Verbot

„Die Enten machen uns wahnsinnig“: Reederei verbannt Quietscheenten vom Kreuzfahrtschiff

Marella Cruises verbannt Quietscheenten von Bord. Was hinter dem Kreuzfahrt-Trend Cruising Ducks steckt und welche Reedereien noch durchgreifen.

4 Min
Quietscheenten sind auf Kreuzfahrtschiffen zum Streitfall geworden: Marella Cruises bittet Gäste, die Gummienten zu Hause zu lassen. (Symbolbild)

Quietscheenten sind auf Kreuzfahrtschiffen zum Streitfall geworden: Marella Cruises bittet Gäste, die Gummienten zu Hause zu lassen. (Symbolbild)

© Imago

Auf den Kreuzfahrtschiffen von Marella Cruises sind Gummienten künftig unerwünscht. In den Bordnewslettern der britischen Reederei stand zuletzt eine Bitte, die man zweimal lesen muss: Quietscheenten bitte zu Hause lassen.

Die Begründung ist ein Wortspiel. Die Enten, heißt es dort, machten die Crew langsam „quackers“ – das klingt nach dem englischen „crackers“ für verrückt und nach dem Quaken einer Ente zugleich. Der Bordbrief wurde Anfang August auf Facebook gepostet, Cruise Hive hat ihn zuerst ausgewertet.

Marella Cruises verbietet Gummienten an Bord

Spielzeug, Nippes und persönliche Gegenstände sollen Passagiere weder auf dem Schiff noch in den Zielhäfen verstecken oder zurücklassen. Betroffen sind neben Badeenten auch Schlüsselanhänger, Sticker und Plüschtiere.

Alles sei gut gemeint, schreibt die Reederei, könne aber zur Gefahrenquelle werden. Die Crew räume die Fundstücke ohnehin weg. Dazu kommt ein Umweltargument: Man arbeite daran, Plastik zu vermeiden, liegengelassene Souvenirs passten schlecht dazu.

Bestätigt sind die Hinweise bisher auf der „Marella Voyager“ und der „Marella Discovery“.

Cruising Ducks: Wie 50 Badeenten den Trend auslösten

Angefangen hat alles im März 2018 in Galveston, Texas. Die damals zehnjährige Abby Davis wollte auf ihre erste Kreuzfahrt Gummienten mitnehmen, ihre Familie kaufte 50 Stück und versteckte sieben pro Tag an Bord der „Carnival Breeze“.

Heute hängt an fast jeder Ente ein Zettel mit Name, Schiff und Datum, dazu die Aufforderung „Keep or hide, you decide“ – behalten oder weiterverstecken, entscheide selbst. Die größte Facebook-Gruppe zählt je nach Zählung zwischen gut 250.000 und knapp 330.000 Mitglieder, wie unter anderem Cruise Critic dokumentiert.

Aus ein paar Enten pro Reise sind ganze Tüten geworden. Und je größer die Zahl, desto abenteuerlicher die Verstecke.

Enten-Regeln bei den großen Reedereien im Überblick

  • Marella Cruises: bittet darum, gar keine Enten mehr mit an Bord zu bringen
  • Disney Cruise Line: bittet um Verzicht aufs Verstecken, seit 3. Juni 2026 zudem strengere Regeln für Türdeko
  • Royal Caribbean: erlaubt, aber nicht im begrünten Central Park der Oasis- und Icon-Klasse, dort hatten die Pflanzen gelitten
  • Norwegian Cruise Line: offiziell nicht verboten, wird aber nicht gern gesehen
  • Carnival Cruise Line: macht mit und schickte Ende 2024 sogar ein kostümiertes Enten-Maskottchen an Bord

Ein förmliches Komplettverbot hat bislang keine Reederei ausgesprochen.

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Marella Cruises gehört zur TUI – die Schiffe kommen aus Papenburg

Marella Cruises klingt britisch und bedient auch ausschließlich den britischen Markt. Eigentümerin ist allerdings die TUI, und zwar zu 100 Prozent.

Noch pikanter wird es bei der Flotte. Die „Marella Explorer“ fuhr früher als „Mein Schiff 1“, die „Marella Voyager“ als „Mein Schiff 2“ und später als „Mein Schiff Herz“. Beide stammen von der Meyer Werft in Papenburg, wie das Fachportal Cruisetricks auflistet.

Auf diesen Schiffen sind Gummienten jetzt unerwünscht. Für deutsche Gäste ändert sich vorerst nichts: Von TUI Cruises und AIDA ist keine vergleichbare Regel bekannt, auf der „Mein Schiff Relax“ wurden zuletzt weiter Enten gefunden.

Der Widerspruch: Gummienten liegen im Bordshop

Unter dem Facebook-Post, der die Marella-Bitte bekannt gemacht hat, steht ein Kommentar, der die Sache präzise trifft. Sinngemäß: Hilfreich wäre es, wenn das Schiff die Enten nicht weiter im eigenen Shop verkaufen würde, vergangene Woche seien sie noch im Angebot gewesen.

Ob die Bitte wirkt, ist offen. In den Kommentarspalten kündigen etliche Nutzer an, ihre Enten trotzdem einzupacken. Die Crew wird also noch eine Weile suchen.

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