Am 12. Dezember jährt sich zum achtzigsten Mal der Todestag von Regina Jonas, der weltweit ersten ordinierten Rabbinerin, wie das Bezirksamt Pankow in einer Pressemitteilung erinnert. Geboren am 3. August 1902 im Berliner Scheunenviertel, wuchs Jonas in einfachen Verhältnissen auf und hegte schon früh den Wunsch, Rabbinerin zu werden. Dies war im Judentum ihrer Zeit eine Seltenheit, dennoch verfolgte sie ihren Traum mit Entschlossenheit.
Ab 1920 besuchte sie das öffentliche Oberlyzeum in Berlin-Weißensee, heute das Primo-Levy-Gymnasium. Zu der Zeit lebte die Familie in einer Hinterhofwohnung in der Heinersdorfer Straße (heute Heinrich-Roller-Straße). Von da war es nicht weit zur Synagoge in der Rykestraße, wo die Familie regelmäßig an der Schabbatfeier teilnahm.
Die Journalistin Elisa Klapheck schreit in ihrem Buch „Fräulein Rabbiner Jonas Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“, laut HaGalil, von früher Jugend an habe sie ein grenzenloser Enthusiasmus für alles, „das mit dem Judentum zu tun hatte“, erfüllt: „Daraus entwickelte sich schon bald ihr explizit geäußerter Berufswunsch, eine Rabbinerin zu werden. Nach der Reifeprüfung ließ sich Jonas zur Religionslehrerin ausbilden, unterrichtete an der Reliogionsschule Annenstraße und studierte an der liberalen Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Sie bekundete ihre Absicht, nach dem Ende des Studiums die Rabbinatsprüfung abzulegen. Der dafür zuständige Talmudprofessor Eduard Baneth hegte keine Einwände gegen die Ordination von Frauen. Dennoch bleibt es Spekulation, ob er Jonas tatsächlich ordiniert hätte, denn er starb kurz vor ihrer Zulassung zur mündlichen Prüfung im Jahr 1930. Sein Nachfolger Chanoch Albeck lehnte Jonas' Ordination ab.“
Nach ihrer Ordination arbeitete Regina Jonas als Religionslehrerin in der Jüdischen Gemeinde Berlins, trat jedoch selbstbewusst in der Rolle einer Rabbinerin auf. Mit Beginn des Jahres 1938 verschlechterten sich die Lebensbedingungen für die jüdische Gemeinde rapide. Angehörige drängten sie, Deutschland zu verlassen, doch Jonas blieb, um ihre Mutter und ihre Gemeinde nicht im Stich zu lassen. Anfang 1942 wurde Regina Jonas zur Zwangsarbeit in einer Berliner Kartonfabrik verpflichtet und am 6. November 1942 zusammen mit ihrer Mutter in das KZ-Theresienstadt deportiert. Später, am 12. Oktober 1944, wurden sie und ihre Mutter nach Auschwitz-Birkenau gebracht und kurz darauf ermordet.
Im Sammel- und Durchgangslager Theresienstadt hielt sie weiterhin Vorträge und Predigten, so Memory Gaps. Sie arbeitete dort auch mit dem Wiener Psychiater und späteren Begründer der Logotherapie, Viktor Frankl zusammen, der ein „Referat für psychische Hygiene“ eingerichtet hatte, um den nach Theresienstadt Deportierten über den Ankunftsschock im Konzentrationslager hinwegzuhelfen.
In Erinnerung an ihr Lebenswerk wurde 2001 eine Gedenktafel in der Krausnickstraße 6 in Berlin-Mitte installiert. Weitere Informationen zu Regina Jonas bietet der dritte Band der Serie „SpurenSuche – Frauen in Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee“. Dieses Buch kann gegen eine Spende von 5 Euro bei der Gleichstellungsbeauftragten des Bezirksamtes erworben werden.
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