausbau in Ottersleben, Diesdorf und Stadtfeld West nicht weiterzuverfolgen. Dabei hatte es bereits im August 2025 mitgeteilt, dass in Diesdorf und Ottersleben genug Anmeldungen vorliegen. Statt der Bagger kam zunächst eine weitere Prüfung von Kosten, Baukapazitäten und Wirtschaftlichkeit. Für Ottersleben und Stadtfeld West hat inzwischen die Telekom ein eigenes Netz zugesagt.
Anfang Oktober folgte Gommern. Anders als in Weißenfels begründete der Glasfaserversorger den Rückzug dort mit dem Konkurrenten MDDSL, der in Teilen der Stadt bereits schnelle Leitungen verlegt hat – zwei Netze nebeneinander wolle man nicht bauen. Die Anmeldephase hatte das Unternehmen 2024 noch als Erfolg gefeiert, den Bau aber von weiteren Prüfungen abhängig gemacht.
Wie weit ist Sachsen-Anhalt beim Glasfaserausbau?
Nach Angaben des Landes hatten Ende 2025 knapp 49 Prozent der Haushalte in Sachsen-Anhalt Zugang zu Glasfaser bis ins Haus oder in die Wohnung. Internet mit Gigabit-Geschwindigkeit stand rund 65 Prozent zur Verfügung, darin sind allerdings auch modernisierte Kabelfernsehnetze enthalten. Gebiete mit weniger als 30 Megabit pro Sekunde liegen vor allem in dünn besiedelten ländlichen Regionen. Bis 2030 sollen alle Haushalte und Unternehmen Glasfaser haben, dort, wo sich der private Ausbau nicht rechnet, mit Fördergeld.
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Dass es auch anders laufen kann, zeigen Sülzetal und Petersberg. Im Sülzetal schloss derselbe Anbieter 2024 den Ausbau in fünf Ortsteilen ab, rund 2000 Adressen sind seither erreichbar, 624 Anschlüsse waren damals aktiv. In Petersberg lag 2025 für gut 3000 Adressen Glasfaser bereit, rund 1600 Anschlüsse waren in Betrieb.
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