BERLIN. Jan Pommer ist der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL), und natürlich zählt es zu seinem Job, Werbung zu machen für sein Produkt. Pommer sagt: "Die Liga steht sehr gut da, sie hat sich in allen relevanten Bereichen positiv entwickelt." Und damit dieser Satz nicht nur wie ein Slogan klingt, untermauert Pommer ihn mit einer Zahl. "Alle 18 Klubs haben ihre Etats erhöht, durchschnittlich um knappe zehn Prozent. Das zeigt, dass die BBL interessant ist für Sponsoren." Interessant werde sie auch für die Fans sein, sagt Pommer: "Sportlich ist die Liga enger zusammengerückt."Begleitet von werbenden Worten ist also die Bundesliga in ihre 42. Saison gestartet, am Donnerstagabend mit der Begegnung zwischen Quakenbrück und Alba Berlin, die 72:78 (36:44) endete. Beide Teams hatten sich zuletzt im Viertelfinale der Playoffs um die Deutsche Meisterschaft gegenübergestanden, allerdings sind nur noch vier Akteure von damals bei jedem Klub verblieben. Wie in den vorangegangenen Spielzeiten haben die 18 Bundesligisten ihre Kader auch diesmal wieder gut durchgemischt.Albas Geschäftsführer Marco Baldi erkennt dennoch eine Veränderung gegenüber den Vorjahren. "Bisher war die BBL für viele Spieler eine Durchgangsstation, eine Möglichkeit, sich für ein Engagement im Ausland zu empfehlen." Vor der neuen Saison habe diese Fluktuation deutlich abgenommen. "Sie ist in diesem Jahr so niedrig wie lange nicht", sagt er. "Eine ganze Reihe von Spielern sind geblieben. Zum Teil haben sie zwar den Klub gewechselt, doch sie sind mit den Gegebenheiten vertraut und können gleich durchstarten."Rückkehr nach sieben JahrenAm grundsätzlichen Trend hat sich aber nichts geändert: Auf dem Transfermarkt spielt die BBL eine nachrangige Rolle. An erster Stelle steht die nordamerikanische Profiliga NBA. "Dann kommen einige europäische Spitzenklubs, die mit aberwitzigen Etats teilweise sogar NBA-Klubs Spieler abjagen", sagt BBL-Geschäftsführer Pommer. Die übrigen Vereine konkurrieren um das verbleibende Personal. Auch die Bundesligisten, je nach Budget mehr oder weniger erfolgreich, wobei Alba mit einem geschätzten Etat von 6,5 Millionen Euro den größten Spielraum hierzulande besitzt.Attraktiv ist die Bundesliga ganz offensichtlich für deutsche Nationalspieler. Für Ademola Okulaja zum Beispiel, der zum Deutschen Meister Bamberg wechselte. Pascal Roller kehrte nach Frankfurt zurück. Patrick Femerling spielt nach sieben Jahren im Ausland mit Engagements bei Olympiakos Piräus, dem FC Barcelona, Panathinaikos Athen und Caja San Fernando Sevilla nun wieder für Alba Berlin.Die Nationalspieler könnten zu Identifikationsfiguren werden - als Gegenentwurf zu jenen Profis, die ihrer Arbeit Söldnern ähnlich nachgehen. "Solche Identifikationsfiguren sind wichtig", sagt Pommer. "Über sie können wir all jene ansprechen, die bisher nicht den Weg in die Hallen gefunden haben, die sich nun aber angesprochen fühlen von bekannten Namen wie Patrick Femerling." Dem Stammpublikum der Bundesligisten sind indes Herkunft und Prominenz eines Profis egal. Das ergab jedenfalls eine Studie in Köln und Bonn. Dort sind 85 Prozent der Zuschauer der Ansicht, dass ihnen der Einsatzwille einer Mannschaft und die Attraktivität ihres Spiels am wichtigsten sind. "Bei uns bewegen sich die Werte im gleichen Bereich", sagt Alba-Geschäftsführer Baldi. "Letztlich zählt für den Fan der sportliche Erfolg."Akzente in der JugendarbeitDas gilt auch für die Verantwortlichen in den Klubs, und so wird es in dieser Saison interessant sein zu beobachten, wie sie mit den hiesigen Talenten umgehen. Drei Deutsche müssen jetzt auf dem Spielberichtsbogen stehen. "Wir haben uns selbst einen sanften Zwang auferlegt", sagt Pommer. Er glaubt an die Wirkung dieser deutschen Quote: "Auf Dauer kann es sich kein Klub leisten, drei deutsche Spieler auf der Bank sitzen zu lassen."Verpflichtet haben sich die Klubs dazu, acht Prozent ihres Etats in Jugendarbeit zu investieren. Geplant ist zudem ein Fonds der BBL, aus dem Vereine entschädigt werden, die junge Spieler an ihren Profikader heranführen. Dieser Fonds soll 750 000 Euro enthalten. Ebenfalls in Planung ist eine Prämie, mit der die Einsatzzeit für Spieler unter 24 Jahren honoriert wird; abgerechnet wird pro Minute. "Das sind Akzente zusätzlich zu dem, was die Klubs aus eigenem Antrieb schon machen", sagt Pommer: "Das Problem, dass Talente fehlen, ist in der Liga inzwischen von allen klar identifiziert."An einem anderen Problem muss die BBL noch arbeiten: an ihrer Präsenz im Fernsehen. Der Bezahlsender Premiere ist ausgestiegen. Rechteinhaber Sportfive vermarktet nun die BBL. Mehr als 100 Spiele werden übertragen, im Internet auf BBL-TV oder im Satellitenfernsehen. Geschäftsführer Pommer stellt aber eine baldige Einigung mit den öffentlich-rechtlichen Sendern in Aussicht. "ARD, ZDF sollen frei wählen können, welche Spiele sie übertragen", sagt er. Auch das Deutsche Sport-Fernsehen (DSF) ist ein möglicher Partner. Interesse an der BBL, sagt Jan Pommer, sei jedenfalls vorhanden.------------------------------Alba gewinnt in QuakenbrückAuftakt: Alba Berlin ist am Donnerstagabend erfolgreich in die neue Saison gestartet. Der einstige Serienmeister siegte in Quakenbrück 78:72 (44:36). Beste Werfer vor 3 000 Zuschauern in der Artland-Arena waren Dijon Thompson (20 Punkte) für die Berliner sowie Matt Freije (19) für die Gastgeber. Zwischenzeitlich hatte Alba bereits mit 17 Punkten geführt. Doch Quakenbrück kämpfte sich ins Spiel zurück und kam zeitweise auf fünf Zähler heran. Die Berliner ließen sich aber nicht beirren und feierten am Ende einen verdienten Auftaktsieg.Personal: Die Bundesliga ist mit einer leicht rückläufigen Zahl an Spielern in ihre 42. Spielzeit gestartet. 262 Akteure sind bislang auf den Mannschaftsmeldebögen der 18 Vereine erfasst. Zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr waren es 270. Dabei stellen die Profis mit einem deutschen Pass das größte Kontingent. 124 Deutsche sind registriert, gegenüber der vergangenen Spielzeit bedeutet das eine leichte Steigerung von 1,6 Prozent. Die stärkste Fraktion nach den Deutschen stellen die USA. 106 US-Amerikaner spielen in der BBL.------------------------------Foto: Rückkehrer: Nationalspieler Ademola Okulaja zählt zu Bambergs Kader.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]