Ekel-Trend

„Die braune Herausforderung“: Ekel-Trend aus Spaniens Schwimmbädern schockt die Welt

Reto marrón im Freibad: Hyperchlorierung, E. coli, Hausverbote und Bußgelder bis 20.000 Euro – der Ekel-Trend aus Spanien und die Reaktionen.

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Nach einem Fund im Wasser wird hyperchloriert – im schlimmsten Fall wird das Becken abgelassen. (Symbolbild)

Nach einem Fund im Wasser wird hyperchloriert – im schlimmsten Fall wird das Becken abgelassen. (Symbolbild)

© IMAGO/Philipp André

Der Mann im Freibad El Plantío in Burgos hätte wegschauen können. Er rief stattdessen die Polizei.

Beobachtet hatte er vier Kinder zwischen elf und 13 Jahren dabei, wie sie ihre Hinterlassenschaft im Becken entließen. Die Polizei nahm die Personalien auf, die Stadtverwaltung leitete ein Bußgeldverfahren ein: 3000 Euro pro Familie, dazu Schadenersatz für Reinigung und Desinfektion, für die Kinder ein mehrjähriges Hausverbot.

Bürgermeisterin Cristina Ayala kündigte laut Deutscher Presse-Agentur an, die Sache „bis zur letzten Konsequenz“ durchzuziehen. Es war der sechste Fall dieser Art allein in ihrer Stadt in diesem Jahr.

„Reto marrón“: Was hinter dem Ekel-Trend steckt

Die vier folgen einer Mode, die Spanien seit zwei Sommern beschäftigt: dem „reto marrón“, der „braunen Herausforderung“.

Das Prinzip ist simpel. Kinder und Jugendliche verrichten absichtlich ihr großes Geschäft im Schwimmbecken, filmen den anschließenden Tumult – Trillerpfeifen, Räumung, manchmal Polizei – und laden das Video bei TikTok oder Instagram hoch.

Wer nicht spontan kann, plant: Spanische Zeitungen berichten von Fäkalien, die in Plastiktüten ins Bad geschmuggelt und dort entleert werden.

Der Erfolg eines Clips bemisst sich daran, wie viele Menschen aus dem Wasser müssen.

Hunderte geschlossene Freibäder in Spanien

Eine zentrale Statistik gibt es nicht. Für 2025 kursiert die Zahl von rund 300 betroffenen Becken, für diesen Sommer meldet der Radiosender Cadena Ser bereits „Hunderte“ Fälle.

Zamora sperrte seine Bäder in dieser Saison sechsmal, Tàrrega in Lleida dreimal in einer Woche. Auch der Caribe Aquatic Park an der Costa Dorada räumte im August nach britischen Berichten seine Becken.

Hyperchlorierung: 48 Stunden ohne Schwimmen

Das Protokoll ist streng: räumen, abfischen, Chlorwert hochfahren, filtern, beproben. Wie eldiario.es berichtet, dauert allein die Laboranalyse 24 bis 48 Stunden – Zeit, in der bei 38 Grad niemand ins Wasser darf.

Im valencianischen Oliva reichten stark erhöhte E.-coli-Werte: Beide Becken wurden geleert und neu befüllt, Tausende Liter im heißesten Sommer der spanischen Wettergeschichte.

Nicht jede Sperrung ist ein Trend

Bei aller Empörung lohnt ein Blick auf die Beweislage. In Oliva fand niemand Kot, nur Bakterienwerte, und erwischt wurde fast nie jemand.

Windeln, Magen-Darm-Infekte und überforderte Kleinkinder sorgen seit jeher für Beckensperrungen. Ein Anwohner aus Alcalá de Henares tippte in seinem Fall auf einen Erwachsenen, weil das Kinderbecken sauber blieb.

Kommunalpolitiker begründen die Trendthese mit dem Muster: gleiche Woche, benachbarte Orte, mehrere Becken gleichzeitig.

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Wie gefährlich ist Kot im Schwimmbecken?

Rosa del Campo Moreno, Mikrobiologin am Madrider Hospital Ramón y Cajal, sagte eldiario.es, die Sauerei sei erheblich, das Ansteckungsrisiko dagegen nicht besonders hoch. Chlor erledigt einen Großteil der Keime.

Harmlos ist es trotzdem nicht. Noroviren lösen zuverlässig Durchfall aus, Parasiten wie Cryptosporidium überstehen normale Chlorwerte stundenlang. Kinder trifft es besonders, weil sie beim Planschen mehr Wasser schlucken.

Der größere Schaden ist kommunal: gesperrte Becken, verlorene Eintritte, Überstunden mit Kescher.

Psychiater: Anerkennung per Klick

Andrés López, Koordinator für psychische Gesundheit im Gesundheitsbezirk Osuna, sagte im Interview bei Cadena Ser, dahinter könne ein emotionales Problem stecken. Jugendliche nutzten Netzwerke, um Anerkennung zu bekommen oder Einsamkeit zu bekämpfen.

Deren Mechanismen begünstigten einen Mitläufereffekt. Wer ein Video sieht, dreht das nächste.

Reaktionen aus aller Welt

Spanien reagiert mit Ordnungsrecht: mehr Aufsicht, Bußgelder je nach Region zwischen 5000 und 20.000 Euro. Ein Sevillaner Privatclub stellte Sicherheitspersonal an den Beckenrand und droht mit lebenslangem Ausschluss, mehrere Städte schalteten die Jugendstaatsanwaltschaft ein.

Britische Boulevardmedien warnen Urlauber vor spanischen Pools, in Formulierungen, die man beim Frühstück nicht lesen möchte. Mexikanische Portale übernehmen die spanischen Berichte, in der Schweiz und Deutschland lief die Geschichte über die Agenturen bis in die Regionalzeitungen.

In den USA hat die rechte Onlineszene das Thema entdeckt und den Trend zugewanderten Jugendlichen zugeschrieben. Belege dafür liefern die spanischen Behörden nicht – der bislang einzige aufgeklärte Fall betrifft vier Grundschüler aus Burgos.

Und in Berliner Freibädern?

Dokumentierte Nachahmer gibt es in Deutschland bisher nicht. Deutsche Bäder pflegen ihre eigenen Beckenprobleme: In einer älteren YouGov-Umfrage für Statista nannten 43 Prozent der Befragten Badegäste, die ins Wasser urinieren, als Nervfaktor – noch vor Dieben und Betrunkenen.

Bleibt ein kulturhistorischer Trost. In der Golf-Komödie „Caddyshack“ von 1980 räumt der halbe Country Club panisch den Pool, weil ein Schokoriegel im Wasser treibt.

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