Basketball-WM

Deutschlands Basketballerinnen erstmals im WM-Viertelfinale: „Wir sind halt zu Hause, das hilft“

Deutschland steht erstmals im WM-Viertelfinale. Gegen Belgien soll der Heimvorteil helfen – auch wenn die Dreierquote bislang Sorgen bereitet.

5 Min
Die deutschen Basketballerinnen jubeln mit Leonie Fiebich in der Mitte. Auf sie wird es gegen Belgien besonders ankommen.

Die deutschen Basketballerinnen jubeln mit Leonie Fiebich in der Mitte. Auf sie wird es gegen Belgien besonders ankommen.

© Max Vincen/Eibner-Pressefoto/imago

Im Fußball, so beschrieb es der britische Autor und ehemalige Analyst vom FC Liverpool Ian Graham in seinem Buch „Wie man die Premier League gewinnt“, wirken sich Heimspiele in etwa so vorteilhaft auf die Siegchancen einer Mannschaft aus, als würde Lionel Messi, der beste Spieler aller Zeiten, auf seinem Karrierehoch mitspielen. Ob sich das Ganze auf den Basketballsport übertragen lässt, schreibt er nicht. Auch hier beweisen die Statistiken den in wohl jedem Sport besungenen Heimvorteil. Ob es aber dieser ist, der die deutschen Basketballerinnen bei der Weltmeisterschaft zum ersten Mal in ihrer Historie bis ins Viertelfinale getragen hat?

Kantersiege gegen Mali und Südkorea

Nun, geholfen haben die Fans mit Sicherheit. Alle drei Gruppenspiele trug das DBB-Team in ausverkauften Hallen aus. „Es ist wirklich besonders. Ich habe so etwas in meiner Karriere mit dem Nationalteam noch nie erlebt. Wir werden uns noch sehr lange daran erinnern“, sagte Leonie Fiebich am Montagabend. Zuvor hatten sie und ihre Kolleginnen Mali mit 83:58 geschlagen und so den Einzug in die K.o.-Runde gesichert.

Es war ein deutlicher Sieg, der umso beeindruckender war, weil das deutsche Team gewaltig unter Druck gestanden hatte. Nach der Auftaktniederlage gegen Spanien, auf die Deutschland mit einem Sieg gegen Japan reagierte, musste ein weiterer Erfolg her, um sicher in die Zwischenrunde zu kommen.

Das Kurzzeitgedächtnis der Deutschen

Doch dieser Druck war den Deutschen nicht anzumerken. „Du musst in so einem Turnier ein Kurzzeitgedächtnis haben“, erklärte Spielerin Alexis Peterson. Und das gelang: Gerade die deftige Niederlage gegen Spanien (53:83) vergaßen die Spielerinnen schnell. Besonders frei war der Kopf von Frieda Bühner, die am Montag mit 21 Punkten beste Werferin war und, als eine der wenigen, auch von der Dreierlinie eine gute Trefferquote hatte.

Als es am Dienstag direkt weiterging und Deutschland in der Zwischenrunde auf Südkorea traf, war es erneut Bühner, die Deutschland mit neun Punkten im ersten Viertel früh Treffsicherheit verlieh. „Ich komme rein und bekomme direkt einen freien Wurf. Natürlich werde ich auch selbstbewusster, wenn ich direkt treffe“, sagte sie nach dem 94:56-Erfolg auf der Pressekonferenz.

Treffsicher: Frieda Bühner startete mit ihren Treffern gegen Mali eine Serie.

Treffsicher: Frieda Bühner startete mit ihren Treffern gegen Mali eine Serie.

© Tilo Wiedensohler/imago

Noch besser als Bühner traf am Dienstagabend aber Marie Gülich. Die Power Forward des DBB-Teams konnte gegen Südkorea ihre Größe ausspielen, empfing immer wieder die Pässe ihrer Mitspielerinnen unter dem Korb und münzte sie in insgesamt 19 Punkte um. „Ich muss die Credits meinen Teammates geben“, lobte sie im Anschluss die Zuspiele ihrer Kolleginnen in einer Mischung aus Deutsch und Englisch. „Ich bin einfach nur zum Kopf gecuttet oder stand in guten Positionen, habe den Ball bekommen und musste nur den Layup machen.“

Bevor im Viertelfinale am Donnerstag (17.45 Uhr, Arena am Ostbahnhof) Belgien wartet, konnte das deutsche Team mit den deutlichen Siegen viel Selbstbewusstsein tanken. Das große Manko aber war die Quote von der Dreierlinie. Gegen Mali ging noch einer von drei Würfen von draußen rein, am Dienstag gegen Südkorea war es nur noch einer von fünf.

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Leonie Fiebich führt das deutsche Team bisher auch ohne viele Punkte an.

Leonie Fiebich führt das deutsche Team bisher auch ohne viele Punkte an.

© Tonhäuser/Beautiful Sports/imago

Ungewohnt selten traf Shooting Guard Leonie Fiebich bisher. In der US-amerikanischen Basketball-Liga, der WNBA, bewies Fiebich eigentlich stets ihre Qualitäten bei Würfen aus der Distanz. Bei der Heim-WM in Berlin wollen die Würfe aber einfach nicht fallen. Nur zwei von elf Drei-Punkte-Würfen in den Spielen gegen Mali und Südkorea gingen rein. „Dass meine Würfe gerade nicht fallen, ist natürlich doof. Aber solange wir gewinnen, ist alles gut“, sagte sie selbst am späten Dienstagabend.

Warum Fiebich auch ohne Punkte wichtig ist

Vorwürfe macht ihr im Team ohnehin niemand – im Gegenteil. Denn auch ohne selbst auf dem Scoreboard zu landen, verleiht Fiebich dem Team mit ihren Rebounds und Assists Stärke. „Sie muss nicht punkten, um Einfluss zu nehmen“, sagte Frieda Bühner auf der Pressekonferenz nach dem Südkorea-Spiel. „Sie ist so großartig für uns, offensiv und defensiv. Ich weiß nicht, ob sie jemals etwas falsch macht. Sie ist definitiv unsere beste Spielerin und eine große Führungsspielerin“, schwärmte Bühner. Auch Coach Olaf Lange stimmte in die Lobeshymne ein: „Sie ist unglaublich. Ich will sie nie rausnehmen“, sagte er. „Sie stellt sicher, dass wir auf die richtige Weise spielen.“

In den jüngsten Partien habe es das Team auch gar nicht gebraucht, dass sie selbst öfter treffe, erklärte Fiebich selbst. „Aber ich kenne sie auch gut genug, um zu sagen, dass sie, wenn es benötigt wird, selbst den Ball wirft“, kündigte Lange an. Gegen Belgien könnte das durchaus der Fall sein. Die Europameisterinnen von 2023 und 2025 gehen gegen Deutschland als Favoritinnen ins Viertelfinale, schlugen Deutschland vor einem Jahr bei der Europameisterschaft mit 83:59 deutlich.

Will Deutschland gewinnen, dann sollte Fiebich wohl die Rolle einnehmen, die Lionel Messi für die argentinische Fußballnationalmannschaft so oft einnahm, und neben ihren Qualitäten als Spielmacherin auch selbst öfter treffen. Aber auch ohne die Statistiken von Ian Graham weiß Fiebich, wenn sie an die Chancen ihres Teams denkt: „Wir sind halt zu Hause, das hilft.“

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