OBERHOF. So schlau muss man erst einmal sein: Gerade hatte Kati Wilhelm die deutsche Biathlon-Staffel am Grenzadler in Führung geschossen, gerade hatte sie ihre Kollegin Sabrina Buchholz mit 22 Sekunden Vorsprung auf die Reise durch die schneedurchtriebene Nacht geschickt, gerade hatten sich die 16 000 Partygäste am Rennsteig auf ihr Lieblingslied "Wenn nicht jetzt, wann dann?" geeinigt - da stellte Uwe Müssiggang am Schießstand fest, dass das Rennen verloren war. "Wenn die Iouriewa ohne Fehler bleibt, dann wird es eine halbe Minute Rückstand. Mindestens", sagte er.Nun, Uwe Müssiggang darf natürlich so unverschämt schlau sein. Er ist schließlich Bundestrainer. Es war aber fast ein wenig beruhigend, dass er zwar im Großen und Ganzen richtig, in einem kleinen Detail aber doch daneben lag. Die Russin Ekaterina Iouriewa blieb am Schießstand tatsächlich ohne Fehler. Die Prognose des daraus resultierenden Rückstandes der deutschen Staffel stellte sich allerdings als etwas optimistisch heraus. Seine Schützin Sabrina Buchholz verfehlte nämlich gleich drei Mal das Ziel. Als sie aus der fälligen Strafschleife bog, war die Russin fast eineinhalb Minuten enteilt und die Auftakt-Veranstaltung des Biathlon-Weltcups in Oberhof entschieden.Ohne die drei Weltmeisterinnen Andrea Henkel, Magdalena Neuner und Martina Beck landete das Quartett des Deutschen Skiverbandes hinter den dominierenden Russinnen und den überraschenden Ukrainerinnen am Ende auf Rang drei und Müssiggang musste feststellen, dass er damit trotz aller wahrsagerischen Qualitäten sein Tagesziel verfehlt hatte: "Wir wollten den Abstand zu den Russinnen verkürzen. Das hat heute nicht geklappt." Für Russland war es der dritte ungefährdete Staffelsieg in Serie.Unglaublich schnellMüssiggang ärgerte sich über die indiskutable Schussleistung seiner Staffel, die insgesamt zwölf Ersatzpatronen verbrauchte, sah aber ein, dass es auch so schwer geworden wäre an diesem Abend. Iouriewa war so unglaublich schnell in der Loipe unterwegs, dass Olga Medwedzewa um ein Haar ihren Einsatz als Schlussläuferin verpasst hätte. Olga Medwedzewa hieß im Übrigen einmal Olga Pylewa, hat gerade eine längere Dopingsperre abgesessen - und war auch unglaublich schnell.------------------------------Foto: Wink mit Fahne: Olga Medwedzewa gibt den Zuschauern in Oberhof bei der Zielankunft einen kleinen Hinweis, für welches Land sie an den Start gegangen ist. Ja, sie ist Russin.
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