Denkmalschutz

Erhalt historischer Bausubstanz: Deutschlands Denkmalpfleger appellieren an die Politik

420 Denkmalpfleger fordern in ihrer „Leipziger Erklärung“ starke Fachämter und Anerkennung als Zukunftsaufgabe. Die Übergabe erfolgte symbolträchtig auf Schloss Hubertusburg.

Peter Chemnitz
4 Min
Im Schloss Hubertusburg bei Wermsdorf wurde am Mittwoch die „Leipziger Erklärung“ übergeben.

Im Schloss Hubertusburg bei Wermsdorf wurde am Mittwoch die „Leipziger Erklärung“ übergeben.

© Imago

Die Anerkennung der Denkmalpflege als zentrale Zukunftsaufgabe und starke Fachämter - das fordern mehr als 420 Denkmalpfleger in ihrer „Leipziger Erklärung“ von den politischen Entscheidungsträgern. Am Mittwoch wurde das auf der bundesweiten Jahrestagung der Vereinigung der Denkmalfachämter (VDL) verabschiedete Papier auf Schloss Hubertusburg an die für Sachsens Infrastruktur und Landesentwicklung zuständige Staatsministerin, Regina Kraushaar (CDU), übergeben.

Zwar wendet sich der Forderungskatalog nicht explizit an die sächsische Staatsregierung, aber die im Freistaat auf den Weg gebrachten Ideen zur Entmachtung der Denkmalpflege dürften entscheidend für die Verabschiedung des Papiers gewesen sein. Bau- und Kulturdenkmale seien weit mehr als Zeugnisse vergangener Zeiten: „Sie sichern Identitäten, stärken gesellschaftlichen Zusammenhalt, schaffen Lebensqualität und leisteten einen konkreten Beitrag zur Nachhaltigkeit und Baukultur.“

Was in der Leipziger Erklärung gefordert wird

• Denkmalpflege und Denkmalschutz als zukunftsweisenden Beitrag zu Nachhaltigkeit und Umbaukultur anzuerkennen,

• wissenschaftlich fundierte und nachvollziehbare Entscheidungen zu gewährleisten,

• Handwerk, Restaurierung, Forschung und zivilgesellschaftliches Engagement als unverzichtbare Partner der Denkmalpflege zu stärken,

• die fachliche Unabhängigkeit der Denkmalfachämter zu sichern und diese personell sowie finanziell angemessen auszustatten,

• die Modernisierung der Verwaltung gemeinsam mit den Denkmalfachämtern zu gestalten

Die Leipziger Erklärung mit dem sperrigen Titel „MehrWert Denkmalpflege: MehrWert für die Zukunft!“ knüpft nahtlos an einen Offenen Brief zahlreicher Vereine an Ministerpräsident Michael Kretschmer an, in dem die geplante Neuorganisation des Denkmalschutzes kritisch hinterfragt wird, sowie an den Offenen Brief des Landesvereins Sächischer Heimatschutz an, in dem vor der drohenden Zerschlagung der Landesämter für Archäologie und Denkmalpflege gewarnt wird.

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Eine Leipziger Erklärung, übergeben auf Schloss Hubertusburg – symbolträchtiger geht es kaum. Zumindest für diejenigen, die sich in der sächsischen Geschichte etwas auskennen. Da unterzeichnet die Elite der deutschen Denkmalpflege in jener Stadt eine gemeinsames Protestnote, in der eine Tafel erinnert: „Am 30. Mai 1968 wurde die Universitätskirche gesprengt. Diesen Akt der Willkür verhinderten weder die Stadtverordneten noch die Leipziger Universität. Die widerstanden nicht dem Druck eines diktatorischen Regimes.“ Und überreicht wird sie ausgerechnet auf Schloss Hubertusburg.

An einem Ort also, der für die schwierige Finanzlage Sachsens im 18. Jahrhundert steht. Die wiederum vom Grafen Brühl, dem Finanzminister, dem König verschwiegen wurde, wie auch die sich abzeichnenden politischen Entwicklungen Europas, wodurch es letztlich – Sachsens Glanz und Preußens Gloria - zum Siebenjährigen Krieg und der durch den Preußenkönig höchst persönlich angeordneten Plünderung des Jagdschlosses kam. Rache für Charlottenburg. Und ein Fingerzeig für den Umgang mit kostbaren Bauwerken in kriegerischen Zeiten. Aber im ausgeplünderten Schloss wurde auch der Hubertusburger Frieden geschlossen.

Aufmerksamkeit auch im europäischen Ausland

So weit ist man 263 Jahre später noch nicht. Auch, weil der Krieg noch gar nicht ausgebrochen ist. Nur die ersten Warnschüsse wurden abgeschossen. Und beide Seiten mobilisieren. Die Ministerpräsident Kretschmer unterstehende Ministerialbürokratie auf der einen, die haupt- und vor allem ehrenamtlichen Denkmalschützer und Denkmalpfleger – die Archäologen und Heimatschützer nicht zu vergessen - auf der anderen Seite.

Protestresolutionen dürften demnächst auch aus dem europäischen Ausland zu erwarten sein. Denn in Leipzig diskutierten vom 8. bis 10. Juni unter dem Motto „Umbrüche. Transformationen in Stadt und Land. Herausforderungen für die Denkmalpflege“ über die Zukunft des baukulturellen Erbes auch Experten aus Österreich, der Schweiz und Polen, die die sich im Denkmalland Sachsen abzeichnenden Entwicklungen auch mit in ihre Länder tragen dürften.

Man bekenne sich ausdrücklich zu einer wissenschaftlich fundierten und gesellschaftlich verantwortlichen Denkmalpflege, heißt es in der „Leipziger Erklärung“: „Wir leisten durch Erforschung, Inventarisation, Dokumentation, Beratung und Vermittlung einen unverzichtbaren Beitrag zur Erhaltung von Kultur.“ Erklärtes Ziel sei die gemeinsame Entwicklung tragfähiger Lösungen für den Umgang mit dem baukulturellen Erbe im engen Austausch mit den Denkmalbesitzern. Die Denkmalpflege brauche weiterhin starke, fachlich unabhängige Institutionen. Viele der geplanten Strukturanpassungen würden den qualitätsvollen und zukunftsorientierten Umgang mit Denkmalen gefährden.

Ministerin Kraushaar sollte zum Abschluss der VDL-Tagung auf Schloss Hubertusburg laut Angaben ihren Ministeriums über den Erhalt historischer Bausubstanz im ländlichen Raum, die tragende Rolle des bürgerschaftlichen Ehrenamt und die Folgen des Klimawandels für Kulturdenkmäler sprechen.

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