Die Erfurterin gewinnt bei den deutschen Meisterschaften der Eisschnellläufer beide Sprinttitel

Sabine Völker setzt Signale

Karl-Heinz Bergmann
4 Min

BERLIN, 4. November. Sie stützte sich mit beiden Unterarmen auf der Bande ab, ließ Schultern und Kopf hängen. Ein Moment der völligen Erschöpfung und der inneren Einkehr. Und als sich die Atmung wieder dem Normalpegel näherte, stieß Sabine Völker zwischen zweimal Luftholen ein Wort heraus, das eigentlich nicht zu ihrem gängigen Repertoire zählt, das sie an diesem Tag noch oft ungläubig wiederholen sollte: "sensationell".Die 28-jährige Erfurterin hatte Sonntagmittag bei den nationalen Titelkämpfen der Eisschnellläufer auf dem Oval in Berlin-Hohenschönhausen über die 1 000 Meter nicht nur Vorjahressiegerin Anni Friesinger aus Inzell im direkten Duell hinter sich gelassen, sondern eine Zeit erzielt, die wohl zu diesem Zeitpunkt kaum einer für möglich hielt, "ich schon gar nicht". Eigenen Bahnrekord ausgelöscht Bei 1:16,47 Minuten war die Uhr stehen gelieben - noch nie hatte eine Frau diese Strecke im Sportforum schneller beendet. Sabine Völker löschte damit ihren eigenen Bahnrekord von 1:17,04 Minuten aus, den sie beim ersten Saisontest vor einer Woche aufgestellt hatte. Zum Vergleich: Friesinger war vor Jahresfrist in 1:17,49 Meisterin geworden. Nach dem anschließenden Männer-Wettbewerb konnten die wenigen Zuschauer, die die dreitägigen Meisterschaften verfolgten, die Leistung noch besser einordnen: Vergeblich hatten die ersten sieben Paare (von insgesamt 13) versucht, die Völker-Zeit zu unterbieten. Erst im achten Paar gelang dies dem Berliner Andre Unterdörfel, am Ende in 1:15,53 Zehnter. Im Duell der Meisterinnen - Völker hatte zuvor den Titel über die 500 Meter geholt, Friesinger ihre derzeitige Dominanz über die 1 500 Meter unterstrichen - hatte die Erfurter Sprintspezialistin deutlich den besseren Start. Die Zwischenzeit über 100 Meter: Völker 18:08 Sekunden, Friesinger 18:31. Nach 500 Metern hatte Völker (46,00) den Vorsprung vor Friesinger (46,61) ausgebaut. Doch wie erwartet rückte die blonde Inzellerin, deren kraftvollem Stil das am Sonntag schwere Eis mehr entgegenkam als Leichtgewicht Völker, näher und näher: Nach dem Zieldurchlauf fehlten zehn Hundertstelsekunden. Mit den beiden Siegen vom Wochenende hat Sabine Völker nun endgültig die Erinnerungen an den schweren Trainingssturz vor zehn Monaten an gleicher Stelle getilgt. Am 3. Januar 2001 war sie kopfüber in die Bande gestürzt und erst nach siebenminütiger Bewusstlosigkeit wieder erwacht. Die studierte Diplom-Betriebswirtin, derzeit Hauptgefreite der Bundeswehrfördergruppe Oberhof, weiß um die Ursachen: "Das hatte damals nichts mit der Bahn zu tun, sondern mehr mit meinem eigenen Befinden: Ich war gesundheitlich nicht gut drauf, deshalb nicht richtig konzentriert."Ende der VerwechslungSabine Völker ist als einzige der einstigen Erfurter Frauen-Streitmacht um Gunda Niemann-Stirnemann und der früheren Sprintweltmeisterin Franziska Schenk übrig geblieben. Nach ihrem eindrucksvollen Saisonauftakt deutet manches darauf hin, dass sie die Thüringer Erfolgsbilanz bei den Winterspielen in Salt Lake City fortschreiben kann. Sollte dies gelingen, kann die 28-Jährige auf noch etwas Anderes hoffen: auf das Ende der Vornamen-Verwechslung: "Ich konnte bisher tun, was ich wollte, noch heute werde ich häufig mit Sandra angesprochen". Schwimmerin Sandra Völker lässt grüßen. Zu den Besiegten der Meisterschaft zählte Monique Garbrecht-Enfeldt, die Weltmeisterin und Weltrekordlerin. Die Berlinerin - 500-Meter-Zweite hinter Völker - hatte als erste der Favoritinnen über die 1 000 Meter auf das Eis gemusst, ihren Lauf gegen Marion Wohlrab aus Pfaffenhofen in 1:18,36 Minuten gewonnen. Doch als sie ins Ziel lief, schwante es ihr, dass diese Zeit dem Ansturm von Völker und Friesinger nicht standhalten würde. Ein Blick zurück aber könnte für Monique Garbrecht-Enfeldt zugleich ein optimistischer Blick nach vorn sein: Auch vor Jahresfrist war sie nur Dritte geworden - um dann bei den Weltmeisterschaften als Königin des Sprints gekrönt zu werden."Bisher konnte ich tun, was ich wollte, es hat nichts genutzt: Noch heute werde ich häufig mit Sandra angesprochen. " Sabine Völker über die Verwechslung mit der Schwimmerin Sandra Völker

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