Das Berliner Schloss ist kein Luftschloss mehr. Die ersten Teile aus Sandstein, die einmal die barocke Fassade zieren sollen, existieren bereits. "Sie wurden jetzt für uns kostenlos von angehenden Steinmetzen und Steinbildhauern angefertigt", sagt Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer vom Förderverein Berliner Schloss.Eines der acht Teile hat der 28-jährige Robert Pries aus Weißensee hergestellt. Er machte im Juli seinen Meister im Steinmetzhandwerk in der Steinfachschule Wunsiedel im Fichtelgebirge. Und weil er es schon immer faszinierend fand, wenn er während seiner Ausbildung mit Steinmetzen durch die Stadt ging und die sagten, hier habe ich die Fenstersimse gemacht, dort die Säule, wollte er als Meisterarbeit nichts machen, was nur im Wohnzimmer verstaubt. Über seinen früheren Lehrmeister, den Steinmetz Carlo Wloch, hatte Pries bereits mit dem Berliner Schloss zu tun. Während seiner Lehre wurden in der Werkstatt erste Zeichnungen in Stein umgesetzt. So entstand die Idee, als Meisterstück ein Teil für die Schlossfassade zu machen.Der Förderverein Berliner Schloss arbeitet deutschlandweit mit Steinmetzschulen zusammen. Pries wurde ein 1,5 Tonnen schwerer Sandsteinblock zur Verfügung gestellt. "Der war ganz schön monströs", erzählt er. Daraus schlug er in drei Wochen einen 2,60 Meter langen, 64 Zentimeter breiten und 35 Zentimeter hohen Fenstersims, der über einem der Schlossfenster angebracht werden soll. Es ist ein schlichtes Stück, doch die Herausforderung bestand darin, über 2,60 Meter Länge gerade Profile in den Stein zu meißeln. Das ist Pries gelungen: Er schloss seine Prüfung als Jahrgangsbester ab und bekam für sein Stück Schlossfassade die Note 1,3.Er hofft, dass das Schloss nun auch wirklich mit historischer Fassade aufgebaut wird. "Nur ob ich dann weiß, wo genau mein Stück eingebaut ist, ist fraglich", sagt Pries. Jeder Sims und jede Fensterverzierung wird dutzendfach gefertigt und angebracht. Pries möchte in Bernau seine eigene Werkstatt einrichten und spekuliert darauf, dass er weitere Stücke für das Schloss herstellen kann. "Eine Arbeit, die so viel Handwerk erfordert, findet man heute nicht mehr so oft", sagt er. Die meisten Steinmetze machen hauptsächlich Grabsteine oder Bauteile. "Und das fasziniert mich nicht so richtig."Der Förderverein muss allerdings noch warten, bevor er die Arbeiten vergeben kann. Ab November startet ein Architekturwettbewerb, erst danach steht fest, wie der Wandaufbau genau sein wird. Dann erst ist klar, wie die Fassadenteile angebracht werden und dann erst kann ein Großteil gefertigt werden. Doch die Zeit drängt: York Stuhlemmer, als Architekt für die Rekonstruktion verantwortlich, geht davon aus, dass es bis zu sechs Jahre dauert, bis alle Teile von Hand hergestellt sind.------------------------------Vom Foto zur FassadeDie Skulpturen, die außen am 1950 gesprengten Berliner Schloss angebracht waren, sind noch zu etwa 70 Prozent erhalten. Sie lagern in Museumsdepots. Die Steine der Gesimse, Fenster, Säulen und Kapitelle gingen jedoch weitgehend verloren. Sie müssen rekonstruiert werden. Die originalen Baupläne sind allerdings seit 1713 verschollen.Alte Fotos dienen deshalb als Grundlage für die Zeichnungen, die das Architekturbüro von York Stuhlemmer von jedem Teil der Fassade im Maßstab 1:1 erstellt. Insgesamt werden die drei Schlossfassaden des geplanten Humboldt-Forums aus mehreren zehntausend Teilen bestehen. Die Ostfassade soll modern gestaltet werden.Die Zeichnungen werden von Bildhauern wie Matthias Körner in Pankow in ein Tonmodell umgesetzt. Weil Ton mit der Zeit aber schrumpft, wird daraus ein länger haltbarer Gipsabdruck gefertigt, daraus entsteht dann ein Gipsmodell. Einige der Modelle sind im Infozentrum des Fördervereins Berliner Schloss am Hausvogteiplatz 3-4 zu sehen.Die Gipsmodelle dienen Steinbildhauern und Steinmetzen als Vorbild. Figuren oder Kapitelle werden von diesen Bildhauern gefertigt, Steinmetze stellen Architekturteile her. Verwendet wird Reinhardtsdorfer Sandstein aus dem Elbsandsteingebirge.Acht Fassadenstücke sind bereits fertig. Sie sind als Gesellen- und Meisterstücke entstanden. Ein weiteres Stück, das dem gleicht, das Robert Pries gemacht hat, wird gerade in Niederschönhausen als Gesellenstück gefertigt.Die einzelnen Teile aus Sandstein müssen dann an der Fassade angebracht werden. Wie, ist erst klar, wenn die Entwürfe des internationalen Architektenwettbewerbs für das Humboldt-Forum vorliegen.Die Kosten für die barocke Fassade betragen rund 80 Millionen Euro mehr, als wenn man das Humboldt-Forum, das die Größe des ehemaligen Schlosses hat, in heutiger Architektur bauen würde. Die Mittel will der Förderverein Berliner Schloss aus Spenden aufbringen. Es fehlen aber noch 66,1 Millionen.Der Baubeginn soll 2010 sein, vier Jahre später soll das Forum mit Schlossfassade fertig sein.------------------------------Foto : Hat einen Teil der Schlossfassade als Meisterstück gestaltet: Robert Pries.
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