Immo v. Fallois

Die DDR war nicht hässlich: Die visionäre Architektur von Hermann Henselmann

Der DDR-Architekt Hermann Henselmann wird heute immer noch missverstanden. Der Hochmut der Westdeutschen übergeht famose Städte- und Gebäudeplanung aus dem Osten. Eine Kolumne.

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Der Berliner Fernsehturm wurde unter anderem nach Plänen von Hermann Henselmann gestaltet.

Der Berliner Fernsehturm wurde unter anderem nach Plänen von Hermann Henselmann gestaltet.

© imago

Hermann Henselmann (1905-1995) war der bekannteste Architekt der DDR. Sei großes Wirken prägte Architektur und Städtebau und -planung in der ehemaligen Republik, insbesondere in den 50er und 60er Jahren.

Nun hat seine Enkelin Florentine Anders einen Roman „Die Allee“ vorgelegt, der ihre Familiengeschichte auf mitreißende Weise mit der Architektur der DDR verknüpft. Sie lobt ihren Großvater als Visionär, der aufgrund sowjetischer Order viele seiner Pläne nicht realisieren konnte. Der für moderne Städteplanung kämpfte und oft verlor. Und dennoch hatten seine sozialistisch-klassistischen Bauten Gewicht: Sein Entwurf für den Berliner Fernsehturm, die Gestaltung der ehemaligen Stalinallee, des Frankfurter Tors oder des Strausberger Platzes. Aber auch das Haus des Lehrers, der Kuppelbau der Kongresshalle am Alexanderplatz oder das City-Hochhaus in Leipzig entstanden nach seinen Planungen.

Häufig versuchte der international bekannte Stadtgestalter seine Konzeptionen einzubetten in soziale, ästhetische und gesellschaftspolitische Aspekte des modernen und damals zeitgemäßen Städtebaus. Jedoch, das schreibt seine Enkelin auch, nahm ihm die ideologische Enge des Staates viel Kreativität und er musste oftmals zurückrudern. Privat konnte der Erzürnte dann sehr cholerisch werden.

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