Deutschland belegt im Korruptionsindex wieder den Vorjahresplatz

Bestechung nimmt nicht ab

Johannes Gernert
3 Min

BERLIN. Im Kampf gegen die Korruption hat Deutschland keine Fortschritte gemacht. Auf dem neuesten Index des Anti-Korruptions-Verbands Transparency International liegt die Bundesrepublik wie schon im vergangenen Jahr auf Platz 16 - vor dem EU-Nachbarn Frankreich, aber hinter Großbritannien. Am meisten bestochen wird in den ärmsten Ländern der Welt. Haiti, Irak, Guinea und Myanmar belegen die letzten Plätze. Am wenigsten korrupt sind Finnland, Island und Neuseeland. Deutlich verschlechtert hat sich das Korruptionsniveau in den USA, die vom 17. Platz auf den 20. abfielen."Am härtesten trifft es die Armen""In der Verwaltung ist der Mangel an Transparenz nach wie vor ein großes Problem", sagte Hansjörg Elshorst, der Vorsitzende von Transparency Deutschland gestern bei der Vorstellung der Bestechlichkeitsliste. Auch die UN-Konvention gegen Korruption hat die Bundesrepublik immer noch nicht ratifiziert. Dafür müsste zunächst der Paragraf 108e des Strafgesetzbuches reformiert werden, erklärte Elshorst. Nach diesem Paragrafen kann ein Abgeordneter nur wegen Bestechung bestraft werden, wenn er seine Stimme verkauft. Andere Formen von Einflussnahme und Käuflichkeit sind nicht berücksichtigt - auch nicht die so genannte "Landschaftspflege", wenn Unternehmer über einen längeren Zeitraum versuchen sich Mandatsträger mit Zuwendungen gewogen zu machen. Abgeordnete werden somit anders behandelt als Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Dieser Zustand müsse hinterfragt werden, verlangte Elshorst, auch wenn der Kontakt zu Lobbyisten für Abgeordnete wichtiger sei als für Angestellte im öffentlichen Dienst.Für den jährlich veröffentlichten Korruptionsindex misst Transparency, wie Experten und Analysten das Klima im öffentlichen Sektor eines Landes wahrnehmen. Die Skala reicht von 0 (absolut bestechlich) bis 10 (vollkommen unbestechlich). Mehr als Dreiviertel der 163 geführten Länder erreichen weniger als fünf Punkte. Fast die Hälfte kommt nicht einmal auf den Wert 3. Für den Irak, wo sich besonders deutlich zeigt, wie eng Gewalt, Korruption und Armut zusammenhängen sind es 1,9."Die Armen trifft es am härtesten", sagte Huguette Labelle, die Vorsitzende von Tranparency International. Die Korruption zerstört Labelle zufolge die Ökonomien der einkommensschwachen Länder, weil das Klima Investoren aus dem Ausland abschreckt. Außerdem werden die Ärmsten dort noch ärmer, weil sie von ihren winzigen Einkommen Bestechungsgelder abzweigen müssen, um etwa an Impfstoffe zu kommen.Der Geschäftsführer von Transparency International, David Nussbaum, machte auf die Rolle von Handlangern aufmerksam, die für den Kontakt zwischen Bestechenden und Bestochenen sorgen. Oft handele es sich um Anwälte, Buchhalter und Bänker. "Sie stellen die Kanäle zur Verfügung, durch die das Schmiergeld fließt", sagte Nussbaum. Sie helfen korrupten, politischen Eliten ihr schmutziges Geld ins Ausland zu schaffen. Berufsverbände müssten deshalb noch stärker mithelfen, die Korruption zu bekämpfen, forderte Nussbaum. Bei den Handlangern anzusetzen sei "auf lange Sicht ein ganz wichtiges Ziel", sagte er.------------------------------Umfragen als BasisGrafik: Das Korruptionsniveau hat sich demnach in Brasilien, Israel, Jordanien, Kuba, Tunesien und in den USA deutlich verschlechtert. Besser ist es in Indien, Japan, der Türkei, Slowenien und der Tschechischen Republik geworden.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner