Raumfahrt

Die Erde hat mehrere Monde – China hat jetzt einen davon erreicht

Die Sonde Tianwen-2 hat den Quasi-Mond Kamo´oalewa erreicht. Der rasende Brocken könnte ein Stück unseres Mondes sein – die Beweise fehlen noch.

3 Min
Ende Mai 2025 hob die Sonde Tianwen-2 an Bord einer Rakete vom Typ Langer Marsch 3B vom Weltraumbahnhof Xichang ab.

Ende Mai 2025 hob die Sonde Tianwen-2 an Bord einer Rakete vom Typ Langer Marsch 3B vom Weltraumbahnhof Xichang ab.

© IMAGO/JOE

Die Erde hat einen Mond. So steht es in jedem Schulbuch, und so falsch ist es genau genommen auch. Denn unser Planet wird auf seiner Reise um die Sonne von mindestens acht weiteren Begleitern umschwirrt – sogenannten Quasi-Monden.

Einen davon hat China jetzt offenbar erreicht. Die Sonde Tianwen-2 ist nach gut einem Jahr Flugzeit beim Quasi-Mond Kamo´oalewa angekommen, wie unter anderem das Portal IFLScience berichtet. Eine offizielle Bestätigung der chinesischen Raumfahrtbehörde CNSA steht noch aus.

Was ist eigentlich ein Quasi-Mond?

Quasi-Monde sind Felsbrocken, die scheinbar die Erde umkreisen – in Wahrheit aber auf einer eigenen, sehr ähnlichen Bahn um die Sonne fliegen. Sie begleiten uns wie ein Radfahrer, der neben einem Zug herfährt: gleiches Tempo, gleiche Richtung, aber eben nicht im selben Waggon.

Kamo´oalewa ist der größte und spannendste dieser Begleiter. Der Brocken misst 45 bis 60 Meter und entfernt sich nie weiter von der Erde als etwa das Zehnfache der Monddistanz. Trotzdem ist er kaum zu beobachten – oft steht er von uns aus gesehen in Richtung Sonne.

Ein Stück von unserem Mond?

Das Spannende: Spektralanalysen deuten darauf hin, dass Kamo´oalewa gar kein gewöhnlicher Asteroid ist. Er könnte ein Trümmerstück unseres echten Mondes sein, herausgeschlagen bei einem Asteroideneinschlag vor langer Zeit.

Bewiesen ist das nicht. Genau deshalb soll Tianwen-2 eine Probe entnehmen und zur Erde zurückbringen. Die CNSA nennt das Objekt ein „lebendes Fossil“, das Informationen aus der Frühzeit des Sonnensystems bewahrt haben könnte.

Der schwierigste Teil kommt noch

Einfach wird die Probenentnahme nicht. Kamo´oalewa rotiert vermutlich einmal alle 28,3 Minuten um die eigene Achse – rasend schnell für einen Himmelskörper. Das spricht dafür, dass es sich um einen massiven Felsblock handelt und nicht um einen losen Schutthaufen, der bei diesem Tempo längst auseinandergeflogen wäre.

Die Sonde soll sich der Rotation des Brockens anpassen, einen Arm ausfahren und Material einsammeln. Klappt alles, landet die Rückkehrkapsel Ende 2027 auf der Erde.

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Für Tianwen-2 ist damit noch nicht Schluss: Anschließend fliegt die Sonde weiter zum Kometen 311P im Asteroidengürtel. Ankunft: voraussichtlich 2035. Das Weltall hat es bekanntlich nicht eilig.

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