Lange fristete das Theater am S-Bahnhof Karlshorst in Lichtenberg ein unscheinbares Dasein: Es war zu. Kaum aber ist der wuchtige Nachkriegsbau, den die Sowjets für ihre Truppen errichteten, saniert, entspinnt sich eine Debatte um das Haus. Genauer gesagt - um das neue Logo. Denn das Gebäude, in dem jetzt unter anderem eine Filiale der Lichtenberger Musikschule ihren Sitz hat, firmiert seit Anfang Oktober unter "teatr Karlshorst" sowie einem Symbol, das die Silhouette des Hauses darstellen soll.Doch aus Sicht der Lichtenberger Christdemokraten stellen die schwarzen Quader und der Stern darüber kein Haus dar, sondern ein russisches Kriegsschiff. Diesen "Panzerkreuzer Potjomkin" wolle man nicht, sagt CDU-Kreischef Gregor Hoffmann in Anspielung auf das Schiff, dessen Besatzung 1905 gegen die zaristischen Offiziere rebellierte. Solch ein Kriegssymbol in Karlshorst - das gehe gar nicht, so Hoffmann. "Wir fordern deshalb, dass das Symbol überarbeitet wird."Auf Kritik stößt das Logo auch bei der Evangelischen Paul-Gerhard-Gemeinde in Karlshorst. Gerade bei älteren Anwohnern würden Erinnerungen an den Krieg geweckt, sagt Pfarrer Edgar Dusdal. Außerdem werde das Signet der russischen Kulturtradition nicht gerecht, sondern reduziere das Land auf das Militär. Unzufrieden mit dem Logo ist auch SPD-Fraktionschef Manfred Becker, auch wenn er das Thema "nicht so hoch hängen" wolle wie die CDU. Aber auch er sehe eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Panzerkreuzer - allerdings mit der "Aurora", die 1917 mit einem Kanonenschuss den Beginn der Oktoberrevolution einleitete. "Vielleicht überdenkt man das Symbol noch mal." Ihn störe aber auch die Schreibweise "teatr" - ein russischer Begriff in deutschen Buchstaben. Bei der Gelegenheit könne auch das überarbeitet werden.Die Besitzerin des Theaters, die Wohnungsbaugesellschaft Howoge, lehnt eine Überarbeitung ab. Das Signet nehme Bezug auf die Geschichte des Hauses, die Silhouette, ein liegender Quader mit Bühnenturm und kein Schiff, sei leicht angeschrägt worden, um dem Signet eine größere Dynamik zu verleihen, sagt Sprecherin Angela Reute. Das Logo werde nicht überarbeitet und demnächst auch am Haus angebracht.Überrascht und fast verärgert über die Debatte zeigt sich Grafiker Axel Watzke von der Lichtenberger Agentur "Anschlaege", der das Logo entworfen hat. "Die Fantasie ist grenzenlos", sagt er, gleichwohl wundere ihn, wie heftig debattiert werde. Ungerührt gibt man sich indes im Bezirk Lichtenberg. "Ich kann mit dem Logo leben", sagt Kulturstadträtin Katrin Framke (für Linke). Das Haus gehöre dem Bezirk nicht. "Und ich bin auch nicht die Geschmackspolizei."------------------------------Foto: Haus mit markantem Bühnenturm - das sanierte Theater Karlshorst.
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