Zwischen einigen erfreulich klaren Looks und reichlich Stoffdrama blieb vor allem eine Frage: Warum sieht deutscher Red Carpet so oft aus, als müsse er gleichzeitig Opernball, Promi-Hochzeit und Samstagabendshow bedienen?
Im direkten Vergleich untermauert die deutsche Prominenz einmal mehr, dass sie sich auf dem roten Teppich mit echtem Glamour einfach schwertut. Während bei den Filmfestspielen in Venedig, trotz des einen oder anderen Fauxpas, in Sachen Extravaganz und großer Abendgarderobe ordentlich aufgefahren wurde, fällt die Outfitwahl der heimischen TV-Riege beim Deutschen Fernsehpreis ernüchternd aus, um nicht zu sagen: fast beschämend.
Venediger Filmfestspiele: Tops und Flops auf dem roten Teppich
Kate Mara, John Malkovich, Kendall Jenner: Die Tops und Flops vom Red Carpet
In der Regel präsentieren wir in unserer Stilkritik eine ausgewogene Mischung aus Glanzstücken und Fehlgriffen. Diesmal erwartet Sie jedoch eher eine Ansammlung modischer Verirrungen – mit nur sehr seltenen Lichtblicken.
Belanglos: Markus Lanz ist weiter das Gesicht seiner gleichnamigen ZDF-Talkshow und wurde beim Deutschen Fernsehpreis 2026 für sie in der Kategorie „Beste Information“ ausgezeichnet. Seine TV-Brand steht für sachliche Information und genauso sieht sein Outfit aus: ein klassischer dunkler Anzug ohne sichtbares Risiko, makellos bis in die letzte Falte. Das ist nicht falsch, aber eben auch nicht erinnerungswürdig. Weder Top noch Flop, sondern glattgebügelt.
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Flop: Barbara Schöneberger führte zum neunten Mal durch die Gala, eröffnete den Abend spektakulär in Eisbergblau und durfte anschließend auch noch selbst jubeln: Gemeinsam mit Stefan Raab gewann sie für die RTL-Show „Wer weiß wie wann was war?“. Wir würden auf 1912 tippen, denn ihr Kleid erinnert uns an die größte Katastrophe der Schifffahrtsgeschichte.
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Top: Weniger ist bekanntlich mehr. Vor allem aber ist weniger auf dem roten Teppich eine verlässliche Bank, wenn es um die Outfitwahl geht. Das beweisen Model Nicola Cavanis und Mats Hummels: Er erscheint im dunkelblauen Zweireiher, Arm in Arm mit seiner Freundin, die sich für ein schulterfreies schwarzes Kleid mit Korsagentop und sanfter A-Linie entschieden hat. Viel braucht es hier nicht, um zu modisch bestehen – den Abend lauter Outfit-Fauxpas retten, das schafft das stilsichere Paar allerdings auch nicht.
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Flop: Verona Pooth moderiert derzeit wieder „Villa der Versuchung“ und bleibt damit ein ausgesprochen sichtbares Reality-TV-Gesicht; Franjo Pooth begleitet sie als Unternehmer und Ehemann eher aus der zweiten Reihe.
In Versuchung führt hier allerdings nichts: Das ultramarinblaue Kleid aus mehreren Lagen Tüll wirkt weniger nach sündigem Glamour als nach einer missglückten Unterwasserlandschaft, aus der sich Verona erst noch freischwimmen muss.
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Flop: Geht’s hier etwa zum KitKatClub? Rebecca Mir hat 2026 beruflich ein neues Kapitel aufgeschlagen und gehört nun zum Moderationsteam von RTLs „Exclusiv“ und „Exclusiv Weekend“. Beim Deutschen Fernsehpreis erschien sie mit Ehemann Massimo Sinató – doch statt Gala-Glamour gab es schwarzen Latex-Look, als wäre der rote Teppich lediglich der Weg zur nächsten Fetischparty. Massimo Sinatós weißer Anzug von Karl Lagerfeld machte die Black-and-White-Paarung komplett – er geschniegelt wie ein Bräutigam, sie geschniegelt wie seine sehr entschlossene Domina. Cool, aber der falsche Ort.
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Top: Riccardo Simonetti hätte an diesem Abend eigentlich einen Preis für seltene modische Stilsicherheit verdient. Und das, obwohl seine Outfitwahl ganz ohne dramatisches Volumen oder knallige Farben auskommt. Sein lässig geschnittener Anzug von Karl Lagerfeld ist mit dunklen Glitzersteinen besetzt, die subtil schimmern. Dazu kombiniert er eine satinierte Schluppenbluse mit locker gebundener Schleife und eine Brille mit metallischem Gestell. Wir finden: Damit spendiert er uns eine wohltuende Ruhepause für die Augen.
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Flop: Huch, was ist denn da bei Frauke Ludowig passiert? Die Moderatorin setzt an diesem Abend auf ein ganz in Bonbonrosa gehaltenes Kleid. Zunächst wäre da das schlichte, schulterfreie Bustier, geschmacklos wird es dann vor allem unterhalb der Taille: Die üppigen Tüllblumen, mit denen der Rock übersät ist, lassen die Robe wie die kitschige Fantasie einer Zehnjährigen von einem Prinzessinnenkleid wirken. Ein derart verspielter, mädchenhafter Auftritt wirkt für eine Moderatorin, die sich sonst so stilsicher und souverän gibt, schlicht deplatziert.
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Flop: Fabian Köster ist bekannt für seine Satire und bissigen Kommentare. Da wird er uns wohl auch einen spitzen Kommentar zu seiner fragwürdigen Garderobe erlauben. An diesem Abend setzt der Komiker auf ein schwarzes Hemd mit passender Anzughose und kombiniert dazu ein tiefblaues Samtsakko mit schwarzem, satiniertem Revers. Die Materialwahl erweist sich dabei als erster Fehlgriff: Der Samt wirkt hier nicht edel, sondern altbacken. Die Kombination aus Dunkelblau und Schwarz lässt uns wiederum erneut an die alte Stilregel glauben, dass die beiden Farben grundsätzlich nicht zusammenpassen. Die rote Fliege ist schließlich – offensichtlich im schlechtesten Sinne – die Kirsche auf der Sahnetorte.
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