Die Ausstellung "Vier Millionen Jahre Mensch" zeigt die Entwicklung vom Urmenschen bis heute

Der mit dem Säbelzahntiger tanzt

Holger Mehlig
2 Min

Ein Säbelzahntiger brüllt, Hyänen bellen, Urmenschen suchen Deckung, Neandertaler trauern mit monotonen Klagegesängen um ein Familienmitglied. Die Vergangenheit wird Gegenwart. Und stellt existentielle Fragen: Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Von Sonnabend bis zum 6. September versucht die Ausstellung "Vier Millionen Jahre Mensch" im Ausstellungszentrum am Berliner Fernsehturm Antworten zu geben. Auf 1 000 Quadratmetern sind computergesteuerte menschliche Urahnen und Tiere, Skelette, Werkzeuge und aufwendig gestaltete Schautafeln zu besichtigen. Wissenschaftler kommentieren ihre Funde. Zu sehen sind sie auf Monitoren, die in Plastik-Felsen gebettet sind. "Wir machen eine Gratwanderung zwischen Disneyland und Wissenschaft", sagt Ausstellungsleiter Matthias Grundmann. "Aber genau so bringen wir die menschliche Entwicklungsgeschichte für jede Generation anschaulich rüber." Sehr anschaulich: Eine Gummibüste von Charles Darwin, der Mitte des 19. Jahrhunderts die moderne Evolutionstheorie begründete, empfängt die Besucher. Die Büste bewegt sich und spricht. "Darwin" empört sich darüber, daß heutige Wissenschaftler seine Theorien geklaut hätten. Denn schon er wußte: Gorillas und Schimpansen sind Vettern der Menschen. Vor zehn Millionen Jahren allerdings gab es gemeinsame Urahnen. Nur ein paar Schritte weiter sitzt eine Roboter-Figur des Paläontologen Richard Leakey in einem Feldlabor und erklärt, wie Fossilien präpariert werden. Die ältesten wurden in Afrika gefunden. Wissenschaftler folgern daraus, daß die ersten Menschen vor vier Millionen Jahren auch dort lebten. Stammbäume mit Leuchtdisplays zeigen die Entwicklung bis zum modernen Menschen. Doch was heißt modern? Ein Neandertaler posiert mit Jacke und Jeans beides paßte dem "Menschen" vor 200 000 Jahren perfekt. Im letzten Teil der Ausstellung kann der Besucher in einer Ausgrabungsstelle Fossilien suchen. Oder den Holz-Kopf eines ermordeten Urmenschen befühlen und raten, ob ein Tiger oder ein Affe der Täter war. Der Speisezettel der Frühmenschen verrät, daß diese andere Gerichte bevorzugten: Käfer, Maden und andere Insekten zählen heute wohl nur bei ausgesuchten Gourmets als Spezialitäten. Dann ist die Gegenwart erreicht. Ein altes Puppen-Ehepaar sitzt vor einem Fernseher. Hinter ihnen zählt eine elektronische Weltbevölkerungsuhr den Zuwachs: Pro Sekunde gibt es drei Menschen mehr auf der Erde insgesamt mittlerweile knapp sechs Milliarden. Der fette Mann zappt und sieht in einem fiktiven Bericht die Entwicklung vom Urmenschen bis zum Jahre 2000. Letztes Bild: Eine Comic-Figur steht auf einem riesigen Schrottberg und ruft: "Why?"

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