Sie sind gut zweieinhalb Meter groß und tragen Kettenhemd oder Krönungsmantel: Die Puppen - so nannten die Berliner voller Spott die überlebensgroßen Denkmäler der brandenburgisch-preußischen Herrscher aus weißem Carrara-Marmor, die Markgrafen, Kurfürsten und Könige standen einst entlang der 750 Meter langen Siegesallee im Großen Tiergarten. Nach 30 Jahren verlassen sie ihr Asyl im Kreuzberger Lapidarium und werden in diesen Tagen auf die Zitadelle Spandau gebracht.Gestern sind die beiden Berlin-Gründer, die Markgrafen Johann I. und Otto III., umgezogen. Beide regierten zwischen 1220 und 1266, also zu der Zeit, als Berlin gegründet wurde. "Und sie haben Spandau die Stadtrechte gegeben", sagt Spandaus Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU). Deshalb sei er besonders stolz darauf, dass die Markgrafen wie vor 777 Jahren wieder auf der Zitadelle sind. Der Tieflader hatte beim Transport nur kurz ein Problem, das sieben Tonnen schwere Denkmal passte nur knapp durch das Festungstor der Zitadelle. Dass die Markgrafen gemeinsam in einem Denkmal dargestellt wurden, sei eine "Anspielung auf die Doppelstadt Berlin und Cölln", sagt die Kunsthistorikerin Uta Lehnert. Das Denkmal zeigt Johann sitzend mit der Urkunde auf dem Schoß, durch die Berlin und Cölln das Stadtrecht erhalten sollte. Otto steht daneben.Von den einst 32 großen Figuren, die zwischen 1898 und 1901 im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. an der Siegesallee aufgestellt wurden, waren nach dem Zweiten Weltkrieg 26 erhalten geblieben, ebenso 40 dazugehörende Büsten von Politikern und Künstlern. Die übrigen Skulpturen waren zerstört oder sind verschollen. 1950 wurden die Denkmäler abgebaut und zum Schloss Bellevue geschafft. Als das zum Sitz des Bundespräsidenten ausgebaut werden sollte, wurden 1954 einige Puppen zur Zitadelle gebracht. Die meisten anderen wurden einfach zwei Meter tief im Schlossgarten vergraben. Erst bei der Neugestaltung des Gartens 1979 erinnerte man sich an die Denkmäler und lagerte sie in Kreuzberg ein.Landeskonservator Jörg Haspel sieht es als "großen Erfolg, dass die Denkmäler wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden". Die Skulpturen sollen in den nächsten Monaten restauriert, das heißt vor allem gereinigt und später im Magazingebäude der Zitadelle ausgestellt werden.------------------------------Foto (2): Erst vergraben, dann eingelagert: die Denkmäler im Lapidarium (l.). Seit gestern sind die Berlin-Gründer Johann I. und Otto III. wieder auf der Zitadelle.
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