Weltmeisterschaft

Deutsches Handwerk im Hightechland China: 36 junge Fachkräfte im Kampf um Gold

Die Weltmeisterschaften der Berufe, die World Skills, haben in Shanghai begonnen. Das traditionelle Handwerksland Deutschland bringt in 31 Berufen junge Leute an den Start.

Ingo Eckardt
5 Min
Mit einer aufwendig inszenierten Show sind die WorldSkills in der chinesischen Metropole Shanghai eröffnet worden. In der Mercedes-Benz Arena auf dem ehemaligen Expo-Gelände zogen die 36 deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit Delegationen aus aller Welt ein.

Mit einer aufwendig inszenierten Show sind die WorldSkills in der chinesischen Metropole Shanghai eröffnet worden. In der Mercedes-Benz Arena auf dem ehemaligen Expo-Gelände zogen die 36 deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit Delegationen aus aller Welt ein.

© worldskillsgermany

Es ist das größte Handwerks-Gipfeltreffen der Welt: Bei der Berufe-WM in der chinesischen Metropole Shanghai treten fast 1500 junge Handwerker aus 70 Nationen in 64 Berufsfeldern an. Auch das traditionsreiche deutsche Handwerk ist dabei – in 31 Berufen wollen die 36 Starter (manche der jungen Handwerker starten im Team) für Furore sorgen. Die Palette der Berufe ist mannigfaltig. Neben klassischen Berufen wie Zimmerer, Fliesenleger oder Bäcker sind auch Cyber-Security-Experten gefragt.

Von den 36 jungen Fachkräften bei den WorldSkills in Shanghai kommen 16 aus klassischen Handwerksberufen. Vier Sachsen, ein Brandenburger und eine junge Frau aus Mecklenburg-Vorpommern sind mit dabei. Sachsen-Anhalt und Thüringen sind ebenso wie Berlin im Team Germany nicht vertreten. Bereits eine knappe Woche vor dem Start der WorldSkills war Team Germany Richtung Shanghai abgereist.

Die Teilnehmer sollten Zeit haben, sich vor Ort zu akklimatisieren und sich unter der Betreuung ihrer deutschen Fachexperten noch einmal gezielt auf den Wettbewerb vorzubereiten, sich mit ihrer jeweiligen Wettkampffläche in einer der riesigen Hallen vertraut zu machen und Kraft zu tanken, bevor am heutigen Mittwoch der Startschuss der viertägigen Berufe-Weltmeisterschaft fällt. Erst bei der Feier zur Medaillenvergabe am 27. September erfahren die Teilnehmer, ob sie eine Medaille gewonnen haben, die es hier in vier Varianten gibt – neben Gold, Silber und Bronze werden auch Exzellenzmedaillen vergeben.

Junger Bäcker aus Chemnitz will Titel holen

Der junge Bäcker Tobias Karl Miklos aus Chemnitz (hier in seinem "Trainingslager" in Weinheim) ist einer der sechs Ostdeutschen im Team Germany für die Berufe-WM in Shanghai. Er hofft auf eine Top-Platzierung.

Der junge Bäcker Tobias Karl Miklos aus Chemnitz (hier in seinem "Trainingslager" in Weinheim) ist einer der sechs Ostdeutschen im Team Germany für die Berufe-WM in Shanghai. Er hofft auf eine Top-Platzierung.

© Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks

Die meisten Starter stellen Baden-Württemberg mit neun und Bayern mit zehn. Aus Sachsen kommt beispielsweise Lars Wagner. Der 22 Jahre alte Mann stammt aus einem Sanitär- und Heizungsbetrieb in Oederan, arbeitet aber in Frankenberg bei einem branchengleichen Unternehmen, der SHF Sanitär- und Heizungstechnik. Als bester Jungfacharbeiter Deutschlands durfte er mit nach Shanghai fahren und rechnet sich Chancen auf Edelmetall aus, ebenso wie die beiden Landschaftsgärtner Lennard Weizmann und Marc-Aurel Spalek, die in Chemnitz ihre Lehre absolviert haben und als Team antreten.

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Vierter im Bunde aus dem Freistaat ist der junge Bäcker Tobias Karl Miklos aus Chemnitz. Der hat nach seinem Abi erst einmal in Frankreich Erfahrungen gesammelt, bevor er in Chemnitz das Bäckerhandwerk erlernte. Mit seinen gerade mal 22 Jahren ist er bereits Bäckermeister und sagt von sich selbst, dass er vor allem gern Sauerteigbrote backt, weil man hier so viele Parameter habe, um den perfekten Geschmack zu steuern. In Shanghai trauen ihm viele einen ganz großen Wurf zu, wenngleich die Zutaten und Werkzeuge, die zur Verfügung stehen, herausfordernd, weil doch oft ein wenig fremd, sind, wie er der Allgemeinen Bäckerzeitung verriet. 14,5 Stunden an zwei Tagen wird er in Shanghai in der Backstube stehen.

Zwei junge Mecklenburger ebenfalls in China am Start

Isabell Alina Kischka ist Pflegefachkraft am Uniklinikum Rostock - sie misst sich in Shanghai mit ihren Berufskollegen aus aller Welt.

Isabell Alina Kischka ist Pflegefachkraft am Uniklinikum Rostock - sie misst sich in Shanghai mit ihren Berufskollegen aus aller Welt.

© Universitätsmedizin Rostock

Im Berufsfeld Gesundheits- und Sozialbetreuung vertritt eine junge Rostockerin, nämlich Isabell Alina Kischka vom Universitätsklinikum, die deutschen Farben. „Die Chance, Deutschland bei einer Weltmeisterschaft zu vertreten, ist etwas Besonderes“, freut sich die junge Frau nach Auskunft ihres Arbeitgebers auf diese Herausforderung. Die Vorbereitung fand in ihrer Heimat Rostock statt und war für die Deutsche Meisterin ein zusätzlicher Ansporn.

Für die Pflege hat sich die 21-Jährige aufgrund einer familiären Erfahrung entschieden. Sie wollte eigentlich Humanmedizin studieren, ging aber erst einmal in den Pflegebereich, wo sie schnell ihre Erfüllung fand. „Ich wollte zunächst den medizinischen Bereich besser kennenlernen. Während der Ausbildung habe ich gemerkt, wie vielseitig und verantwortungsvoll die Pflege ist. Deshalb möchte ich in diesem Berufsfeld vorerst bleiben“, wird Isabell Alina Kischka zitiert.

Zu einem Vorbereitungstreffen kam das Team Germany für die Berufe-WM im Sommer zusammen, um den Teamgeist für Shanghai zu stärken.

Zu einem Vorbereitungstreffen kam das Team Germany für die Berufe-WM im Sommer zusammen, um den Teamgeist für Shanghai zu stärken.

© Frank Erpinar / worldskillsgermany

Im Berufsfeld Mobile App Development wird Nils Jakubzick aus Neubrandenburg (jetzt Student in Potsdam) Deutschland vertreten. Der 20-Jährige liebt an seinem Beruf die Möglichkeiten, kreativ an herausfordernden Problemen unserer Zeit arbeiten zu können. Am liebsten würde er später einmal bei der European Space Agency arbeiten, wie er im Vorfeld der Berufe-WM verraten hat.

Berit Heintz, Leiterin des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung bei der IHK zu Rostock ist natürlich stolz, dass auch junge Leute aus MV den Weg in die chinesische Metropole antreten durften. Für sie ist es ein Plädoyer dafür, dass trotz KI-Entwicklungen und Hightech im Alltag das duale Ausbildungssystem einen gewichtigen Wert darstellt.

„Die duale Ausbildung verbindet das Beste aus Theorie und Praxis. Sie bietet jungen Menschen einen sicheren Berufseinstieg und Unternehmen die Chance, motivierte Fachkräfte selbst auszubilden. Zudem bietet die berufliche Ausbildung die Möglichkeit, persönlich zu wachsen, schnell auf eigenen Beinen zu stehen und Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen“, so Berit Heintz.

Die Duale Berufsausbildung in Verbindung mit der Höheren Berufsbildung könne wesentlich zum Gelingen der wirtschaftlichen Transformation der nächsten Jahre beitragen. Eine starke berufliche Bildung sei der Schlüssel zur Fachkräftesicherung. „Hinzu kommen engagierte Ausbildungsbetriebe, von denen wir in der Region sehr viele haben und wir brauchen leistungsfähige und gut erreichbare Berufsschulen. Es ist großartig, wenn sich Menschen wie bei den Worldskills dem internationalen Wettbewerb stellen – wir wünschen viel Erfolg“, drückt die Chefin der Rostocker IHK-Aus- und Weiterbildungsabteilung die Daumen.

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