Die Fahrer der Love Parade haben schon trainiert - und bei Ebay gibt's jetzt Plätze auf den Trucks

Der härteste Job der Welt

Eva Dorothée Schmid
3 Min

Wenn man den Veranstaltern der Love Parade Glauben schenkt, dann ist der härteste Job der Welt Truck-Fahrer auf dem Technospektakel: Im Schneckentempo geht es stundenlang bei ohrenbetäubendem Lärm durch schreiende, singende und tanzende Musikfans - eine Million davon erwartet die Love Parade GmbH am 15. Juli auf der Straße des 17. Juni. Deshalb gab es für die 40 Fahrer ein eintägiges Fahrtraining beim ADAC in Linthe, westlich von Berlin. Immerhin müssen sie die 40 Tonnen schweren Trucks - in der Branche Floats, also Flöße, genannt - mit DJs und Lautsprecherboxen auf der Ladefläche vorsichtig durch die Massen steuern. Norman Bauer hat an dem Training teilgenommen.Eigentlich hätte der 36-Jährige das gar nicht nötig, denn er war seit der ersten Love Parade jedes Mal als Truck-Fahrer dabei. Doch er ist gleichzeitig der Chef der Firma, die alle 40 Fahrer der Techno-Lastwagen stellt, und da ist es ja nicht schlecht, wenn man seine Mitarbeiter für das Training motiviert, indem man selbst mit dabei ist. Wummernde Bässe und halb nackte Tänzer gab es in Linthe nicht, trotzdem fühlt sich Norman Bauer jetzt "um die ein oder andere Erkenntnis reicher". Man habe das Anfahren mit 480 PS geübt, gelernt, dass ein Lkw bei Aquaplaning praktisch ungebremst weiterfährt und Hinweise zur Ladungssicherung bekommen. Das klingt alles nicht nach einer speziellen Vorbereitung für den Technoumzug, aber Bauer meint: "Es ging darum, den Fahrern zu vermitteln, welche Masse sie bewegen und wie sich das auswirken kann." Die Trucks seien eben dafür gemacht, mit 90 Kilometer pro Stunde über die Autobahn zu brettern und nicht, um im Kriechgang durch hunderttausende zu schleichen.Für Norman Bauer ist der Job auf der Love Parade nicht der härteste der Welt, wohl aber sehr verantwortungsvoll. "Wenn man da einen Fehler macht, kann es schnell mal zum Unglück kommen." Er mag elektronische Musik und findet, dass der Rave eine "nette Abwechslung zum Alltag" ist. Der besteht bei ihm darin, Bühnen zu transportieren. "Die Love Parade ist ein Event, wo man Spaß hat, es viel zu gucken gibt und man auch mal im Mittelpunkt steht." Da mache es nichts, wenn man am Abend fix und fertig sei wegen des Lärms und der Hitze. Bauer jedenfalls fährt immer mit offenem Fenster. "Wenn schon, dann gebe ich mir das volle Programm."Für Technofans, die lieber auf den Floats als um die Floats herumtanzen wollen, gibt es im Internet auf der Auktionsplattform Ebay derzeit die Möglichkeit, zehn Plätze auf einem der Wagen zu ersteigern. Die Auktion, deren Erlös an den Drogennotdienst Berlin e.V. fließen soll, endet am 6. Juli um 12.52 Uhr. Das Höchstgebot betrug gestern Abend 126 Euro. Bisher nicht sehr viel Geld dafür, dass man vielleicht ins Fernsehen kommt. Der Umzug wird nämlich übertragen. Nicht wie früher vom RBB, sondern von RTL II und Viva. Als öffentlich-rechtlicher Sender könne man sich nicht zum Marketinginstrument von McFit machen, sagte RBB-Sprecher Volker Schreck. Außerdem habe man nicht einschätzen können, wie die Parade unter dem neuen Veranstalter Rainer Schaller, dem Chef der Fitnesskette McFit, werde.In der Kulturbrauerei kann nach dem Umzug bei Love Base auf neun Floors mit 90 DJs weitergetanzt werden - bis zum Sonntagmorgen.------------------------------Foto: Bei der Love Parade lässt Norman Bauer mit seinen Zugmaschinen speziell für den Techno-Umzug gebaute Floats durch die Massen ziehen.

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