BERLIN. Kurz vor seinem Abschied aus Amt und bayrischen Ehren diktierte CSU-Ministerpräsident Edmund Stoiber jetzt einem Boulevard-Blatt sein Vermächtnis: "Bei aller Toleranz - Kathedralen müssen größer sein als Moscheen."Stoiber fordert nun einen offensiven Dialog mit dem Islam. Der ist spätestens seit dem Anschlag vom 11. September nachhaltig gestört. Am deutlichsten äußert sich dies in den Debatten um den Neubau von Moscheen, nicht nur hierzulande. In Italien zum Beispiel polemisiert die rechte Lega Nord gegen einen Moscheebau in Bologna. Nach massiven Protesten wurde der Bau jetzt ausgesetzt.Der linke Bürgermeister Sergio Cofferati sagt, die Anwohner sollten die Gelegenheit haben, die Pläne zu prüfen und über die Größe und Lage des Gotteshauses zu diskutieren. "Wir werden die Stimmung in der Nachbarschaft berücksichtigen und dann eine Entscheidung treffen", so Cofferati. "Aber ich beharre darauf, dass die Moschee gebaut wird."Länder mit langer Einwanderertradition wie Frankreich, Belgien und Großbritannien sind gegenüber Andersgläubigen toleranter als Staaten in Südeuropa wie Italien, sagt Harvard Forscherin Jocelyne Cesari. In Frankreich zum Beispiel läuft manches anders. In Marseille etwa wird seit 1723 um den Bau einer Zentralmoschee gerungen. Seit zwei Jahren wird gebaut. Möglich gemacht hat dies eine institutionalisierte Form des Dialogs: ein regionaler Muslimrat. Er koordinierte die Gespräche unter den 200 000 Muslimen Marseilles, aber auch mit der Stadt. Die Behörden kooperierte, überließ das Baugrundstück kostenlos. Im Gegenzug geht die Verwaltung rigide gegen Hinterhofmoscheen vor, in denen sie radikale Prediger vermutet. In Duisburg hat die muslimische Gemeinde das Dialog-Prinzip nun übernommen. Mit Erfolg. Selbst US-Botschafter William Timken hat sich über das Marxloher-Modell informiert. (BLZ)
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