Die britische Billigfluggesellschaft erwartet mehr Passagiere und strebt einen größeren Marktanteil in Deutschland an

Easyjet will der Überflieger in der Krise sein

Sebastian Wolff
4 Min

BERLIN. Während andere Airlines wegen der Wirtschaftskrise massive Einbußen bei Umsätzen und Passagierzahlen verzeichnen, will der britische Billigflieger Easyjet auch in diesem Jahr weiter wachsen. "In der Krise achten die Fluggäste noch mehr als sonst auf den Preis und das kommt uns zugute, denn wir bieten sehr gute Qualität für wenig Geld", sagte Easyjet-Deutschland-Chef Thomas Haagensen der Berliner Zeitung. Ein weiteres großes Plus von Easyjet sei, dass die Airline seit etwa zwei Jahren fast nur zentrale Flughäfen mit guter Verkehrsanbindung anfliege. "Deshalb reisen heute deutlich mehr Geschäftsreisende als früher mit uns", sagte Haagensen.Verzicht auf FernreisenDarüber hinaus profitiert Easyjet Haagensen zufolge davon, dass viele Urlaubsreisende in diesem Jahr aus Kostengründen auf Fernreisen verzichteten und statt dessen in Europa blieben. Außer einigen Strecken nach Nordafrika bietet Easyjet nur innereuropäische Flüge an. Konkurrenten wie Air Berlin leiden derzeit dagegen stark unter den Einbußen bei Fernflügen. So ist zum Beispiel die Air-Berlin-Langstrecken-Tochter LTU chronisch defizitär.Nach einem Wachstum von 16 Prozent bei den Passagierzahlen im vergangenen Jahr peilt Easyjet in diesem Jahr laut Haagensen noch ein "Wachstum im einstelligen Prozentbereich an" - trotz eines insgesamt schrumpfenden Marktes: Easyjet erwartet einen Rückgang des gesamten Flugverkehrs um fünf bis acht Prozent in Europa. "Für uns bedeutet das, dass wir in diesem Jahr noch schneller Marktanteile gewinnen werden", sagte Haagensen. Insgesamt liege der Marktanteil von Easyjet in Europa derzeit bei rund sieben Prozent, in Deutschland aber nur bei etwa drei Prozent. Damit habe Easyjet gerade hierzulande noch viel Luft nach oben: "Wir wollen in Deutschland so schnell wie möglich einen ähnlich hohen Marktanteil haben wie im europäischen Durchschnitt", sagte Haagensen. "Und ich sehe keinen Grund, warum uns das nicht gelingen sollte."Aus diesem Grund wolle Easyjet - anders als andere Fluggesellschaften - sein Streckennetz auch nicht ausdünnen oder Kapazitäten reduzieren. "Wir planen im Gegenteil das Angebot noch zu erweitern", sagte Haagensen. In den nächsten Jahren könnten noch einige Flugverbindungen von Deutschland in andere europäische Städte oder innerdeutsche Flüge hinzukommen.Vorteil niedriger ÖlpreisEasyjet will in erster Linie aus eigener Kraft wachsen. "Übernahmen haben für uns keine Priorität", sagte der Airline-Manager. Noch eine andere Entwicklung kommt dem Billigflieger derzeit zugute: der stark gefallene Ölpreis. Seit Mitte vergangenen Jahres hat er sich fast gedrittelt - wodurch auch das Flugkerosin billiger geworden ist. Zwar profitiere Easyjet nicht eins zu eins von den niedrigeren Preisen, weil sich das Unternehmen wie andere Airlines auch langfristig gegen Änderungen bei den Treibstoff preisen absichere. So zahle Easyjet bei jeder Tankfüllung immer in etwa den Jahresdurchschnittspreis. Dadurch machen sich für das Unternehmen starke Preisausschläge nach oben aber auch nach unten wie derzeit nicht in vollem Umfang bemerkbar. "Dennoch rechnen wir in diesem Jahr natürlich mit einer deutlich niedrigeren Kerosin-Rechnung als letztes Jahr und das entlastet uns natürlich", sagte Haagensen.Kein Zuschlag für ÜbergewichtigeBesorgt äußerte er sich über das geplante ausgedehnte Nachtflugverbot am künftigen Großflughafen Berlin Brandenburg International in Schönefeld (BBI): "Für uns wie auch für andere Airlines wäre es fatal, wenn die frühen Morgen- oder späten Abendstunden nicht genutzt werden könnten", sagte er. Das könne die Auslastung der eingesetzten Flugzeuge um bis zu 20 Prozent reduzieren. "Die verantwortlichen Politiker sollten sich bewusst sein, wie viele Berlin-Besucher und wie viele Einnahmen der Stadt damit entgehen würden", gab er zu Bedenken. Nach derzeitigem Stand soll im Spätsommer entschieden werden, ob Flugzeuge am BBI in den "Nachtrandzeiten" zwischen 22 und 24 Uhr sowie zwischen 5 und 6 Uhr starten und landen dürfen.Mit Schmunzeln quittierte Haagensen den Vorstoß des irischen Konkurrenten Ryanair, der nach dem Vorbild einiger US-Airlines die Einführung eines Preiszuschlags für besonders beleibte Passagiere prüft: "So etwas kommt für uns nicht in Frage", versicherte Haagensen.------------------------------Foto: Thomas Haagensen (37) ist seit Oktober 2008 Deutschlandchef bei Easyjet. Neben den deutschsprachigen Märkten betreut er Nord- und Osteuropa. Der gebürtige Däne begann seine berufliche Laufbahn 1996 bei Tetra Pak. 2008 wechselte er zu Easyjet.

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