Deutschlands Paarläufer rechnen mit WM-Medaille

Eisshow als Training

Doris Henkel
2 Min

CALGARY. Da ist er also wieder, der gute, alte Saddledome. Bei Olympia anno 1988 konnten sich die Gäste aus Europa nicht satt sehen an der Arena mit ihren 17 000 Plätzen unterm eindrucksvollen Satteldach. Jeden Abend war die Hütte voll. 17 000 sahen beim Duell der roten gegen die schwarze Carmen den Sieg von Katarina Witt gegen Debi Thomas, sie waren fasziniert vom Kampf Brian gegen Brian der Kandidaten Boitano und Orser.Diesmal sieht es aus, als würde die große Popularität des Eiskunstlaufs in Kanada nicht genügen, um den Saddledome zu füllen. Mit durchschnittlich 14 000 Zuschauern pro Abschnitt hatten die Veranstalter der heute in Calgary beginnenden Weltmeisterschaften kalkuliert, aber nach dem Vorverkauf zeichnet sich ab, dass es dazu kaum reichen wird. Zum vollen Haus fehlen die Stars, sämtliche Olympiasieger von Turin: Die russischen Paarläufer Totmianina/Marinin und die Eistänzer Nawka/Kostomarow haben ihre Karriere beendet, Jewgeni Pluschenko gönnt sich eine Schaffenspause, und Shizuka Arakawa wurde daheim in Japan von Termin zu Termin herumgereicht, so dass keine Zeit mehr zum Training blieb.Günstige GelegenheitSieben der zwölf Medaillengewinner von Turin sind nicht dabei. Es ist eine bekannte Crux mit Weltmeisterschaften nach Olympischen Spielen. Die Tageszeitung Globe and Mail fragte spitz, ob es ein Fehler gewesen sei, sich um die WM nach Olympia zu bemühen und lieferte die Antwort gleich mit: "Sieht so aus." Aber das ist eine Frage der Relationen. Von fünfstelligen Zuschauerzahlen können europäische Veranstalter nur träumen.Für die Sportler ist die Gelegenheit günstig: Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy, die deutschen Meister im Paarlauf und EM-Zweiten in diesem Jahr, können rechnen. Sechste waren sie in Turin, zwei der fünf Paare, die da vor ihnen lagen, fehlen diesmal, und deshalb klingt es ganz normal, wenn sie nun sagen, eine Medaille sei ihr Ziel. Alles andere wäre wohl Tiefstapelei.Im Gegensatz zu den Wochen vor Olympia, die vom Wirbel um die Stasi-Vergangenheit ihres Trainers Ingo Steuer überschattet waren, konnten sie sich diesmal in relativer Ruhe vorbereiten. Und in ungewöhnlicher Form: Wie der Titelverteidiger und Favorit bei den Männern, Stéphane Lambiel, traten sie eine Woche lang Abend für Abend in Zürich in der Schweizer Eisshow "Art on Ice" auf. Steuer sagte, das sei eine gute Trainingsmöglichkeit unter Wettkampfbedingungen gewesen, auch Kondition habe es gebracht. Wie die Geschichte des Trainers Steuer und seines Paares Sawtschenko/Szolkowy weitergehen wird, ist mindestens so spannend wie der Wettbewerb selbst.

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