Ab in die Wüste - nicht wenige Bahnkunden haben dies in den letzten Monaten des Öfteren den Verantwortlichen der Deutschen Bahn gewünscht. Das Berliner-S-Bahn-Chaos und der eingeschränkte Verkehr durch fehlende ICE-3-Züge strapazieren die Geduld der Kunden aufs Äußerste. Nun macht die Bahn es tatsächlich wahr und zwar auf eigenen Wunsch: Das Unternehmen expandiert in den Wüstenstaat Katar und beteiligt sich dort am Bau von Eisenbahnstrecken mit Milliardenwert.Damit ist der Bahn ein Coup gelungen: Sie erhält auf diese Weise Zugang zum arabischen Markt. Dort sollen in naher Zukunft riesige Summen in den Aufbau eines Eisenbahnnetzes investiert werden. Die Bahn bringt ihr Know-how ein und wird profitieren. Und nicht nur sie. Sie öffnet zugleich Firmen aus der Bauindustrie oder Bahntechnikherstellern die Tür zu lukrativen Aufträgen. Gerade in der Krise ist das also eine gute Nachricht. Es wird helfen, auch viele Jobs in Deutschland zu sichern.Der Bahnkunde wird das neue Engagement dennoch zu Recht mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis nehmen. Für die Expansion in ferne Länder nimmt das Staatsunternehmen nun Milliarden Euro in die Hand; im eigenen Lande dagegen fehlt selbst das Geld für die Wartung von Zügen oder die Pflege des Gleisnetzes. Der Bund muss deshalb sicherstellen, dass die Bahngewinne aus dem heimischen Personenverkehr auch hier wieder investiert werden, und nicht in der Wüste.
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