Das Schweineherz im Blut-Bad ist ein schockierender Anblick", sagt Maria Rübbelke, Geschäftsführerin von Mediport Biotechnik in Berlin-Lankwitz. Sie weiß, was sie Laien zumuten kann. Ein zuckendes Schweineherz gehört nicht dazu. "Working heart", zu deutsch: arbeitendes Herz, heißt die Entwicklung, mit der sich ihre Firma bei der Expo als "Weltweites Projekt" beworben hat. Die Herzen oder die Vorderläufe von Schweinen werden maschinell bis zu acht Stunden am Leben gehalten und können so für wissenschaftliche Experimente genutzt werden. Tierversuche sollen dadurch reduziert werden. "Working heart" ist einzigartig auf der Welt, die Expo-Leitung akzeptierte die Bewerbung. Die Urkunde für die Aufnahme des Unternehmens in die "Weltweiten Projekte" (WP) hängt eingerahmt im Flur zwischen dem Labor und dem Büro der Chefin. "Wir erhoffen uns eine breite Öffentlichkeit für unser Projekt", sagt Rübbelke. "Noch verbindet sich mit unserem Namen nichts. Die Expo ist ein Aufhänger, um Menschen und Medien für uns zu interessieren." Insgesamt 27 Unternehmen in Berlin und 19 in Brandenburg nehmen an der Sonderschau teil, die erstmals im Rahmen einer Weltausstellung veranstaltet wird.Mini-Expo vor der HaustürDie WP sind die Mini-Expo vor der eigenen Haustür. Die Weltausstellung, so die Idee der Organisatoren, soll nicht nur in Hannover, sondern überall dort stattfinden, wo Menschen Ideen für die Zukunft entwickeln und umsetzen. Wie die Strausberger Firma, die den Sekundenschlaf am Steuer eines Autos erforscht, oder eine Kamelmilch-Molkerei in Israel, die "Camelbert" herstellt. Es geht weniger um teure High-tech-Lösungen als um clever eingesetzte umweltverträgliche Technik oder soziale Aktionen. 700 Projekte wurden rund um den Globus ausgewählt.Wie bei der zentralen Veranstaltung in Hannover, erhoffen sich auch die Macher der WP viele Besucher. Der Berliner Expo-Beauftragte Hans-Jürgen Binek rechnet in der Hauptstadt vor allem mit Berlinern, zum Beispiel Schülern, Touristen aus Brandenburg und Fachbesuchern. Mediport Biotechnik ist gerade dabei, eine Ausstellung vorzubereiten. Statt eines echten Schweineherzens wird eine Plastik das Projekt verdeutlichen. Bei der Ausstellung hat sich das Unternehmen mit Mediport Kardiotechnik zusammengeschlossen. Die Schwesterfirma, die im selben Haus ansässig ist, hat ein Kunstherz entwickelt. Es soll das menschliche Herz unterstützen. So kann die Zeit bis zu einer Transplantation überbrückt werden oder das kranke Herz wird einfach nur entlastet, um sich zu erholen. Die beiden Firmen bilden zusammen den Hauptausstellungsort "Focus Mediport", Zukunft Gesundheit.Berlin hat vier solcher Hauptausstellungsorte: neben dem Mediport in Lankwitz die Rummelsburger Bucht mit dem Thema Wasser, Adlershof als "Stadt des Wissens" und Hellersdorf. In dem Ostberliner Stadtteil soll gezeigt werden, dass aus einer tristen Plattenbausiedlung ein funktionierender Stadtteil werden kann. Darüber hinaus gibt es elf weitere Projekte, wie das Haus der Wohnungsbaugesellschaft GSW an der Kochstraße in Kreuzberg. Es wirbt mit ökologischen und ingenieurtechnischen Besonderheiten um Besucher. Von diesen hat die Info-Box am Potsdamer Platz bereits genug gehabt. Die mehrere Jahre alte Ausstellungsplattform firmiert auch als WP und repräsentiert als solches einen neuen Umgang mit Baustellen.Während die WP in Berlin eher Technik und Wissenschaft in den Mittelpunkt stellen, beschäftigen sich die Brandenburger mehr mit Ökologie und sozialer Entwicklung. Das Zusammenwirken von Kunst, Kultur und Landschaft wird zum Beispiel in dem 180-Einwohner-Dorf Netzeband bei Neuruppin vorgestellt. Fürstenberg an der Havel wiederum zeigt Projekte, die sich mit der Umwandlung ehemaliger Militärgelände und -einrichtungen beschäftigen. Hier waren von 1945 bis 1994 bis zu 30 000 sowjetische Soldaten stationiert. "Wir hoffen, mit der Expo Touristen anzulocken", sagt Projektmanager Volker Scheicher. "Wir wollen aber auch Modell sein für EU-Beitrittsländer mit ähnlichen Problemen, wie zum Beispiel Polen."Das Fürstenberger Projekt gliedert sich in vier Teile, die besichtigt werden können: die Röbelinsee-Siedlung mit früher von Offizieren genutzten Stadtvillen, die zurzeit saniert werden, das Faserstoffgelände, wo jetzt Kunstprojekte realisiert werden, das Gewerbegebiet Lychener Chaussee und das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Damit die Besucher sich zurechtfinden, hat der Projektträger zehn Hostessen engagiert, die von Juni bis Oktober die Besucher informieren werden - eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Ein weithin sichtbares, zehn Meter hohes Expo-Segel, vom Land Brandenburg für jedes Projekt angeschafft, wird den Weg weisen.In Berlin war das nicht möglich. Der Hauptstadt fehlt es an Geld. Für fünf dieser Hinweis-Segel hat es immerhin noch gereicht: vier an den Hauptausstellungsorten und eins an den Potsdamer Platz Arkaden. In der Einkaufs-Passage lässt der Wirtschaftssenat denn auch in der Expo-Zeit Schautafeln aufstellen, die über die Berliner Projekte informieren. Will ein WP darüber hinaus für sich werben, muss es das aus eigener Tasche tun - bis hin zum Faltblatt, das in den Arkaden ausgelegt wird.Öko-Waschanlage für LastwagenBesonders jungen Firmen fehlt hierfür das nötige Geld. "Truck Wash", eine ökologische LKW-Waschstraße in Berlin-Marzahn, hat aus diesem Grund darauf verzichtet, einen Raum im Ausstellungsgelände Rummelsburger Bucht zu gestalten. Jetzt sitzt Helga Müller, Frau des Chefs und Marketingleiterin, über dem Angebotszettel für Straßen-Hinweisschilder und überlegt, wie viele davon sich "Truck Wash" leisten kann. Sie ist optimistisch, dass viele Besucher kommen - und wenn es Schulklassen sind. Die Eltern der Kinder hätten ja wiederum oft Wohnmobile, die sich bei "Truck Wash" ökologisch einwandfrei waschen ließen. "Irgendetwas kommt bei der Expo schon rum." Da ist Helga Müller zuversichtlich.BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK Die Rummelsburger Bucht - einer von vier Hauptausstellungsorten in Berlin.
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