Die ARD hat keine Leute

Helge Hopp
3 Min

Was wurde nicht getönt in den letzten Jahren, wenn es um den deutschen Beitrag zum Grand Prix ging. Welcher "Grand Prix eigentlich?" könnten jetzt ganz normale Menschen fragen. "Formel 1, Dressurreiten oder was?" Nein, es geht um jenen uralten, bisher trotz vieler Versuche noch nicht völlig zu Tode reformierten Wettbewerb, der früher "Grand Prix d'Eurovision de la Chanson" hieß, später dann "Eurovision Song Contest". Sie erinnern sich: Joy Fleming, Nicole, Guildo Horn, Stefan Raab & Max Wiehießdernoch? Zuletzt sollte die ganze Breite der jungen deutschen Popmusik in einer Art nationaler Leistungsschau präsentiert werden. Es war in den letzten Jahren oft peinlich, selten lustig, die Quoten sanken. Das ist nun beim Fernsehen exakt die Situation, in der jede Dummheit gefeiert wird, Hauptsache es ist eine andere Dummheit als die vom vergangenen Jahr. 2006 also wird wieder alles anders. Nur drei Bewerber soll es geben, die da lauten: Olli Dittrich, Vicky Leandros und Thomas Anders. Warum das? "Wir wollten nicht mehr wie in den Vorjahren Kandidaten dabei haben, die keiner kennt", sagt Jan Schulte-Kellinghaus, neuer NDR-Abteilungsleiter für Talk und Unterhaltung. Dieses Ziel darf als erreicht verbucht werden. Und wer moderiert das Ganze, nachdem sich Jörg Pilawa letztens blamiert hat? Thomas Hermanns, der Gastgeber des Quatsch-Comedy-Clubs, ein sympathisches Pro-Sieben-Gesicht. Wir lernen: Die ARD ist groß, die ARD ist mächtig, aber Fachkräfte für Moderationen hat sie nicht.----Vielleicht sollte nicht nur das Organisationskomitee, vielleicht sollte jeder, der Fußball spielt, sich für Fußball interessiert oder mit der Berichterstattung über Fußball sein Geld verdient, jeden Tag drei oder vier Mal einen kleinen - selbstverständlich von der Fifa lizensierten - Gebetsteppich ausrollen und sich gen Zürich neigen: "Oh, mächtiger Sepp Blatter ... dein Wille geschehe ..." In dieser Woche meldete der Bundesverband der deutschen Zeitungsverleger, man sehe "gute Möglichkeiten, in den jetzt folgenden Gesprächen mit der Fifa noch weitere Restriktionen abzubauen." Konkret geht es um das Ansinnen der Fifa, Sperrfristen und Höchstzahlen für die Veröffentlichung von Fotos der WM-Spiele festzulegen. Frühestens eine Stunde nach Spielende sollen die Bilder auf den Internet-Seiten der Zeitungen oder anderen elektronischen Medien veröffentlicht werden. Nur Unternehmen, die eine spezielle Lizenz erworben haben, dürfen schon während der Spiele ihre Fotos versenden. Zudem will die Fifa alle Zeitungen verpflichten, WM-Fotos unverändert zu veröffentlichen und auf textliche oder grafische Gestaltung im Bild zu verzichten. Dementiert wurde allerdings, dass die Fifa nur WM-Spiele als gültig werten will, deren Ergebnisse zuvor unter der Leitung einer Fifa-Expertenkommission festgelegt wurden.------------------------------Foto: Thomas Hermanns muss in der ARD aushelfen.

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