Die Christdemokraten in Mecklenburg-Vorpommern sind nicht nur am 20. September aus dem Landtag geflogen, sie bleiben es auch am 1. Oktober. Das sagt jedenfalls das Endergebnis von 4,9 Prozent, das gestern amtlich unaufgeregt vom Landeswahlleiter Christian Boden verkündet wurde. Damit ist der politische Absturz der CDU offiziell besiegelt und der letzte Hoffnungsschimmer auf eine Nachzählung mit glücklichem Ausgang vollends verpufft.
Genau in solchen Momenten braucht eine Partei Menschen, die ihre Mitglieder zusammenhalten, bevor sie scharrenweise das sinkende Schiff verlassen. Der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Wolfgang Waldmüller scheint einer dieser Menschen zu sein, die sich berufen fühlen, die Parteifreunde bei Stange zu halten.
In einem Mitgliederbrief forderte der CDU-Kreisvorsitzende von Ludwigslust-Parchim nun dazu auf, nicht aufzugeben oder auszutreten und sich vor allem weiter öffentlich zur CDU zu bekennen. Wer jahrelang Plakate geklebt, an Infoständen gestanden und vor Ort für die Partei gekämpft habe, solle nicht auch noch das Gefühl bekommen, sein Einsatz sei wertlos gewesen, teilte er mit.
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Durchhalten allein reicht nicht
Dieser Appell mag durchaus seine Berechtigung haben und gutes Zureden ist in der aktuellen Situation der CDU vielleicht nicht die schlechteste Strategie. Immerhin sind diese 4,9 Prozent ja auch kein kleiner Dämpfer, sondern ein politischer Absturz in Vollendung. Nichtsdestotrotz wirkt Waldmüllers Durchhalteparole eher wie ein Akt der Verzweiflung.
Es hilft nicht, einfach nur höflich darauf hinzuweisen, weiterzufahren, wenn die Klippe bereits überschritten ist. Und ein gerader Rücken und der starre Blick nach vorne, ohne wenigstens einen Blick zurückzuwerfen, ersetzen noch keine ehrliche Bilanz, welche die CDU in MV jetzt dringend bräuchte. Waldmüllers eingeforderter Zusammenhalt und der eindimensionale Blick in Richtung Berlin sind zu wenig, wenn die Union wieder die Bretter betreten möchte, die die Landespolitik bedeuten.
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Allein mit dem Verweis auf die Unzufriedenheit der Bürger mit der Bundespolitik und Kanzler Merz, überhöhten Benzinpreisen und der Rente wird man keine verloren gegangenen Wählerstimmen zurückholen. Gleiches trifft für den von Ministerpräsidentin Schwesig befeuerten Wahlkampf zu, der bekanntlich im Duell mit der AfD mündete. Ja, es ist richtig, die CDU musste sich in Mecklenburg-Vorpommern gegen Gegenwind aus Berlin und zwischen den Fronten von SPD und AfD behaupten. Wer aber die Erklärung dort enden lässt, macht es sich zu bequem.
Die Wähler haben nicht nur über Merz und Schwesig abgestimmt, sie haben auch darüber entschieden, ob ihnen die CDU im eigenen Land etwas zu sagen hatte und was sie angesichts der bestehenden Probleme anders machen will. „Die Mitte ist das Beste“ als Antwort auf alles war für die meisten Bürger anscheinend nicht überzeugend genug. Anders lässt sich das Ergebnis von 4,9 Prozent nicht erklären.
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Schluss mit dem Blick nach Berlin
Besonders bemerkenswert ist Waldmüllers Satz, die Wahl sei nicht in seinem Landkreis verloren worden. Natürlich trägt ein einzelner Kreisverband nicht die Verantwortung für ein landesweites Debakel. Aber in zwei Wahlkreisen von Ludwigslust-Parchim kam die CDU bei den Zweitstimmen nur auf 4,3 beziehungsweise 4,5 Prozent. Das ist sogar noch weniger als im Landesdurchschnitt. An dieser Stelle ist Waldmüller gut beraten, die eigene Arbeit nicht von der Aufarbeitung auszunehmen.
Er sagt, er richtet den Blick bereits auf die Kommunalwahl 2029. Das kann den CDU-Mitgliedern ein Ziel geben. Aber drei Jahre sind eine lange Zeit, wenn die Strategie lediglich durchhalten lautet.
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Der CDU in MV würde jetzt eine schonungslose Debatte über ihren Wahlkampf, ihre Themen, ihr Personal und ihre Verbindung zu den Menschen im Land guttun. Damit die Union endlich einmal herausfindet, warum die Wähler ihr in Scharen den Rücken gekehrt haben. Einen geraden Rücken zu machen, wie Waldmüller es fordert, ist dabei tatsächlich ein Anfang. Aber wer aufrecht stehen will, muss auch bereit sein, in den eigenen Spiegel zu schauen und nicht immer nur nach Berlin.
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